Huhu,
ich möchte mich jetzt auch äußern. Achtung, könnte etwas länger werden.
In den letzten Beiträgen zu diesem Thema, die ja teilweise sehr hitzig waren, wurde unter anderem kritisiert, dass sich kaum Einzelkatzenhalter zu Wort gemeldet haben. Das möchte ich hiermit nachholen. Wir haben jetzt den vierten Einzelkater und das ergab sich so:
Zu meinem neunten Geburtstag (vor 38 Jahren also, als die Erde noch eine Scheibe und sowieso alles viel besser war) habe ich meinen ersten Kater bekommen. Tinka, 8 Wochen alt (er konnte noch nicht einmal richtig miauen). Leider haben wir es damals nicht besser gewusst und nach heutigen Maßstäben ein absolutes "No Go" (zu Recht, wie ich heute besser weiß. Er war zu jung und wurde einzeln abgegeben. Ich würde es heute ander machen). Meine Mutter, brave Hausfrau war immer zu Hause und Tinka so gut wie nie allein. Sogar in Urlaub haben wir ihn damals mitgenommen, obwohl alle den Kopf geschüttelt haben. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass er ganz schöne Macken hatte. Heute weiß ich natürlich warum. Als Tinka ca. 4 war haben wir ihn zum Freigänger gemacht, wodurch er wesentlich ausgeglichener wurde. Leider ist er mit 11 Jahren spurlos verschwunden.
Nachdem Tinka 8 Wochen weg war haben wir uns aus dem Tierheim einen neuen Kater geholt. Mikesch. Mikesch war total dürr und hatte eine dicke Bronchitis, die Gsd nicht chronisch wurde. Auf andere Katzen hat er, nach unserer Beobachtung, sehr aggressiv reagiert. Er war ca. 2 Jahre alt und hatte nach kurzer Eingewöhnungszeit Freigang. Es war auch immer jemand zu Hause. Leider konnte er überhaupt nichts mit Kindern anfangen und hat sich nach der Geburt meines Sohnes (1995) sehr zurückgezogen. 1996 mussten wir ihn einschläfern lassen (Katzenaids). Alles einfach nur furchtbar.
Danach wollten alle keine Katze mehr. Heute weiß ich gar nicht mehr, wie ich die Jahre ohne Katze überstanden habe. Bis Januar 2010 mein Bruder auf der Arbeit von einem Kater als neuer Dosenöffner ausgesucht wurde. Da mein Bruder bereits zwei BKH hatte, haben wir Shanks genommen. Ein absoluter Schoßkater, der unendlich lieb und brav war. Leider war Shanks von Anfang an schwer herzkrank. Die TÄ gaben ihm maximal 6 Monate. Er hat bis zum 12.06.2012 bei uns gelebt. Shanks ist nur in unserem Garten geblieben. Hatte sich allerdings mit einem Nachbarn angefreundet, der zwei Siamesendamen hatte. Diese beiden Siamesen (Kennt ihr die Siamesen aus Susi und Strolchi?) waren in der ganzen Nachbarschaft berüchtigt. Aggressiv und frech. Seltsamerweise nicht zu Shanks. Die ältere der Beiden, Kassandra, entwickelte sogar (zum Entsetzen ihrer Katzenschwester Cosima) eine regelrechte Vorliebe für unseren Kater. Sie wartete auf ihn im Garten und hat auch mit ihm gespielt. Kurz vor ihrem Tod(sie war schwer Nierenkrank) hat sie sich sogar von ihm regelrecht verabschiedet. Es war so unendlich rührend. Shanks hat sie tagelang im Garten gesucht. Obwohl unser Nachbar es mehrfach versucht hat, ließ sich die überlebende Schwester nicht vergesellschaften. Inzwischen ging es Shanks zunehmend schlechter, so dass er die Mauer zum Nachbargarten nicht mehr schaffte. Wenn der Nachbar da war, hat er immer gefragt: "Kann Shanks zum Spielen mit Cosima rüberkommen?":mrgreen: Leider hat Shanks zu Cosima nicht das gleiche Verhältnis gehabt wie zu Kassandra. Er hat sie zwar höflich begrüßt, sie aber ansonsten ignoriert. Wenn er nach Hause wollte, hat er sich vor die Mauer gesetzt und so lange miaut, bis der Nachbar kam, uns anrief, und wieder über die Mauer an uns zurückgegeben hat. Das Grab von Kassandra liegt auf der anderen Seite der Mauer, Shanks haben wir ganz in der Nähe beerdigt. Er fehlt uns unendlich und auch der Nachbar hat sehr getrauert. Im Nachhinein glaube ich, dass sich Shanks noch verabschieden wollte. Er wollte drei Tage vor seinem Tod noch einmal unbedingt über die Mauer, hat aber die 10m durch den Garten kaum noch geschafft. Leider war der Nachbar nicht da...........
