Das Maß ist voll - was kann ich tun?

Diskutiere Das Maß ist voll - was kann ich tun? im Katzen Forum im Bereich Katzenfreunde; Hallo liebe Gemeinde, ich habe mich hier angemeldet, weil ich hoffe, dass Ihr vielleicht noch ein paar Ideen habt, auf die ich noch nicht...
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Phlixi

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Hallo liebe Gemeinde,

ich habe mich hier angemeldet, weil ich hoffe, dass Ihr vielleicht noch ein paar Ideen habt, auf die ich noch nicht gekommen bin.

Folgende Sachlage: Meine Frau und ich hatten als Kinder schon Katzen und wir beide sind große Katzenfreunde. Als wir unser neues Haus bezogen haben, waren wir uns einig, dass wir wieder eine Katze haben wollten. Auch im Hinblick auf unseren damals geplanten Nachwuchs, da wir der Meinung sind, dass Kinder mit Tieren aufwachsen sollten. Daher haben wir uns damals ein Katzenbaby, einen Tiger-Kater, vom Tierheim geholt. Der war in einem fürchterlichen Zustand, unterernährt, hatte alles was man so haben kann von Katzenschnupfen über Pilz am Hals, Würmer - die ganze Palette. Aber wir haben ihn hochgepäppelt und ihm ein gutes zu Hause gegeben.

Im Grunde ist er ja ein süßer, aber ein Problem hatten wir von Anfang an mit ihm: als würde ihm eine Sicherung durchbrennen, fiel er von jetzt auf gleich ohne erkennbaren Grund Leute in seiner direkten Umgebung an. Meistens den Arm, aber auch die Beine. Am Anfang, als er noch klein war, war das noch nicht so schlimm und man konnte es noch als spielen abtun. Aber inzwischen ist er 4 Jahre alt und erst heute hat er der Nachbarin den ganzen Arm dick und blutig gebissen. Wieder ohne erkennbaren Grund oder Auslöser. Er lag bei ihr, sie hat ihn gestreichelt, er hat geschnurrt und in der nächsten Sekunde hat er sich mit allen 4 Pfoten in ihren Arm verkrallt und hat wie wild auf sie eingebissen. Das ist kein Einzelfall, das ist in den letzten 4 Jahren schon mehrmals passiert. Letzte Woche bin ich auf dem Boden gelegen, weil ich mit unserem 22 Monate alten Sohn gespielt habe, da ist er mir ansatzlos ins Gesicht gesprungen und wollte sich dort verbeißen. Zum Glück hab ich reflexartig noch die Hand dazwischen gekriegt, so hat er mir "nur" Hand, Arm, Oberkörper und das Gesicht 1 cm neben dem Auge beim "Vollgas wegbeschleunigen" zerkratzt. Krieg ich die Hand nicht mehr zwischen, ist das Auge weg!

Wir leben in der Vorstadt, er hat also genügend Auslauf, kann rein und raus wann er will, kriegt zu festen Zeiten 2 mal am Tag sein Futter, kann wann er will Trockenfutter und Wasser kriegen, wird geschmust. Die ganzen schlauen Tipps der Ratgeber und der Tierärztin haben wir schon durch wie besonders viel Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten, Belohnungen in Form von Leckerlies oder auch das Gegenteil wie ihn mit Verachtung zu strafen, wenn er wieder was "verbrochen" hat, ihm eins auf den Deckel geben, und so weiter. Mittelfristig hat es alles nichts genützt. Mal ist einige Wochen lang gar nichts und dann schlägt er unvermittelt wieder zu.

Nachdem er nun schon mehrfach uns und andere Leute verletzt hat, ebenso wie diverse Katzen aus der Nachbarschaft, ist meine Geduld nun zu Ende. Vor allem kann ich es nicht verantworten unserem Kleinkind gegenüber. Der fällt den mal in einem unbeaufsichtigten Moment an und kratzt ihm ein Auge aus oder entstellt sein Gesicht. Wir haben jetzt 4 Jahre lang versucht das Problem in den Griff zu kriegen, aber mittlerweile ist es keine Option mehr das noch länger mit anzusehen in der Hoffnung, dass wird schon. Wenn's dann passiert ist, hilft mir "hätte ich nur" auch nicht mehr.

