Hello together, ;-)
also, während meines Studiums in den Staaten ist uns (meinem Mitbewohner und mir) sowas Ähnliches auch schon mal passiert.
Ich muß vorausschicken: Die Waschmaschine war (wie wohl die meisten in den USA damals) ein Toploader, und man mußte die Klappe oben sehr lange offen lassen, weil unten drin immer relativ viel Wasser stehenblieb, und sich sonst in dem feuchtwarmen South Carolina Sumpfklima schnell Pilze bildeten. Diese Maschine hatte auch keine sich drehende Trommel, sondern so eine Art Säule mit Paddeln in der Mitte des Waschraums, die sich hin- und herdreht und dadurch die Wäsche und das Wasser bewegt. Oben auf die Säule konnte man eine Art Sieb stecken, in das das Waschmittel kam, und in das das Wasser von oben in einem Strahl hinein lief, um das Pulver mitzunehmen. An Temperaturen war nur verfügbar, was aus der Wasserleitung kam - also kalt, heiß, oder beides gemischt, also warm, aber keine genau definierte Temperatur. Wann immer wir es für ausreichend hielten, wurde kalt gewaschen, um Energie zu sparen.
Merlin (unser Kater) hatte schon immer versucht, das Hochterrain auf Waschmaschine und Trockner zu erkunden (schließlich muß man ja sein Revier genauestens kennen), aber er war noch zu klein, um raufzukommen.
Wir haben ihn trotzdem schon vorsorglich immer verscheucht und dachten eigentlich, der Wasserstrahl, der ihn zu seinem totalen Entsetzen fast immer traf (ohne daß er die Wasserpistole gesehen hätte - hat lange gedauert und er war dann schon größer, als er es irgendwann mitbekommen hat), wenn er versuchte, da hochzuklettern, hätte ihn nachhaltig davon geheilt.
Man sollte halt niemals die Neugier einer jungen Katze unterschätzen. Und wenn dann noch saudumme Zufälle dazukommen....
Eines Tages war ich an der Uni, und David (mein Mitbewohner und Vermieter) wollte gerade seine Wäsche machen, als er einen Anruf wegen eines Notfalls auf der Arbeit bekam. Er ließ also alles stehen und liegen und fuhr los - und so nahm das Unheil seinen Lauf....
Als ich ein paar Stunden später heimkam, habe ich mich schon gewundert, daß ich von dem Kleinen nichts sah oder hörte, aber nachdem er sich dank seiner noch mäßigen Größe oft in den unmöglichsten Winkeln verkroch, um zu schlafen, dachte ich mir noch nichts Böses. Es war ja auch noch nichts passiert. Das Drama nahm erst seinen Lauf, als David vielleicht so eine Stunde später von der Arbeit kam und als Erstes seine versauten KLamotten auszog und in die Waschmaschine schmiß, die aus dem bei seinem eiligen Aufbruch neben der Maschine stehengebliebenen Wäschekorb gleich dazu, Deckel zu und Maschine an.
Zum Glück war es offensichtlich, daß sich die Maschine nicht normal anhörte. Denn normal fing die Wäsche beim Zulaufen des kalten Wassers nicht an zu toben und zu rumoren.
Es war dann natürlich auch nicht die Wäsche, die den Mordskrawall veranstaltete, sondern ein panischer schwarzer Minikater, der die Chance genutzt und vermutlich über den Wäschekorb den Sprung auf die Maschine geschafft hatte. Entweder ist er anschließend neugierigerweise versehentlich in die Öffnung gefallen und hat sie dann kuschelig gefunden, oder er hat gleich beschlossen, daß die dunkle Höhle mit den paar vor Davids überstürztem Aufbruch schon reingeschmissenen Wäschestücken sich prima als Schlafplatz eignet, und ist direkt hineingesprungen - jedenfalls muß er geschlafen haben (sonst wäre er nach meiner Ankunft längst aufgetaucht, um mir klarzumachen, daß er wie immer am Verhungern war), und so wurde er wohl von dem plötzlichen Wasserguß im wahrsten Sinne des Wortes kalt erwischt.
Gottseidank war ich gerade in der Küche am Essen machen, denn so war David, der sich schon auf den Weg zur Dusche gemacht hatte, als Erster an der Waschmaschine, weshalb es auch sein Arm war und nicht meiner, an dem eine Krallenspur vom Handgelenk bis zur Schulter zurückblieb, die Merlin hinterließ, als er in einem Affenzahn den zu seiner Rettung in die (natürlich sofort wieder ausgeschaltete) Maschine gesteckten Arm hinaufkletterte, um sich dann an der weitestmöglich von der Öffnung entfernten Stelle, nämlich in Davids Genick, festzukrallen. Ich glaube, David hatte sich das anders vorgestellt, als er hineingriff, um den Kleinen zu retten.
Er war zwar patschnaß (der Kater, nicht David - der hatte wie gesagt ein anderes Problem), aber sonst war ihm nichts passiert (das Wasser war ja auch nur höchstens 10 Sekunden gelaufen, und bis zu dem Wasserstand, bei dem die Maschine begonnen hätte, die Paddelsäule zu drehen, hätte es noch ein ganzes Weilchen gedauert).
Daß er nach dem Abtrocknen auf den Schreck hin erstmal eine doppelte Tagesration Katzenfutter weggeputzt hat, sahen wir als gutes Zeichen an.
Zurückgeblieben ist nichts. Naja, fast nichts. Nur, daß er danach auf dem Weg zu seinem Katzenklo (im Badezimmer/Toilette) im Gang bei der Waschmaschine immer ganz eng und geduckt an der gegenüberliegenden Wand langschlich. Und sich, wenn man mit ihm auf dem Arm dort vorbeiging, immer vorsorglich zu seinem altbewährten Zufluchtsort im Genick zu retten versuchte - wogegen vor allem David eine meiner Meinung nach etwas überzogene Aversion hatte...
Man sieht also: Junge Katzen sind nicht nur neugierig, sondern zumindest bei normaler Intelligenz durchaus auch lernfähig!
Liebe Grüße aus Oberfranken,
Volkhart