Ich hatte auch dieses Problem
Hallo Linda
ich kann Deinen Freund verstehen. Ich versuch mal zu erklären, was da abgeht.
Erst mal meine Geschichte:
Wir hatten früher eine WG mit zwei Katzen. Wann genau, weiß ich nicht mehr, aber ich hatte zunehmend das Gefühl, dass es mich in der eigenen Bude im Hals kratzte. Egal.
Bin da ausgezogen, und viel später wiederum mal beim Hautarzt gewesen wegen einer anderen Allergie. Der hat die Katzenallergie diagnostiziert und mir gesagt, ich soll "um Gottes willen" keine Haustiere anschaffen, das könne sich arg verschlimmern.
Wieder Jahre später (zusammen mit meiner jetzigen Freundin) kommt bei uns der Wunsch nach Mieze auf, oder besser gesagt, bei ihr. Da genug andere Sorgen im Kopf waren, hab ich nicht weiter nachgedacht und mich eines Tages breitschlagen lassen. Nach langer Suche dann, zwei Kater gefunden. Ich hab sie selber geholt, bin beim ersten Anblick dahingeschmolzen. Im Auto auf dem Rückweg fängt meine Nase an zu jucken, mich kratzts im Hals. Mir wird heiß und kalt. War da nicht was mit der Allergie... Egal, erst mal heim mit den Miezen, sonst wird der Abend fürchterlich.
Gut Katzen süß und so, aber nach der dritten Nacht, die die Kleinen verschämt unter dem Sofa verbracht haben, ging der Respekt verloren und sie sprangen über Sofa, Bett und Mobiliar. Und da gings bei mir richtig los. Nase zugeschwollen, Rachen kratzt, etc. Der erste Gedanke ist noch: Naja, kann man schon eine Weile aushalten, aber mir klingelte der Text des Hautarztes im Ohr: Kann sich voll verschlimmern.
Dann der große Google-Fehler.
Tausend Warnungen vor dem Kontakt mit dem Allergen. Immer: "Einzige Lösung: Allergenquelle weg! Sonst gibt's
Asthma." mit weiteren ermutigenden Texten wie: "Hypsensibilisierung geht bei Gräsern nicht bei Tieren". Und so weiter. Nachts sind die Biester (wir lieben sie) über das Bett galoppiert, morgens hab ich Pfoten in der Nase gehabt. Atemnot, aber ich bin auch ein riesen Hypochonder.
Arzt hab ich keinen mehr aufgesucht, zuviel Angst vor der Antwort. Zwei Wochen hab ich gelitten und schwankte zwischen: "Die müssen weg" und "Dann krieg ich halt
Asthma". Hab dann auch merkwürdige Versuche gemacht (erkläre ich auf Nachfrage), egal, war echt schlimm. Augen rot, Nase zu, Panik.
Dann nach gut zwei Wochen, plötzlich keine Niesatacken mehr, ich kann schnaufen. Dafür hatte ich dann die Symptome während der Arbeit (noch eine Woche). Und dann, magisch alles weg. Da konnte ich dann die Nase in das Bauchfell der Viecher stecken, nichts. Den Rumms als der Stein von meinem Herzen fiel, hättet ihr hören können. Hab die ganze Zeit gegenüber meiner Freundin runtergespielt, wie's mir gegangen war. Hab aber auch gewusst, dass es jeden Tag schlimmer würde, wenn ich sag, ich kann nicht mehr, sie müssen weg. Es hätte ihr das Herz gebrochen und nicht nur ihr.
Was denkt Dein Freund sich vielleicht?
Tja, er sieht, wie Du leidest, als ihr die Katzen weggeben müsst. Vielleicht hat er sich auch informiert und die Gefahren gelesen, die im Kontakt mit dem Allergen drohen. Er malt sich evtl. aus, wie es wäre, ein halbes Jahr durchzuhalten, und dann die Tiere, die euch ans Herz gewachsen sind, doch herzugeben, weil das Antihistaminikum nicht mehr wirkt und er obendrein noch
Asthma bekommt. Männer reden halt nie über ihre Ängste. Außer vielleicht, wenn sie ausgestanden sind (wie ich jetzt).