Die Frage ist nur was tun? Nach Altvater-Sitte rein in den Sack und Zack oder die moderne Variante davon (Einschläfern lassen) kommt nicht in Frage. Auch würde ich ihn ungern wieder ins Tierheim tun, da dieses für ein Katzenbaby traumatische Erlebnis sicherlich auch mit dafür verantwortlich ist, dass er so ist wie er ist. Die Tierärztin meinte, es gäbe auch Medikamente, aber was soll das für eine Lösung sein ihn mit Drogen ruhigzustellen?

Meine bevorzugte Variante wäre, ihn auf einen Bauernhof umzusiedeln. Dort könnte er sich austoben, wäre nicht in unmittelbarer Nähe von Menschen und könnte sein neues Leben leben. Allerdings dürfte es nicht ganz so leicht sein jemanden zu finden, der so eine Katze nimmt, selbst auf einem Bauernhof, wo das Verhältnis Mensch-Tier eher pragmatisch und weniger sentimental ist. Und ihn einfach so in einer entsprechenden Gegend auszusetzen wie es oft gemacht wird in der Hoffnung, dass er sich schon irgendwo einlebt, ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Daher würde ich von der Runde gerne wissen, ob Ihr noch andere sinnvolle Ideen beitragen könnt, wie diese vertrackte Situation zu lösen ist, auf die wir noch nicht gekommen sind?!

Vielen Dank schon mal!
 
  • Das Maß ist voll - was kann ich tun? Beitrag #2
Erstmal hallo und herzlich willkommen. :lol:

Au backe, das hört sich überhaupt nicht gut an und ich kann verstehen, dass Du Angst um deinen Sohn hast. Ich vermute mal, der Kater ist viel zu früh von der Mutter weg und ins Tierheim gekommen und hat so einiges an Sozialisierung verpasst. Bei meiner Lilly war es ähnlich, aber nicht in dem Ausmaß. Sie kam mit 8 Wochen ins Tierheim und mit 11 Wochen zu mir.

Wenn ich das so lese, kommt mir ein vergleichbarer Fall einer Katze aus einem anderen Forum in Erinnerung. Die ist auch regelrecht ausgetickt und hat alles angefallen, weil sie irgendetwas wahrgenommen hat, was kein anderer sah (Ich nenne es jetzt mal Wahnvorstellungen/Halluzinationen). Vermutet wurde, dass ein Teil des Gehirn durch Mangelerscheinungen gleich nach der Geburt irgendeinen Defekt abbekommen hat. Deren Besitzerin hatte das Glück an eine Tierheilpraktikerin zu geraten, die sich sehr gut mit Bachblüten und Globuli usw. auskennt. Kurz danach war die Katze wie ausgewechselt.

Ansonsten würde mir nur noch die Abgabe an einen wirklich sehr katzenerfahrenen Menschen einfallen.

Tut mir Leid, dass ich dir nicht wirklich weiterhelfen konnte.
 
  • Das Maß ist voll - was kann ich tun? Beitrag #3
Hallo!
Auch ich lese die Geschichte mit Schrecken und denke auch, dass der Kater ganz jung ein schreckliches Erlebnis o.ä. gehabt haben muss. Denke ebenfalls dass jetzt nur noch Bachblüten, Katzentherapeut (ja, so etwas gibt es ) o.ä. hilft. Vielleicht versuchst du es auch übergangsweise mal mit den Medikamenten vom Tierarzt? Vieleicht bringt es ja ein bisschen Beruhigung.
Bitte: Aussetzen oder einschläfern ist keine Lösung, bei aller Wut die du jetzt hast. Er ist dir mit allen seinen Macken ausgeliefert und du hast vier Jahre mit ihm verbracht. Du kannst mit Sicherheit ruhiger schlafen, wenn du einen guten Platz für ihn findest...
Viel Glück dabei! B.S.
 
