Das Tier als Muellschlucker!

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Mausi

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Das Tier als Müllschlucker

Frankfurt - Als im Frühjahr Meldungen über Todesfälle bei Hunden und Katzen durch verunreinigtes Tierfutter in den USA Schlagzeilen machten, waren Tierhalter auch hierzulande beunruhigt. In Nordamerika wurden mehr als 150 verschiedene Futtersorten zurückgerufen, weil sie Weizengluten aus China enthielten, das mit der Industriechemikalie Melamin belastet war. Auch in Deutschland wurde vorsichtshalber Futter aus den Regalen genommen.

Das Melamin - normalerweise zur Herstellung von Kunstharz und als Putz- und Flammschutzmittel verwendet - wurde dem Gluten verbotenerweise beigefügt, um einen höheren Eiweißgehalt vorzutäuschen. Von BSE- und Gammelfleischskandalen sensibilisiert, war dies für viele Tierhalter Anlass zu fragen, was eigentlich so enthalten ist im Futter ihrer Lieblinge.

Auf diesem Gebiet recherchierte der ehemalige «Spiegel»-Korrespondent Hans-Ulrich Grimm und förderte dabei allerhand Unappetitliches zutage. In seinem Buch «Katzen würden Mäuse kaufen» mit dem Untertitel «Schwarzbuch Tierfutter» beschäftigt er sich mit dem weltweiten Geschäft mit dem Futter fürs Tier und dessen internationalen Verflechtungen, den Werbeversprechen der Industrie, allerlei fragwürdigen Inhalts- und Zusatzstoffen sowie möglichen Alternativen.

Grimm spricht von einem «Geschäft mit dem Vertrauen» - schließlich legt die Werbung nahe, dass im Tierfutter nur Gutes enthalten ist. Doch sieht die Realität laut Grimm häufig anders aus. Die Tierfutterherstellung sei eine Lösung zur Verwertung von Abfällen, die bei der Produktion menschlicher Nahrungsmittel anfallen und teuer entsorgt werden müssten.

Die Pressestelle des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH), dem die wichtigsten Hersteller von Heimtiernahrung angehören, erklärt dazu, die verarbeiteten Materialien tierischer Herkunft stammten ausschließlich von Tieren, die für den menschlichen Verzehr geschlachtet worden seien.

Nun ist es nicht schlimm, wenn Abfälle zu Tierfutter verarbeitet werden - seit Jahrhunderten hat der Mensch Tiere mit dem gefüttert, was übrig geblieben ist. Auch menschliche Geschmackskriterien gelten nicht unbedingt: Schließlich verzehren etwa Katzen Mäuse mit Haut, Fell und Knochen. Doch kommen laut Grimm zuweilen Rohstoffe zum Einsatz, die nicht appetitlich sind.

Klärschlamm aus Schlachthäusern sei jahrelang darunter gewesen, und auch die Gewinnung von Hühnerfutter aus sterilisiertem Mist sei bereits eingehend erforscht worden - obwohl die Verwendung von Exkrementen als Tierfutter in Europa schon lange verboten ist. Üblich und legal sei dagegen die Verwendung von Schlachtabfällen wie Knochen, Fette, Schwarten, Häute, Hufe und Hörner, Haare und Pelze, Schweineborsten und Federn. Der IVH betont indes, Heimtierfutter enthalte keine minderwertigen Rohmaterialien, und die Verwendung von Materialien aus Tierkörperbeseitigungsanstalten sei verboten.

«Die Menschen haben ein zwiespältiges Verhältnis zu den Haustieren entwickelt. Auf der einen Seite begegnen sie ihnen mit Liebe, ja Hingabe, behandeln sie als Partner und Lebensgefährten. Auf der anderen Seite degradieren sie das Tier zum Müllschlucker», schreibt Grimm. Um Hund und Katz, aber auch Rinder und Schweine dazu zu bringen, Futter trotz minderwertigen Inhalts zu fressen, gebe es zahlreiche chemische Zusatzstoffe.

«Aroma zur Überlistung der Ekelschwelle»

Mit Hilfe von Antioxidantien etwa bleibe das Futter möglichst lange haltbar. Als weitere Zutaten nennt Grimm Farbstoffe, Bindemittel und Fließhilfsstoffe, die dazu dienen, dass die Futtermittel besser transportiert, verladen und aufbewahrt werden können. Emulgatoren und Stabilisatoren sowie Verdickungs- und Geliermittel erleichtern die Verarbeitung, aber auch die Futteraufnahme. Das kann zu Übergewicht beim Tier führen.

Auch Aromastoffe und Geschmacksverstärker können in Tierfutter enthalten sein. «Mit diesen Geschmäckern kann man den Hunden und Katzen offenbar jedes beliebige Futter unterjubeln, unabhängig davon, was es ist und wie es schmeckt.» Es gehe um die Maskierung von Müll. «Aroma hilft, die natürliche Ekelschwelle zu überlisten» und die Kontrollmechanismen der Tiere auszutricksen. Der IVH erklärt dazu, der Zusatz von Aromen diene wie bei Lebensmitteln dazu, die «sensorischen Eigenschaften» der Produkte zu verbessern. Die Akzeptanz eines Futters hänge von der Auswahl der Rohmaterialien sowie ihrer Zusammenstellung und Zubereitung ab.

Ein Blick aufs Etikett hilft nicht weiter: Die Kennzeichnung von Aromastoffen, Süßstoffen und Glutamat sei nicht zulässig, schreibt Grimm unter Berufung auf das zuständige Bundesministerium. Lediglich vage Angaben dürften die Hersteller machen. Über die Hintergründe dieser «Schweigepflicht für Geschmacksfälscher», die viele Tierhalter als empörend empfinden dürften, schreibt der Autor leider nichts.

Wie sieht es mit Alternativen zum herkömmlichen Futter aus? Ein Patentrezept hat Grimm nicht. Orientierung könnten Tests in Verbraucherzeitschriften geben. Nachfragen beim Hersteller seien sinnvoll, führten aber nicht immer zum Erfolg. Resigniert klingt sein Fazit: «Es gibt große Unterschiede zwischen den einzelnen Futterproduzenten. Es gibt auch große Unterschiede zwischen den Produkten. Leider kann es der Käufer nicht unbedingt erkennen.»



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