Die beiden sind ja jetzt ein gutes halbes Jahr alt, und so langsam sieht man den beiden an, daß sie in nicht allzu ferner Zukunft nach Kater aussehen wollen, nicht mehr nach Kitten.
Der Tagesablauf der beiden beginnt inzwischen morgens mit einem Wettrennen zu mir, sobald ich die Schlafzimmertür öffne. Moritz verschwindet dann sofort dadrin und führt offenbar eine Bett- und Fensterkontrolle durch, Max weicht mir nicht von der Seite und begleitet mich erstmal ins Bad - wo er sich mir vor die Füsse auf die Badematte schmeisst und schnurrt, als ob er dafür bezahlt wird.
Anschließend nimmt man gnädigerweise meinen Sohn zur Kenntnis, der dann immerhin mit Frühstück aufwarten kann. Viel lieber ist es den beiden aber, wenn Katerfrühstück zu dem Zeitpunkt bereits erledigt ist und die beiden noch eine Weile im Schlafzimmer zubringen können - vorzugsweise mit mir im Bett, so daß die beiden ausgiebig (und schön abwechselnd) mit mir kuscheln oder mir quer übern Bauch turnen können.
Irgendwann ist dann allgemeine Zimmerkontrolle dran, nämlich dann, wenn ich beschließe, daß es jetzt wirklich Zeit zum Aufstehen und Anziehen ist.
Während wir Menschen uns unserem eigenen Frühstück widmen, werden auch die Kinderzimmer, die in der Zeit meist offenstehen, einer genauen Kontrolle unterzogen. Insbesondere das Hochbett meiner Tochter muß aufs genaueste inspiziert werden, inklusive Probekuscheln irgendwo zwischen Decke, Kissen und Kuscheltieren.
Nach der Vorstellung der Kater dürften die Kinder dann gerne ein Weilchen abdampfen, während ich zuhause bleibe und Streichel- und Kuschelsklave spiele. Das funktioniert nicht ganz, aber versuchen kann mans ja mal, also turnt mir Max spätestens dann unentwegt zwischen den Beinen herum, wenn ich versuche, Schuhe anzuziehen und zu binden. Wenn mich das nicht überzeugt, schmeisst er sich herausfordernd vor meine Füsse, und wenn mich das auch nicht beeindruckt, legt er sich so quer vor die Haustür, daß ich nicht umhinkann, ihn da hochzunehmen. Woraufhin sich Max für die Dauer des Transports zum Kampfschnurrer entwickelt und nach dem Absetzen vorzugsweise so schnell durchstartet, daß er schon wieder vor der Haustür liegt, wenn ich da wieder angekommen bin.
Spätestens am Nachmittag oder Abend mutiert mein Schreibtisch zu einem begehrten Plätzchen, zum einen liegt man da gemütlich in unmittelbarer Kraulreichweite der Chefdosi, zum anderen kann man immer mal wieder unangenehm auffallen, indem man zum falschen Zeitpunkt über die Tastatur latscht oder sich einfach nur gründlich so streckt, daß man alle entscheidenden Teile des Monitors verdeckt. Was in der Regel zu kurzem Zwangsaufenthalt auf dem Schoß besagter Dosi führt. Nicht wirklich eine harte Strafe und daher immer wieder gerne genommen. Inzwischen habe ich gelernt, daß Windows höchst interessante Tastenkombinationen kennt. ;-)
Eine weitere recht interessante Erkenntnis war, daß das typische Fußballmuster auch von Katern als Aufforderung zum Spiel verstanden wird, der Napf mit dem betreffenden Muster, der an und für sich ein Leben als zusätzlicher Wassernapf im Wohnzimmer fristen sollte, wird mit schöner Regelmäßigkeit umgedreht. Weswegen er inzwischen kaum noch mal eine Wasserfüllung erhält, ich liebe nämlich mein Laminat. ;-)
Irgendwann machen sich die Kinder auf den Weg in die Betten, beim Gutenachtsagen gibt es dann erstmal eine allgemeine Katzenkontrolle. Einer von beiden hat sich immer in irgendein Kinderzimmer gemogelt, oft genug alle beide.Irgendwann später fängt dann auch die Chefdosi an, Licht auszumachen. Was für den fast schwarzen Max das Signal ist, sich im Flur auf die Lauer zu legen, um sich mir im passenden Moment vor die Füsse zu schmeissen (und natürlich laut und empört zu maunzen, wenn ich ihn nicht rechtzeitig sehe/erahne). Sobald dann alles ruhig wird, ist die Gelegenheit günstig, um im Dunkeln über Tisch und Bänke zu turnen und möglichst dabei das eine oder andere runterzuwerfen, was gut Krach macht. Wenn das mangels Masse nicht funktioniert, versuche man sich am Schranköffnen, das Zufallen der Tür dient dann als alternative Lärmquelle. Ein kurzer Check von meiner Seite wird dann in der Regel mit durchstartenden Katern honoriert, die ins Schlafzimmer stürmen und so tun, als gehörten sie da hin. Was sie nachts definitiv nicht tun, die kürzeste Route zum Fensterbrett führt nämlich quer über mein Bett, und zwei bis drei Kilo Katze, die nachts aus einem knappen halben Meter Höhe auf meinen Bauch springen, sind nicht meine bevorzugte Vorstellung von einem ruhigen Schlaf.
Gruß,
Sema