Was hilft ihm?
Ich hab mich oft gefragt, was gewesen wär, wenn die Allergie nicht nach zwei Wochen aufgehört hätte, und warum sie überhaupt aufgehört hat. Die übliche Medizin gibt dazu nur wenig Antworten. Ich hab mir daher viele Gedanken dazu gemacht. Unter anderem:
- ich hab gelesen, dass die Mehrzahl der Katzenhalter Antikörper gegen Katzenproteine haben, und somit eigentlich Allergiker sind, aber keine Symptome haben.
- wenn jede noch so schwache Allergie immer schlimmer wird, müsste man als Allergiker am Lebensende alle Allergien haben
- warum hatte ich zum Schluss meinen Schnupfen einen halben Tag nach dem Kontakt?
Ich folgerte daraus: Bei den Medizinern werden nur Allergien auffallen, wenn der Patient in die Praxis kommt. Leute wie ich, die entweder stur sind oder nicht kapieren, dass es eine Katzenallergie ist, weil sie vielleicht schwächer ausfällt, gehen nicht in die Statistik ein. Zum Arzt geht um so wahrscheinlicher, wer länger schon leidet, und bei dem es schlimmer wird.
Ich glaube deshalb, dass die Vermutung, dass bei einem Drittel der ignorierten Allergien ein
Asthma entsteht, zu hoch gegriffen ist, und viel mehr Allergien harmlos im Sande verlaufen, als gemeinhin angenommen wird.
Es gibt wohl heute Methoden, die der klassischen Hyposensiblisierung überlegen sind. Da ihr jetzt keine Katze habt, wäre das der Weg der Wahl, denn laut klassischer Meinung ist die Hyposensiblisierung bzw. SIT besonders erfolgreich, wenn sonst kein Kontakt zum Allergen besteht. Außerdem kann der Erfolg wohl besser überwacht werden. Das Problem dabei ist lediglich, einen Allergologen zu finden, der die SIT durchführt, auch wenn ihr wieder eine Katze wollt. Die meisten sind immer noch der Meinung, dass eine lebenslange Allergenkarenz (Trennung von der Quelle) Grundlage allen Tun und Lassens sein muss.
Und schlussendlich gibt's noch diverse Katzenrassen, die geringere Allergenmengen abgeben, z.B.
Rassen mit langen Haaren
Spezielle Züchtungen
Mein Bruder z.B. der ein schlimmerer Allergiker ist als ich und bei unseren Miezen rechte Niesanfälle bekommen hat, hat jetzt einen Maine-Coon angeschafft und hält's ganz gut aus, wie's scheint.
Außerdem haben Weibchen die geringsten Allergenausscheidungen, dann folgen kastrierte Kater. Die unkastrierten Kater sind am schlimmsten. Und meine Erfahrung ist, dass Katzen im Wachstum mehr Allergen abgeben.
Schlussendlich können Allergiker auch mit einer reduzierten Allergenmenge besser leben, die sich zum Beispiel mit einem strikten Schlafzimmerverbot für die Miezen erreichen lässt.
Ich hoffe, hier ist etwas Stoff für Deinen Freund dabei. Deine Aufgabe ist's halt, herauszufinden, was es ist, was ihm am meisten Angst macht.
Bedenke aber
was Du von ihm verlangst, denn bei allen Möglichkeiten der Desensiblisierung (hausgemacht, wie bei mir, oder durch Hilfe eines Arztes) bleibt die Gefahr, dass es nicht funktioniert und das Ergebnis eine schlimme, lebenslange Erkrankung der Atemwege ist, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann. Ich lebe auch mit der Gefahr, denn meine Allergie schaut regelmäßig, z.B. wenn ich eine starke Erkältung habe, bei mir wieder vorbei. Ich habe halt für mich beschlossen, dass ich das Risiko eingehe.
Viel Erfolg wünsch ich Euch.