Garfield - auch nach zwei Jahren unvergessen

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Dalia

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Dies hier ist für Garfield. Weil er unvergessen bleibt, ewiglich. Und die Erinnerung an jeder Faser unseres Herzens hängt, alles nur von ihm zu erzählen scheint, nie müde wird, sich an ihn zu erinnern.
Er ist mittlerweile seit zwei Jahren tot - und trotzdem genügt nur ein Bild, meine alten Tagebucheinträge von seinem Tod und es fließen die Tränen, die Wunde bricht auf, als wäre alles ganz frisch und nie dazu gekommen, zu verheilen. Daher ist das für ihn. Ein Funke Ewigkeit.

Aller Anfang ...

Am 01. Oktober 2007 war ich zusammen mit meiner Mutter unterwegs. Nichts besonderes. Ein alltäglicher Einkauf in die näher gelegene, größere Stadt. Und trotzdem hat dieser Tag, diese eine Moment alles auf den Kopf verstellt und verändert.
Das Auto verließ die Autobahn, bog um die Ecke und während wir auf die Autobahnunterführung zufahren, sehe ich es schon: das kleine Fellknäuel, das auf dem Mittelstreifen torkelt. Ein Lastwagen - riesig, wie ein Monster aus einer vergessenen Zeit - fährt vorbei und für einen Moment bleibt mein Herz stehen. Innerhalb von Sekunden sind meine Fingernägel in das Armaturenbrett gekrallt, ich sitze aufrecht.
"Da!", schreie ich ganz aufgebracht, als meine Mutter an eben jener Stelle vorbeifuhr.
"Was?", erwidert sie irritiert. "Was ist los?"
"Da! Da ist eine kleine Katze!" Mittlerweile sind wir an dem Fleck vorbeigefahren; ich drehe mich in dem Sitz um und sehe das rote, kleine Kätzchen, wie es unvorsichtig über die Straße läuft und in den Graben zu. "Lass mich raus!", schreie ich meine Mutter an, die mittlerweile an einer roten Ampel hält.
"Du kannst doch jetzt nicht einfach aussteigen!"
"Aber da ist eine Katze! Eine kleine Katze!" Ich sehe sie fassungslos an. "Dreh um!"
"Ich kann hier nicht umdrehen!"
"DREH UM!"
Und widerwillig drehte sie um.

Bevor das Auto zum Stehen kam, war ich bereits durch die Tür nach draußen gelaufen.
Ich rufe nach der kleinen, roten Katze und sie sieht mich von weiten an, stößt ein klägliches Miauen aus und läuft freudig auf mich zu, als wäre ich der erste Mensch, den sie seit langem gesehen hat.
Meine Mutter, eben noch sauer vom Wendemanöver gewesen, brauchte nur einen Blick auf das rote Fellknäuel werfen und sofort war ein Lächeln auf ihren Lippen und alles vergessen.
Sie meinte, dass wir die Katze nicht mitnehmen können; ich sage, dass wir sie nicht zurücklassen können, weil sie sonst von einem LKW erfasst wird. Mit dem Kätzchen im Arm laufe ich die Unterführung ab, schaue in jedes anliegende Gebüsch, mache Lockgeräusche, warte. Aber es kommt keine Katzenfamilie, die ihr verlorenes Kind abholt; die kleine Miezi ist alleine.

Der Einkaufstag war vorbei. Stattdessen fuhren wir in ein Geschäft und kauften das nötigste. Weil es keine Transportbox gab, musste ein Wäschekorb herhalten. Damit es schön kuschlig wird, eine Decke. Später folgte noch eine Schüssel mit Katzenmilch und Katzenspielzeug, um den Kleinen bei Laune zu halten.
In dem Moment wurde auch das erste richtige Foto ganz vage mit dem Handy aufgenommen: das rote Findelkind in der umfunktionierten Box.

