darf ich mit der freundlichen Erlaubnis von Herrn Adler diesen Artikel hierher kopieren. Ich hoffe er hilft einigen Dosis, die sich Sorgen um ihre Freigänger machen.
Ratschläge für Hausarrest und Leinengang bei Katzen
Liebe Tierhalterinnen, liebe Tierhalter !
Gerne bin ich der Bitte um Rat nachgekommen!
Selten trifft eine Maßnahme die Heimtierhalter so heftig und greift so stark in das alltägliche Zusammenleben von Tier und Mensch ein, wie das Einsperren von Freigängerkatzen!
Der öffentliche Druck und die eingeforderten Maßnahmen, sowie die verständliche Angst vor Einfang- oder Abschussaktionen, zwingt viele Katzenhalter in völlig neue Umstände und Lebenssituationen.
Durch die angespannte Situation kommt es bei vielen Katzenhaltern zu vorschnellen Handlungen oder es wird sich nicht rechtzeitig auf eine eventuelle plötzlich verschärfte Situation (Verhängung einer Sperrzone) vorbereitet. Sie müssen dann verhaltenstherapeutische Maßnahmen umsetzen, zu denen Sie im Normalfall einen viel längeren Zeitraum einplanen müssten! Ich bitte alle Katzenhalter dies sorgsam zu bedenken! Das hat wirklich nichts mit Panikmache zu tun. Nur, Politiker und Virologen sind keine Tierverhaltensbiologen!
Bei der Unabhängigkeit und Eigenständigkeit gerade von Freigangkatzen, kommt es bei „Einsperrung“ aber ebenso bei der Gewöhnung an Geschirr und Leine für kontrollierten Freigang, in vielen Fällen zu großen Problemen bei den Tierhaltern! Beginnen Sie bitte rechtzeitig mit Vorkehrungen. Sie gehen dadurch vielleicht unangenehmen Verhaltensweisen wie Protestkoten und -urinieren im Wohnbereich aus dem Weg. Und glauben Sie mir, hier ist die Härteprobe für viele Katzenhalter und deren Angehörige!
Daher reden Sie bitte schon im Vorfeld mit den Menschen, die mit Ihnen und Ihren Tieren leben, über eventuelle aufkommende Schwierigkeiten! Bei aufkommender Aggression oder Überreaktionen kann sich eine negative Situation schnell verschlimmern!
Es gibt keine Pauschalweisheiten! Jeder Fall ist immer ganz individuell, wie auch jedes Tier und seine Lebensbedingungen individuell sind und mit uns in einer Interaktion stehen. Oftmals bemerken wir dies gar nicht. Daher wissen sie von uns und unserer Lebensweise oft mehr, als wir von Ihnen. Oder kennen Sie es nicht, dass Ihre Katze schon reagiert, obwohl Sie ein Vorhaben lediglich gedanklich durchgespielt haben. Denken Sie bitte daran, wenn Sie nun versuchen wollen, das Ihre Freigängerkatze den so enormen“ Einbruch in die Freiheit „ mehr oder weniger akzeptieren muss! Heimtierhalter mit mehr als nur einer Katze oder anderen Haustieren, sollten bei einer Einsperrung auf immerhin begrenzten Raum, anfängliche territoriale “ Streitereien“ miteinplanen! Hierbei kommt es zu häufigen Markieren im Wohnbereich! Bitte verwechseln Sie es nicht mit Protesturinieren. In solchen angespannten Situationen versuchen Sie bitte die Ruhe zu bewahren. Verhalten Sie sich möglichst normal. Vor allem aber, jammern oder bemitleiden Sie nicht, sonst machen Sie eine Sache erst wirklich interessant! Häufig führt das Ignorieren bestimmter Verhaltensweisen viel schneller zum Ziel. Stellen Sie ausreichend Katzentoiletten auf, lieber eine mehr als eine zu wenig und achten Sie auf Sauberkeit. Manche Freigänger verweigern die Toilette schon bei geringster Verschmutzung. Sorgen Sie für viel Spiel und Versteckmöglichkeiten ( Rückzugsmöglichkeit ) und widmen Sie sich verstärkt Ihren Tieren, um gerade am Anfang der Einsperrung für Ablenkung zu sorgen. Versuchen Sie guter Laune zu sein und bringen sie diese auch zum Ausdruck.
