Als ich zum ersten Male durch die Beiträge der „Regenbogenbrücke“ gelesen habe fand ich diese zu schwülstig und sentimental. Nie käme ich selber auf die Idee…
Jetzt habe ich vor 1 Woche meinen Kater Billie verloren und schreibe selber hier..
Ich habe noch immer das Bedürfnis darüber zu sprechen und deshalb möchte ich mich auf diese Art an ihn erinnern und mich bei ihm bedanken und von ihm verabschieden und seiner gedenken.
Er kam im Alter von 6 Wochen zusammen mit seiner Schwester zu uns, beide bereits krank.
Nach etlichen Wochen an Behandlung waren die Testungen endlich negativ und wir umarmten uns vor Freude darüber.
Er wuchs zu einem tollen Kater heran. Unglaublich anhänglich, sehr liebevoll (er nahm und gab unheimlich viel Zuwendung), selbstbewusst und frech. Er ließ sich nicht wirklich erziehen, aber wir konnten ihm auch nie länger als ein paar Sekunden böse sein.
Ich spüre noch heute seine Begrüßungs-Stubser, die sehr fest sein konnten.
Auch Eifersucht kannte er, kriegte seine Schwester Zuwendung von uns, lief er oft hin und haute ihr eine runter.
Er ließ vertrauensvoll jeden Unsinn mit sich anstellen und schien das auch noch toll zu finden.
Wenn er völlig entspannt und vertrauensvoll quer über unserem Brustkorb liegend schlief mit dem Kopf am Ohr war das ein Bild für die Götter und ein tolles Gefühl.
Beide haben ihr ganzes Leben lang niemals gebissen oder geschlagen, ausgenommen als Versehen.
Wir waren quasi nie getrennt, selbst Urlaub haben wir kaum gemacht weil wir unsere Beiden nicht alleine lassen wollten.
In diesen Jahren haben wir oft darüber gesprochen, was für ein toller Kater er ist und das wir uns nicht vorstellen könnten wenn er mal nicht mehr da wäre.
Dann wurde er krank: Erbrechen tagelang, Nahrungsverweigerung .Milztumor.
Es folgte die Op und er erholte sich schnell und gut davon. Der Laborbefund machte unsere Hoffnung wieder zunichte: Leukämie. Prognose in faust.
Er hatte fast 12 Jahre unser Leben bereichert, jetzt wollten wir ihm das so gut wie irgend möglich zurückgeben. Er erbrach, wir wischten es weg. Er verlor Stuhl, wir säuberten ihm den Po. Torkelte er von den Medikamenten folgten wir ihm um ihn zu stützen.
Im Wohnzimmer wurde ein Buffett für ihn aufgestellt um seinen Appetit zu fördern.
Immer wieder in die Tierklinik, Infusionen für die Flüssigkeit und die Nährstoffe.
Er lag stundenlang im Arm während die Infusionen liefen. Nach Valium- und Cortisongabe fraß und trank er wieder- unser Weihnachtswunder.
Es kamen noch mal einige gute Wochen, er war wieder (bis aufs Gewicht) der Alte. Wir genossen diese Zeit sehr intensiv und achtsam. Alles was „normal“ war freute uns.
Manchmal hatte ich sogar kurzzeitig das Gefühl: vielleicht wird´s ja doch wieder.
Der Preis dafür war, ich musste ihn mit Medikamenten und Spritzen traktieren. Es war immer schlimm für mich, ihn dazu zu zwingen.
Ende Februar wurde er langsam schwächer. Fraß weniger, zog sich wieder zurück. Er wurde schnell immer kraftloser. Der Tierarzt riet zum Einschläfern da er jetzt doch sehr abbaute.
Als auch der letzte medikamentöse Versuch nichts brachte beschlossen wir schweren Herzens, diesen letzten Gang mit ihm zu machen.
Er konnte nicht mehr und ich wollte ihn nicht mehr traktieren. Nach Rücksprache mit dem Tierarzt stellten wir die Medikation ein.
Unser sehnlichster Wunsch war, er möge es selber schaffen und wir würden nicht gezwungen das Einschläfern zu veranlassen. Außerdem wollten wir gerne, dass er in unserem Arm stirbt.
Am Vorabend des Termines kollabierte er und erbrach Blut. Wir waren recht geschockt und wollten nicht die Nacht abwarten. Als ich ihn so liegen sah wusste ich dass wir es nicht mehr schaffen würden. Er starb im Arm meines Freundes im Pkw, kurz vor Erreichen der Tierklinik. Ein paar Sekunden nachdem ich ihm an einer Ampel noch mal über den Kopf gestreichelt habe hörte er auf zu atmen.
Unser Wunsch wurde uns, obwohl recht dramatisch , erfüllt.
Ich hätte mir für ihn gewünscht, ihn nicht mehr irgendwohin fahren zu müssen was ihm Angst und Unbehagen bereitet. Im Auto hat er noch mal laut geschrieen, das tat mir in der Seele weh. Aber im Großen und Ganzen sind wir sehr dankbar, dass uns das Schlimmste erspart blieb.
Während ich das schreibe laufen mir die Tränen. Vielleicht unüblich, dass ein erwachsener Mann um einen Kater weint. Aber ich schäme mich nicht . Und ich würde alles noch mal so machen.
Mach´s gut mein Schatz