Da Shanks Tod absehbar war haben wir uns frühzeitig mit dem Gedanken auseinandergesetzt was wir dann machen werden. Meine Eltern sind beide im fortgeschrittenen Seniorenalter (72 + 75 Jahre alt), mein Vater ist Diabetiker und hat leider Parkinson. Er kam mit dem Gedanken ohne Kater weiterleben zu müssen überhaupt nicht klar. Hat bei jedem Tierarztbesuch (in den letzten Lebenswochen von Shanks leider sehr viele) geweint und sich jedesmal verabschiedet. Also hatte der Familienrat schon frühzeitig den Entschluss gefasst. Wenn Shanks nicht mehr da ist, holen wir uns einen neuen Kater. Es soll ein älteres, einzelnes Tier sein, dass wir in Ruhe aussuchen wollten. Shanks musste am 12.06. eingeschläfert werden, er drohte zu ersticken. Einen Tag später sind wir zu dritt ins Tierheim gefahren. Nur um zu gucken. Mir schwante schon etwas als meine Mutter die Transportbox aus dem Keller holte und liebevoll ausgepolstert hat. "Nur für den Fall der Fälle". (Sie hatte die Box bereits auf der Hinfahrt auf dem Schoß). Die Tierheime quellen im Moment förmlich über. Wir haben zwei Stunden gebraucht um durch die drei Gehege zu gehen. Man stolpert förmlich über Katzen, die (fast) alle schmusen wollten. Leider waren uns aber alle zu jung. Im letzten Gehege schließlich haben wir ihn gesehen. Verletzt im Körbchen liegend (Er war mit einem anderen dominanten Kater aneinander geraten und hatte den Kürzeren gezogen). Er hat sofort Köpfchen gegeben und mit meinem Sohn geschmust. Und was soll ich sagen, alles hat gepasst. Rocky (er hieß im Tierheim Sir Ruby) ist ca. 5 Jahre alt (evtl. auch älter) und es wurde die dringende Empfehlung gegeben, ihn allein zu halten (Zitat: Total unverträglich mit anderen Katzen). Er hatte den Ruf ein Problemkater zu sein und die Tierpfleger waren regelrecht entzückt, als wir uns für ihn interessierten. Es wurde uns sogar eine längere "Umtauschfrist" angeboten, wenn wir ihn mitnehmen. Nun wir haben ihn mitgenommen. Er liegt gerade neben meinem Sohn auf seinem Lammfell.:mrgreen:
Rocky erinnert uns alle sehr an unseren allerersten Kater Tinka. Da er (ich vermute er ist auch immer allein gehalten worden) fast die gleichen Macken hat. Er ist extrem eigensinnig (Die vom Tierheim hatten uns ja schon vorgewarnt), frech und manchmal recht angriffslustig. Er hält sich für den Nabel der Welt und ist bei uns extrem anhänglich und (wenn er will) sehr schmusig.
Eigentlich sollte Rocky Freigänger werden, zu unserer Überraschung will aber nicht alleine raus. Sobald meine Mutter, oder ich, zurück ins Haus gehen, rennt er hinterher. Man kennt ja auch seine Vorgeschichte nicht. Er ist bestimmt ausgesetzt worden. Wir haben zum Glück ein großes Haus und es ist immer jemand da, der mit Rocky tobt, oder spielt.
Unser Nachbar wollte natürlich wieder, dass der Kater über die Mauer zu ihm rübergelassen wird. Höm, Rocky hat auf Teufel komm raus gefaucht und dem netten Nachbarn erst einmal seine Krallen gezeigt. :evil:. Dieser hat zum Glück viel Humor und ist absoluter Katzenliebhaber. :mrgreen:Wir konnten gerade noch verhindern, dass die Siamesendame attackiert wurde. Die Miau- und Knurrgeräusche waren echt unterirdisch.:shock: Cosima hat seitdem Angst vor Rocky, wenn sie allein im Nachbargarten ist und ihn sieht flüchtet sie ins Haus.
In der nächsten Gartensaison werden wir einen neuen Versuch starten, bis dahin abwarten und Tee trinken. Es ist nicht immer einfach, sich mit so einem (leicht verkorksten) Einzelkater auseinanderzusetzen. Zum Glück haben wir mittlerweile genug Katzenerfahrung um seine Macken zu kompensieren und wir haben es ja auch nicht anders gewollt. Auch wenn es manchmal schwierig ist, würden wir ihn um nichts in der Welt wieder hergeben. Er kann ja nichts dafür.
Vielen Dank für Lesen, tut mir leid das es ein Roman geworden ist.
LG