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Es folgten: lange Telefonate mit Polizei, Tierheimen & Co.
Wir rechneten damit, dass jeden Tag ein Anruf kommt und es heißt, der Kater gehört jemanden anderen, der ihn verzweifelt gesucht hat und ihn wieder zu sich zurückholen möchte. Aber dieser Anruf kam nie - und so sehr wie wir den kleinen Kerl ins Herz geschlossen haben, bin ich darüber nicht einmal traurig. Die Polizei vermutete auch, dass er womöglich ausgesetzt worden wäre, was in der Gegend sehr häufig der Fall wäre. Aber sobald man in die blauen Augen des Katers blickte, fragte man sich unweigerlich: Welcher Mensch tut so etwas?!
Wir konnten das nicht nachvollziehen und gaben dem kleinen Garfield, wie wir ihn nach seiner Fellfarbe tauften, all die Liebe, die er verdient hatte. Er wuchs schnell heran, verdrehte allen Nachbarn den Kopf, sogar die Tierärztin war ganz vernarrt in ihn und war der Liebling der Familie.
Anstatt der Familie Frühstück zu machen, saß meine Mama jeden Morgen auf der Treppe unseres Hauses, den Kater auf den Oberschenkeln und sagte ihm, wie wunderschön er wäre, während sie ihn ausgiebig kraulte. :) Er hatte, so hoffe ich doch, ein schönes Leben bei uns. Er hat, so viel ist sicher, unser Leben in diesen Jahren bereichert und es schöner gemacht; den Himmel etwas blauer gemalen.



Früher oder später müssen wir uns von allem trennen, was uns lieb ist.

Nachdem unsere erste Katze 2001 nach einem viel zu kurzen Leben ihr Ende auf einer benachbarten Straße fand, trauerten wir lange, sehr lange um unsere Katze Tiger, die uns einst abgemagert und verängstigt zugelaufen war. Ihr Verlust war wie eine klaffende Wunde ... Danach schwor sich meine Mutter, dass nie wieder eine Katze ins Haus kommt. Aus dem einzigen Grund, weil der Verlust so schmerzhaft ist, als würde man einen geliebten Menschen verlieren. Nur Tierfreunde und -besitzer können verstehen, dass ein Haustier schnell zu einem wahren Familienmitglied wird ... und man dementsprechend leidet.
Das Thema "Katze" war beendet. - Bis wir 2007 Garfield fanden und sich alles änderte.
Aber auch hier war ihm und uns kein langfristiges Glück gegönnt ...

Ich habe gerade, nach zwei Jahren, ein altes Tagebuch von mir gefunden und den Tag seines Todes - der 16. April 2009 - darin festgehalten. Und selbst nach zwei Jahren schmerzt mein Herz und es fließen Tränen, wenn ich mich daran zurückerinnere.

Ich stehe in der Küche, alleine und starre den silbernen Napf in meiner Hand an.
Er ist einer von vielen, die sich als kleines Häufchen auf der Ablage stapeln. Ich drehe ihn in meinen Händen um die eigene Achse und betrachte das Glitzern, das Funkeln im Licht.
Bevor ich den Napf nehme und in einen Karton packe.
Ich hatte mir vorgenommen, die Sachen zu verräumen, da ich zwar eine Meisterin im Verdrängen bin, aber kaum sehe ich mich um, fließen Tränen.
Ich wollte die Sachen wegräumen, weil ich sie nicht mehr sehen kann. Weil sie so aussehen ... sie sehen so aus, als hätte ich das gestern nur geträumt. Ein Albtraum. Einer von vielen.
Vor dem Ofen steht noch das Napf mit Trockenfutter und eine Schüssel Milch, die längst sauer sein muss. Es sieht so nach einem meiner Albträume aus und ich wünschte, ich könnte mich bücken, das Trockenfutter wegschmeißen, die Milch wegkippen und all das verräumen. Aber es geht nicht.
Ich sitze alleine auf den Stufen unseres Hauses und starre auf die Schüssel Milch, die von Sekunde zu Sekunde ungenießbarer wird.
Vielleicht klingt es naiv und ein bisschen dumm, wenn ich sage, dass der gestrige Tag einer der Schlimmsten in meinem Leben war. Ich habe schon öfter ein Tier verloren und auch wenn ich diese Katze mehr als alle anderen geliebt habe, war es dieses Mal so unsagbar schlimm.
Weil ich alleine war. Vollkommen alleine.

