Da wir anfangs auch zwischen Freigang und Wohnung geschwankt hatten, möcht ich hier mal meinen Senf dazugeben.
Vorweg muss ich dazu wohl, der Vollständigkeit halber, eine kleine Vorgeschichte dazu erzählen.
Vor etlichen Jahren hatten wir unsere erste Katze. Wir wohnten damals in einem größeren Dorf direkt an einer vielbefahrenen Hauptstrasse und uns war anfangs klar, das das Kitten auf keinen Fall nach draussen darf, gerade weil die Gefahr der Strasse so groß war.
Allerdings hatten wir immer ein schlechtes Gewissen der Katze gegenüber, weil wir eigentlich der Meinung waren, das Katzen raus gehören. Aber dennoch durfte sie nie raus.
Als wir dann irgendwann in ein kleines Kuhkaff gezogen sind (ca. 200 Einwohner) wo wirklich kaum Verkehr war und hinterm Haus wahnsinnig große Wiesen, entschlossen wir uns sie endlich nach draussen zu lassen.
Sissy war damals allerdings schon seit guten 6 oder 7 Jahren bei uns und war das nicht gewohnt. Sie ging kaum nach draussen und somit war dieses Thema dann auch nicht weiter aktuell.
Nachdem Sissy an
FIP gestorben ist und wir ein paar katzenlose Jahre hinter uns hatten, stand auf einmal ein völlig verrupfter verstruppelter Kampfkater vor unserem Haus.
Logischerweise bekam er von uns jedes Mal was zu essen und somit wurde er zum Stammgast. Mit der Zeit bekam er nen richtig süsses wuschelig weiches Fell und seit er dann sogar einen Platz auf unserem Sessel bekam, war für ihn das Rausgehen nur noch auf das Nötigste beschränkt.
Er entpuppte sich zu einem richtigen Schmusekater, der im Winter am liebsten gar keine Pfote vor die Haustür setzte. Ab diesem Zeitpunkt, brachte er auch keine neuen Wunden von irgendwelchen Raufereien mehr mit.
Ein paar Wochen vergingen und plötzlich stand die nächste Miez miauend vor der Haustür.
Eine ziemlich zierliche graue Maus. Aufgeregt wie nen Sack Hühner und sowas von verschmust. Logischerweise bekam auch sie was zum Essen. Und wieder hatten wir einen Stammgast mehr. Der Sessel wurde nun bereits an zwei Stellen belagert.
Wir fragten uns daraufhin, wo das noch hinführen soll und beschlossen das es wenig Sinn macht wenn wir allen Katzen des Kaffs (und das sind wirklich nicht wenige) einen warmen Schlaf- und Schnuffelplatz geben.
Zwar bekamen wir weiterhin geregelmäßigen Besuch verschiedener Katzen (es hatte sich wohl herumgesprochen), aber das Ganze beschränkte sich darauf das mal ne Schüssel voll Trockenfutter draussen stand. Die Tür wurde aber nur für die Beiden geöffnet.
Dann passierte das, womit absolut keiner von uns gerechnet hatte. Die graue Maus bekam eines Nachts bei uns Zuhause auf dem Sofa 4 kleine Kitten.
Es war eine wahre Pracht den 4en beim Wachsen, Spielen, Toben und Rumflitzen zuzuschauen. Sogar unser Kampfkater mutierte zum Onkelchen und setzte sich mitten in den tobenden Haufen und ließ es sich gefallen, das seine Schwanzspitze attackiert wurde und die Kleinen sogar auf ihm rumturnten.
Er war sozusagen der Babysitter, wenn Mama gerade ihre Streifzüge durch die Nachbarschaft machte.
Irgendwann war es dann soweit, das die Kleinen ausgerechnet zur Sommerszeit (wenn bei uns die Terrassentür eigentlich fast nur Nachts zu gemacht wurde) nach draussen drängelten. Klar, Mama geht raus, Onkelchen geht raus. Die Kleinen wollen hinterher.
Für uns wars auch selbstverständlich das die Kleinen raus dürfen.
Anfangs war es nur unter unserer Aufsicht und die Streifzüge der Kleinen beschränkten sich auf die Hecke auf der Terrasse. Dort wurde getobt und gespielt.
Irgendwann wurden im Garten die kleinen Tannen zum Versteckenspielen entdeckt und dann Nachbarins großer Rabarberbusch mit den großen Blättern.
Somit weitete sich der Spielbereich für uns fast unmerklich aus. Da die Strasse nicht direkt an unser Haus angrenzt, sondern noch unser großer Garten sowie Nachbars Wiese dazwischen ist, war für uns alles in Ordnung.
Allerdings nur so lange, bis eines Tages unbemerkt eines der Kleinen ausgerechnet Mama hinterher über die Strasse folgte und genau zu dem Zeitpunkt ein LKW reindonnerte. Den kleinen Tiger hatte es voll erwischt und Krümel kam nur knapp dran vorbei.
So und jetzt? Ich kann euch sagen........seither sind wir geheilt. Die Kleinen (mittlerweile fast 3) sind nun reine Stubentiger geworden. Wir haben uns geschworen........von uns kommt keine einzige Katze mehr nach draussen und wenn das Kaff noch so klein ist.
Da wir nicht die Möglichkeiten eines eingezäunten Freigangs haben (Mietshaus) bleiben sämtliche Türen nach draussen für die Katzen geschlossen.
Stattdessen liegt nun in jeder Ecke alles voller Katzenspielzeug, Hängematten zum Rumlümmeln und auch ein großer Katzenbaum zum Toben, Kratzen und Kuscheln hat Einzug gehalten.
Dazu können die Katzen über 3 Etagen toben wie sie Lust dazu haben und mittlerweile wollen sie auch nicht mehr nach draussen.
Was ich mit diesem halben Roman sagen will:
Viele sind anfangs der Meinung Katzen wären von Natur aus Freigänger und es wäre eine Quälerei sie in der Wohnung zu halten (uns gings ja genauso)
Aber (leider) erst wenn mal was passiert ist, dann werden einem die Augen geöffnet wo die Gefahr wirklich lauert.
Mir tuts heut noch höllisch leid, das der kleine Tiger sein Leben lassen mußte, nur weil wir die falsche Einstellung hatten. Leider kann man sowas nicht rückgängig machen, aber stattdessen kann man wenigstens andere davor schützen.
Und wo mir echt der Hut hochgeht................wenn Leute Katzen an vielbefahrenen Strassen nach draussen lassen.
Hier an meinem Büro laufen zwei Katzen aus dem Haus herum. Und das Haus steht genau an der vielbefahrenen Bundesstrasse Richtung Stuttgart.
Sowas find ich unverantwortlich!!!