Ähnlich erging es mir letzten Sonntag.
Da die Spielgefährtin meiner Fem vor etwas mehr als 2 Monaten verstorben ist, war ich auf der Suche nach einem neuen Mitbewohner. Mein erster Weg führte dabei ins Tierheim, aber die konnten mir leider keine passende Katze vermitteln (fast alle Tierheimkatzen waren Freigänger und die wenigen Wohnungskatzen waren entweder Einzelgänger oder schon reserviert). Also blieb mir neben dem täglichen Blick auf die Tierheim-HP nur die Zeitung und das Internet. Meine Vorstellungen waren klar:
- Kitten sollten mind. 12 Wochen alt und entwurmt/geimpft sein
-ältere Katzen sollten kastriert sein und mit anderen Katzen verträglich sein. Freigänger fielen leider auch aus dem Raster, da ich nur eine 2 Zimmer Wohnung ohne Balkon habe.
- Pärchen waren auch eher uninteressant, da die Katzen schon ihren Rückzugsraum erhalten sollten und 2 Katzen auf 60 qm halte ich noch vertretbar, bei drei hätte ich schon Bedenken.
Viele Annoncen blieben also nicht übrig, Sonntag stolperte ich dann über eine Kurzannonce "Norweger-Mix Kitten " abzugeben. Da der Vermehrer ganz in der Nähe wohnte, und ich an dem Sonntag nichts vor hatte, dachte ich mir , ruf einfach mal an. Das Telefongespräch war eher kurz, der Typ war mir schon am Telefon unsympathisch, trotz alledem einigten wir uns auf einen Besichtigungstermin.
Ein paar Stunden später stand ich dann vor der Haustür und es kam alles anders als geplant.
Die Kitten waren gerade mal 8-9 Wochen alt, aber es wurde sehr schnell deutlich, dass sie so schnell wie möglich weg sollten. Die ersten zwei waren sogar schon abgeholt und während ich dem Vermehrer Fragen stellte, kam auch schon ein kleiner schwarzer Kater auf mich zu, beschnupperte mich und fing an zu schnurren, anscheinend wurde ich gefunden, denn kurz darauf schlief der kleine auf meinem Schoß.
Meine Fragerei ging weiter und je mehr ich hörte, desto schneller wurde klar, dass die Kitten ein hartes Los getroffen haben.
Alle meine Erkenntnisse und Beobachtungen jetzt widerzugeben, würden den Rahmen sprengen, es lief im Endeffekt darauf hinaus, dass ich in einer Zwickmühle steckte: der Kater hatte mich anscheinend schon auserkoren, aber die Rahmenbedingungen gefielen mir so garnicht. Er war noch zu jung und auch nicht geimpft (aber angeblich entwurmt), mein Vorschlag, den kleinen noch gegen Bezahlung beim Muttertier zu lassen, wurde mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt, ein Geschwisterchen dazuzunehmen fiel auch aus, da diese schon telefonisch vermittelt waren.
Meine Entscheidung fiel dann ziemlich spontan, nachdem ich den Kater von meinem Schoß auf den Boden gesetzt habe, der kleine schaute mich nur an und versuchte wieder an mir hochzuklettern. In dem Moment konnte ich nur noch auf mein Bauchgefühl hören und zwei Stunden später war der Kleine bei mir zu Hause.
Über die Vermehrer könnte ich mich jetzt noch ärgern, aber im Endeffekt bereue ich meine Endscheidung "noch" nicht.
Der Kleine hat sich sofort in seinem Rückzugsraum zurecht gefunden, Katzenklo war kein Problem und seine vermutlich erste "gute" Mahlzeit (animonda kitten Nassfutter) wurde regelrecht verschlungen ( ist wohl leckerer als aufgeweichtes Billig-Trockenfutter).
Am nächsten Tag ging es dann auch gleich zum Tierarzt, der Kleine macht einen guten Eindruck, ist zwar etwas zu leicht für sein Alter und von Haarlingen befallen, aber eine Wurmkur war eh angesagt, da ich mir nicht sicher war, ob die Vermehrer das schon gemacht haben. Für meine große gab es natürlich auch gleich ein Spot-On Präperat mit und damit die Zusammenführung nicht ganz zu stressig wird, einen Feliway-Stecker.
Apropos Zusammenführung, hierbei hatte ich eigentlich meine grössten Bedenken: eine knapp neun Jahre alte Katze und ein Zwerg - in meinen Alpträumen sah ich schon ein "zerfetztes" Kitten, aber komischerweise läuft es recht gut. Meine Große ist zwar "not amused" und faucht den Kleinen an, wenn dieser zu nah kommt, aber beschränkt sich ansonsten auf die Rolle der "interessierten Beobachterin". Mal schauen, wie sich das weiterentwickelt.
PS: der Kleine hat noch keinen Namen, zwar schwebte mir schon "Sputnik Stinkepups" im Kopf herum, da er mich wie ein Satellit umkreist und seine Futterumstellung "gewisse Nebenwirkung" hatte, aber da wird mir sicher noch etwas besseres einfallen...
Fazit: Manchmal kommt es anders, als man denkt. Auch wenn man alles richtig machen möchte, kommt es zu Situationen, in denen einem das Bauchgefühl etwas anderes rät. Ich habe jetzt mehr oder weniger einen unverantwortlichen Vermehrer unterstützt, aber wenn ich jetzt auf das schwarze Knäuel auf meinem Schoß blicke, weiß ich, dass die Entscheidung richtig war.