Meine Eltern sind um sechs Uhr morgens in mein Zimmer gekommen und haben mir einen Kuss auf die Wange gedrückt, ihre Sachen gepackt und sich auf den Weg zu ihrem Wochenendurlaub in Italien gemacht. Auf dem Tisch liegen jetzt noch ihre Zettel, unberührt.
"Guten Morgen, wir konnten den Kater leider nicht finden. Wenn er nach Hause kommt ist er sicherlich hungrig und müde - füttere ihn und mach ein bisschen Platz in deinem Bett!"

Die Zettel habe ich erst gelesen, als ich weinend am Küchentisch saß, die Nummer meiner Eltern wählte und ihnen sagte: "Der Nachbar war gerade da. Er hat gesagt, dass Garfield wahrscheinlich tot ist. Sie haben ein paar Straßen weiter eine rote Katze gefunden. Und ich soll da jetzt hingehen und nachsehen, ob er es ist."
Ich bezweifle, dass sie überhaupt ein Wort verstanden haben, die Tränen haben meine Stimme immer wieder abgewürgt.

Der schlimmste Tag ... um halb neun klingelte es Sturm. Fünf Minuten. Ich blieb liegen, weil ich viel zu spät ins Bett gegangen war. Dachte, dass es vielleicht die Nachbarn wären, der Postbote, der mich quälen wollte. Trotzdem konnte ich danach nicht mehr schlafen und stand auf.
Eine viertel Stunde später kam mein Nachbar. Es gab kein "Guten Morgen", kein "Hallo". Stattdessen schlug er mir die Nachricht ohne Vorwarnung ins Gesicht: "Eure Katze ist tot."

Meine Eltern am Telefon waren fassungslos. Sie fragten mich sofort, ob sie nach Hause fahren sollten, doch ich verneinte. Mal wieder wollte ich die Starke spielen. Sie sagten mir, ich sollte dort auf keinen Fall alleine hingehen. Eine Freundin anrufen, meine Tante, irgendjemanden, der mitging. Ich sagte "Ja", obwohl ich zu diesem Zeitpunkt schon wusste, dass ich niemanden mitnehmen wollte.

Der Nachbar hatte mir das Haus der Frau, die an dem Morgen Sturm geklingelt hat, beschrieben. Und obwohl ich still hoffte, dass es nicht unsere Katze war, hatte ich einen Beutel dabei. Ich versuchte nicht zu weinen, aber meine Augen waren rot. Ich lief durch die Straßen und suchte dieses verfluchte Haus. Hielt es kaum auf den Straßen aus, weil ich bei jedem Häufchen in der Ferne dachte: Ist er das?

