eine kurze Geschichte vom feinen Buben
.. bärgesichtig und bisonschultrig war er geworden, der, vor Kurzem noch handtellerkleine, Hombre des Hauses. Des Abends lagen wir zusammen und ließen gemeinsam unsere Knochen auseinanderfließen nach des Tages Last, wenn uns Chet Baker leise, alle Schmerzen an sich bindend, in einen gemeinsamen Schlaf vor dem Schlaf trug.
Er war der Komödiant des Morgens, wenn er mit getragener Geste aus meinen Armen heraus sich in den fordernden Morgen streckte, wie es der alte Mann an seiner Seite tat.
Dann draußen im geliebten Garten flossen die Kräfte des jugendlichen Blutes zusammen beim Sturm auf den blühenden Kirschbaum, beim elastischen Sprung über die zitternde Brautspiere, beim Nasewühlen im Geruch des Lebens, beim Herausschreien des großen Genusses am Sein.
Immer war ich etwas nachdenklich ob seiner Unvorsicht im Rausch des Erlebens. Er war derjenige, der sich den Fuß gebrochen hatte, als mit ungestümer gerüttelt der gut gemeint große Katzenbaum auf in gefallen war. Er war derjenige, der, einem Bernd Rosemeyer gleich, die aufgenommene Geschwindigkeit oft nicht mehr abzubauen vermochte. Er war auch derjenige, den die Nachbarn liebten, wenn er wie der Urlauber Ray Bann auf dem warmen Blech der ihm grundlegend eigenen Autos aller die Beine von sich streckte und den nächsten Schub tankte.
Er war stets sofort präsent, wenn wir ihn riefen, stets zuverlässig und bereit für das Gemeinsame, aufmerksam für jedes Gefühl in der Familie, verständnisvoll und gönnerhaft für die Wechselhaftigkeit von Minze, der Wald- und Wiesenrollerin.
Er war wie der Fixstern der Harmonie geworden für meine Weiber und mich, er war wie Honig, der in die Seele tropft.
Meine Nachdenklichkeit war weniger geworden, als es bei uns klingelte, ob das da unten unsere Katze sei.
Es war die Frau aus der Nähe gewesen, der ich so oft den Vortritt zwischen den eng geparkten Autos ließ, die sich nie bedanken konnte, da sie mit dem Bewältigen des ihr entgegenstehenden Chrysler Voyager, dem Nesteln mit dem Mobiltelefon, dem rückwärtigen Bändigen der unruhigen Kinder immer so über und über beschäftigt wirkte.
Mein Auto vor dem Haus, der Gehweg, alles war voll mit Blut, gefächert von verzweifelter Bewegung, hin zum geliebten Garten, hin zum Geruch des Lebens …
Die Augen waren keine Augen von Paul Newman, die Augen waren hervorgequollenes Blut, rote Leere …
Ich trug wankenden Schrittes mein Blut in den Garten, da wo er immer gelegen war, wenn die Hitze zu groß war, am Efeu. Ich küsste seinen gespaltenen Schädel und begrub ihn in den Blättern der Bergenie, die er noch gelassen hatte im Übermut der Existenz.
Mein letzter Blick auf das Blut, mein Blut, war wie mein kalter Vater, damals in meinen Armen.
.. wieder war ein guter Mann früh gegangen .. er war gerade zwei Jahre alt geworden …
Soviel zum Für und Wider des Freiganges in einer ruhigen Kleinstadt, einem Dorf .
Jetzt kennt Ihr meinen Avatar …