  • Das Maß ist voll - was kann ich tun? Beitrag #4
Phlixi,

immer vorausgesetzt das Tier ist gesund, und es sind keine Schmerzen, die solches Verhalten hervorrufen, denke ich an einen Mangel von Sozialisierung.
Das er kastriert ist hoffe ich doch, denn potente Kater können durchaus aggressiv sein.
Katzenkinder lernen im Spiel mit ihren Geschwisterchen wo Grenzen gezogen werden, wo man jemandem weg tut, und nur wenn sie richtiges kätzisches Verhalten lernen konnten, können sie dies auf das Zusammenleben mit Menschen übertragen.
Als der Kater jung war hättet Ihr vielleicht gegenwirken können, jetzt mit vier Jahren wird es sehr schwer oder gar aussichtslos.
Ein mögliche Chance wäre ein Katzenkumpel, ein etwa gleichaltriger Kater, mit gutem Selbstbewußtsein aber ohne Aggressivtät könnte Euren Kater vielleicht auslasten, und evtl. auch ein wenig erziehen.
 
  • Das Maß ist voll - was kann ich tun? Beitrag #5
Hallo,

also in eurer Haut möchte ich nicht stecken. Ich verstehe absolut den Zwiespalt in dem ihr euch befindet, einerseits der schnurrende Schmusetiger und auf der anderen Seite das "unberechenbare Monster".
Mir fällt leider auch keine Lösung ein, die schnell und umfassend Abhilfe schafft.
Aber insbesondere in Hinsicht auf euer Kind, solltet ihr ganz schnell eine Lösung finden. Ich mag gar nicht daran denken, was passieren kann wenn der Kater mit dem Kind alleine ist und einen seiner "Aussetzer" bekommt, auch wenn ihr meint die beiden immer im Auge zu haben...das wäre mir zu gefährlich.
Könnt ihr nicht vielleicht beim Tierheim, Tierarzt, Katzentherapeuth etc. nachfragen, ob es jemanden gibt der sich eurem Kater annimmt. Es gibt Menschen die möchten keine "normale" Katze, sondern sehen in einer Problemkatze eine Herausforderung.
 
  • Das Maß ist voll - was kann ich tun? Beitrag #6
Vielen Dank für Eure Beiträge,

vielleicht sollte ich noch ein paar Sachen präzisieren, die evtl. in meinem einleitenden Monster-Posting etwas untergegangen sind.

Natürlich ist einschläfern lassen (oder die altmodische Methode mit gleichem Ergebnis) keine Alternative. Wir sind Katzenfreunde, keine Tierquäler. Allerdings geht mir "ich liebe unsere Katze" mittlerweile nicht mehr über die Lippen, dafür ist schon zu viel vorgefallen.

Bezgl. Bachblüten-Therapie und andere homöopathische Zaubertricks: unsere Katze ist nicht grundsätzlich aggressiv oder hyperaktiv. Im Gegenteil: er ist eigentlich ein recht gemütlicher. Insofern gibt es auch keinen Grund ihn ruhigstellen zu müssen. Nur wie gesagt: mittendrin fliegt die Sicherung und dann gibt's kein Halten mehr. Nachdem er die Nachbarin verstummelt hatte, hat er sich übrigens seelenruhig 2 m daneben auf seiner Decke schlafen gelegt. :shock:

Sicherlich hat unser Kater einen Schaden weg von seiner jüngsten Kindheit. Er soll sehr früh von seiner Mama weg sein und was das Tierheim mit ihm angestellt hat, hab ich ja schon berichtet. Daher ist zurück ins Tierheim auch keine Option. Was einen Kumpel betrifft, so muss ich allerdings widersprechen. Er hätte 4-5 Katzen in der Nachbarschaft, mit denen er spielen könnte. Aber die wollen ja alle nichts mit ihm zu tun haben, weil sie seine "hinterfotzigen" Ausraster schon alle mal live miterlebt haben.

Naja, vielleicht fällt Euch ja noch was ein. Ansonsten schon mal vielen Dank :)
 
  • Das Maß ist voll - was kann ich tun? Beitrag #7
Für mich wäre ein Tierpsychologe in dem Fall der letzte Weg. Du kannst mir eine PM schicken, ich suche dann mal Adressen von den "Guten".