Viele Katzen werden jede Gelegenheit nutzen zu entweichen! Starten sie keine Einfangaktionen sondern lassen Sie die Katze von allein zurückkommen und schaffen Sie Vertrauen .Vermeiden Sie es streicheln zu wollen, Katzen aus ihren Versteckplätzen herauszuziehen, zu umfassen oder gar festzuhalten. Sollte ein vermehrtes Urinieren oder Unsauberkeit einsetzen, klären sie dies immer erst mit ihren Tierarzt ab! Katzen lieben es, Grenzen zu überschreiten. Wenn Sie die Möglichkeiten haben einen Raum für Ihre Katze verschlossen zu halten, können Sie diesen später therapeutisch einsetzen und öffnen. Häufig ist dies der Schlafbereich, da hier ein intensiver Geruch von Ihnen ist. Diesen können Sie durch Abdeckung der Betten mit einer Teichfolie gut schützen. Für so manchen Katzen und Hundehalter war dies oft der letzte Ausweg!
Zusätzliche Möglichkeiten des kontrollierten Außenaufenthalts bieten Volieren oder Volierenbauteile, Katzennetze oder Verdrahtungen zum Absichern von Terrasse, Balkon oder Garten.
Überlegen Sie jetzt gut, ob Sie ihrer Katze kontrollierten Freigang mit Geschirr und Leine gönnen wollen. Sollten Sie mehr als eine Katze haben, denken Sie vorher gut darüber nach ob Sie persönlich
In der Lage sind, Freigang mit mehreren Katzen durchzuführen .Bei Ausschluss nur bestimmter Tiere, kann es zu Komplikationen mit Stress-Situationen kommen. Verzichten Sie dann lieber auf den Freigang !
Anderenfalls empfehle ich Ihnen die Gewöhnung an Geschirr und Leine immer spielerisch anzugehen.
Machen Sie Geschirr und Leine interessant! Spielen Sie mit ihm, ja Sie! Nutzen Sie Ihr Spiel, um Geschirr und Leine noch interessanter zu machen! Verstehen Sie was ich meine? Geht Ihre Katze darauf ein, darf sie eine Zeit mitspielen und dabei belassen Sie es auch. Legen sie Geschirr und Leine beiseite, aber offen und gut sichtbar bis zum nächsten Spiel! Bitte haben Sie Geduld und lassen Sie sich Zeit. Festigen Sie erst einen Schritt durch mehrmalige Wiederholung!
Fangen Sie erst an, während des Spiels, einen Teil des Geschirrs der Katze umzulegen. Seien Sie vorsichtig! Versuchen Sie nicht zu Täuschen oder die Katze gar festzuhalten um das Geschirr schneller anzulegen! Es hat sich immer wieder gezeigt das der langsamere Weg der Geduld
der bessere ist. Schon von der beruhigenden Energie her. Innen wie Außen!
Lassen Sie den Teil übergestreift und spielen Sie so weiter! Beim nächsten Spiel gehen Sie einen Schritt weiter.
Wenn das Geschirr angelegt ist, können Sie Ihre Katze loben und mit einem Leckerli belohnen. Äußern Sie dies auch deutlich mit Ihrer Stimme!
Machen Sie auch jetzt noch nicht gleich die Leine an, sondern lassen Sie sich auch dafür etwas Zeit.
Übrigens, wenn Sie merken Ihre Katze hat Spaß an der Sache und fordert Sie auf, nutzen Sie hier jede Möglichkeit.
Bei Katzen ohne erkennbaren Spieltrieb an Geschirr und Leine, versuchen Sie eine Verbindung mit anderen positiven Dingen. Etwas, was Ihre Katze besonders liebt, vielleicht bestimmtes Spielzeug oder bestimmte Situationen! Auch Duftstoffe, Futter oder besondere Leckerlis .Geben Sie diese sparsam und nur noch in Verbindung der Übung mit Geschirr und Leine, wie bereits beschrieben.
Intensiv gezeigte Abneigung gegen Geschirr und Halsband sowie ständige Versuche sich des angelegten Geschirrs zu entledigen, können Sie nur mit Ignoranz und Ablenkung begegnen. Mit Gewalt geht hier gar nichts.
Aber trauen Sie sich ruhig etwas zu!
Denken Sie daran, wenn Sie Ihr Tier lieben, sind Sie immer der beste Sender und Empfänger.
Wegen der vielen Anfragen versuchen wir in unterschiedlichsten Medien rechtzeitig auf diese Problematiken aufmerksam zu machen. Zusätzlich planen wir im Rahmen unserer Tierschutzarbeit, bei schweren Verhaltensproblemen ein Info Telefon einzurichten.
Bitte helfen Sie durch Aufklärung mit, dass durch Panikmache, Ungeduld und mangelnder Verantwortung, Katzen nicht voreilig „entsorgt“, ausgesetzt oder ein Fall für die sowieso schon überfüllten Tierheime werden!
Mit allen guten Wünschen für Sie und Ihre Tiere
Norbert Adler
Tierpsychologe