Fast genau 15 Jahre warst du bei mir. Hast gesehen, wie ich durch einige Krisen des menschlichen Lebens gegangen bin, bist drei mal mit mir umgezogen. Jetzt bist du weg. Wurdest am Freitag eingeschläfert. Der Tumor auf und in deinem Kopf drückte aufs Auge und auf die Nase. Als aus beiden Nasenlöchern Blut kam, musste ich die schwere Entscheidung treffen, dich erlösen zu lassen.
Das fiel so schwer. Du hast noch gefressen und getrunken wie immer, hast den Lichtpunkt der kleinen Taschenlampe verfolgt und auf der Lehne der Couch gelegen, als ich ferngesehen habe. Dein Freund, Toni, der seit 9 Jahren mit dir zusammen lebte, ärgerte dich wie so oft und ließ erst von dir ab, als du ihm mit einem kurzen Fauchen die Grenzen aufgezeigt hattest. Aber ich wusste, dass dir nicht mehr viel Zeit blieb. Ich konnte mich auf der Arbeit nicht mehr so gut konzentrieren und schlief schlecht.
Dann solltest du am Freitag nur zur Kontrolluntersuchung, aber da fingst du an, aus den Nasenlöchern zu bluten. Als ich dich in die Transportkiste packte, wusste ich, du verlässt die Wohnung zum letzten Mal.
Du bist sanft eingeschlafen. Ich habe dich noch gestreichelt, aber das hast du nicht mehr gemerkt. Dann habe ich gesehen, wie der Arzt dir die Spritze ins Herz gegeben hat. Du hast sofort aufgehört zu atmen. Der Tierarzt horchte noch einmal dein Herz ab. Es hatte aufgehört zu schlagen.
Auf dem Weg nach Hause musste ich rechts ranfahren und habe geweint. Neben mir lag die leere Transportkiste, darin das Handtuch, an dem noch dein Geruch hing. Auf dem Boden das Blut aus deiner Nase.
Zu Hause habe ich das Handtuch in die Waschmaschine geworfen und auch die Kissen, auf denen du immer gelegen hattest. Toni sollte nicht zu sehr an dich erinnert werden. Als ich die Kissen nahm, auf denen du nie wieder liegen würdest, war ich sehr traurig.
Toni hat seitdem kaum noch gefressen und getrunken. Er liegt bei mir auf dem Arm und schnurrt und bei jedem kleinsten Geräusch schaut er zu Tür, als ob er denkt, dass du jeden Moment dort auftauchen könntest. Heute morgen hat er ein paar Leckerlies gefressen, die ich im einzeln hingeworfen habe und er hat endlich auch wieder getrunken.
Ich denke, Toni und ich gewöhnen uns langsam daran, dass du nicht mehr morgens um halb sechs, wenn ich aufstehe, vor meinem Bett stehst und deutlich machst, dass du sofort gefüttert werden willst. Dass du nicht mehr in der Wohnung bist, wenn ich nach Hause komme. Dass du dich nicht mehr schwerfällig, wie es bei einer alten Dame halt so ist, das Sofa hochkriechst, dich neben mich legst und am Bauch gekrault werden willst, während Doc House die Diagnosen stellt.
Wir gewöhnen uns dran, aber es fällt verdammt schwer.
Ich werde eine neue Katze in die Wohnung aufnehmen, weil Toni sonst alleine ist.
Mit der Zeit wird die Trauer vergehen.
Aber es wird nie wieder so sein wie früher.
Liebe Sally, danke für alles.