Ich denke nicht, dass hier mit Medikamenten, Bachblüten usw. geholfen werden kann. Der Kater zeigt deutliche Verhaltensstörungen...

Was wurde bisher alles vom Tierarzt unternommen? Ist der Kater komplett durchgecheckt? Ist er kastriert?

Ich kenne ein solches Verhalten von Katzen die ein "Vertrauenproblem" haben, d.h. sie fühlen sich von jetzt auf gleich bedroht aus irgendwelchen Gründen und ticken aus, kratzen, beißen oder kämpfen um sich. Solche Katzen fühlen sich bei zu viel Nähe aufeinmal unwohl.

Oder sie wollen Aufmerksamkeit.

Ich kann euch erstmal nur den Tipp geben, dass ihr bei euren Kater sehr auf die Körpersprache achtet. Katzen zeigen kurz vorher an, wenn es ihnen zu viel wird, z.B. hektisches Schwanz schlagen, Ohren nach hinten drehen, zappeln, Haare aufstellen, schreckhafte-plötzliche Bewegungen. Bei solchen meist winzigen Anzeichen, sofort vom Kater weg und bei guten Verhalten eine Belohnung geben. So prägt er sich positives ein.

Beschränkt eure Kuscheleinheiten auf ein Minimum, d.h. nur wenn der Kater will und nur für wenige Minütchen. Ansonsten, lasst ihn in Ruhe.

Mit eurem Kind ist es natürlich schwierig. Grundsätzlich sollte der Kater nicht mehr ins Kinderzimmer. Kind und Kater nur unter Aufsicht.

Wenn er sich wieder in euren Arm verbeist, ihn mit allen 4 Pfoten festhält. Den Arm nicht ruckartig wegziehen. Das bestärkt nur sein Beuteverhalten und er krallt sich noch stärker fest. Packt ihn an der Genickfalte, sodass er seine Körperspannung lockert und löst ihn langsam vom Arm. Danach dem Kater keine Beachtung schenken.

Falls er euch wieder mal angreifen will, faucht oder knurrt, weg gehen.

Mein Kumpel hatte auch mal ne Katze, die ständig unvermittelt auf ihn los gegangen ist. Es war ihre Methode, sich Aufmerksamkeit zu hohlen. Dieser Katze musste klar gemacht werden, wer der Chef ist. Bei mir hat sie das nur einmal gemacht. Sie fiel mich an, ich schnappte sie an der Genickfalte und drückte sie auf den Boden, fast 10 Minuten hielt ich sie fest und starrte ihr in die Augen, fauchte sie an. Klingt total bekloppt aber seit dem hat sie niemanden mehr angefallen. Nur beim Versuch kam ein lautes "Nein" mit Drohgebärde, also Fauchen, Aufstampfen oder Anstarren.

Ihr solltet euren Kater nicht aufgeben. Bei ihm könnte es ein plötzliches Angstverhalten sein, was sich durch fehlende Sozialisation geprägt hat. Er weiß nicht, wie er reagieren soll, wer der Chef ist und hat Respekt nie gelernt.

Es wird sich sicherlich nie vollständig geben aber zumindest kann man es auf ein Minimum beschränken, wenn man weiß warum der Kater das macht.

Aber bitte niemals länger abstrafen und niemals versuchen nach einem Angriff mit Leckerchen zu beschwichtigen. Das schafft nur das Gegenteil. Der Kater weiß nicht, dass er was falsch macht. Für ihn ist sein Verhalten richtig. Das sieht man daran, dass er sich nach einem Angriff gmütlich schlafen legt. Deswegen wird er auch den Grund der Strafe nicht verstehen.

Nur im Moment des Angriffes muss reagiert werden, dann kann er es mit seiner Handlung in Verbindung bringen. Er muss lernen, was er darf und was zu weit geht.

Ich bin der Ansicht, dass man auch im Alter von 4 Jahren noch einiges ändern kann, nicht alles aber doch so weit, dass es voraussehbar wird und seltener.

:wink:
 
  • Das Maß ist voll - was kann ich tun? Beitrag #8
Vielen Dank! Check PN plz :)
 
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