Ich lief wieder nach Hause, zum Nachbarn und ließ es mir erneut erklären. Das erste Mal war er so schlau und meinte, er würde schnell mitgehen. Während er neben mir herlief murmelte er ständig, dass er selbst auch keine toten Tiere sehen könnte. Das würde ihm durch und durch gehen. Nur ein Stück, sagte er immer wieder, er ginge nur ein Stück mit.
Er brachte mich zu dem Haus der Frau, nur damit ich wieder abgewiesen wurde. Ein Nachbar von ihr hätte ihn genommen und in seine Garage getan. Dieser Nachbar wäre jetzt weg, ich müsste warten. Ich schrieb ihr meine Telefonnummer auf und weiß, dass ich ganz viel geredet habe, ständig schluchzend: "Vielleicht ist er es nicht." Obwohl mein Herz es längst wusste. "Es gibt noch eine andere rote Katze hier ... die verwechseln sie ständig ... Er war ja gestern noch da ..."
Dann habe ich sie gefragt, ob er ein Halsband getragen hätte. Ein schwarzes Halsband.
Und sie rief aus, so schmerzlich freudig: "Ja, ein Halsband hatte er an! Ein Halsband hatte er."
Ich habe innerhalb dieser wenigen Minuten, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, so viele Tränen vergoßen und niemand war da, der mich tröstete.
Ich lief wieder nach Hause und ein Nachbar fragte mich unwissend und spöttisch "Hast du dich verlaufen?".
Ich sah ihn nur verweint an und lief weiter.

Zu Hause rief ich meine Eltern wieder an und mittlerweile weinte auch meine Mutter am Telefon. Immer und immer wieder sagte sie, sie könnten umdrehen, sie wären bald wieder da.
Und ich hab gesagt: "Ja, aber was bringt das?" So verbittert, so resigniert.
Sie sagte, es würde etwas für mich bringen. Ich wäre nicht alleine. Ich müsste nicht alleine mit all dem umgehen. Und ich weinte wieder ... Sie stellte mir Fragen und ich konnte nicht aufhören zu weinen, beantwortete ihre Fragen mit einem Nicken, das sie nicht sah.
Ich ertrug es nicht, sie weinen zu hören und sagte, dass ich auflegen müsste. Ich müsste warten, bis die Frau mich anriefe. Dann legte ich auf, ging in den Garten und nahm die Schaufel in die Hand. Meine Eltern riefen wieder an, meine Mutter weinte und ich schluckte die Schluchzer hinunter, um ein "Ich muss jetzt auflegen, ich muss auf den Anruf warten" herauszupressen, während mein Herz blutete. Der Schmerz wuchs mit jeder Sekunde, mit jedem Atemzug.

Ich stand mit der Schaufel in der Hand und stieß sie in den Boden. Doch ich brachte es nichts übers Herz, die Erde auszuheben. Stattdessen stand ich dort, mit der Schaufel in der Hand und wartete. Wartete, bis der Anruf kam ...
Ich hatte nichts von all dem je zuvor gemacht. Ein totes Tier gesehen. Ein totes Tier beerdigt. Mein Vater hatte es immer übernommen, weil meine Mutter und ich zu schwach dafür waren, aber an diesem Tag hing alles an mir. Als der Anruf kam, lief ich mit einem Schuhkarton und der Tüte los. Ich konnte kaum etwas sehen, die Sicht von Tränen verschleiert. Ich wollte da nicht hin, ich wollte ihn nicht sehen, wollte ihn nicht holen ...

Als ich in deren Straße einbog, kam mir die Frau schon entgegen und ging mit mir zu diesem Mann, ihrem Nachbar. Sie redete ständig irgendwelches Zeug, das ich nicht hören wollte und auch nicht hörte. Ich ließ es an mir abprallen und stand vor dem Gartentor dieses fremden Mannes.
Ich biss mir so fest auf die Unterlippe, das Blut floss, als ich sah, wie er mit diesem blauen Beutel um die Ecke bog. Ich wollte Garfield gar nicht sehen. Am Liebsten hätte ich den Beutel genommen und wäre gegangen. Ich wollte mich nicht vergewissern ...
Aber er stand da, redete mit dieser Frau und begann, das Band von dem Beutel zu nehmen. Sie sprachen über meine Katze, als wäre ich nicht da. Als stünde ich nicht neben ihnen und würde weinen. Es wurde von Blut gesprochen, von Autos, davon, dass sie ihm wohl am Genick erwischt hätten, dass er sich noch auf die Terrasse gezogen hätte, unter den Tisch, dass der Hund des Mannes Angst gehabt hätte, ein Blutfleck, dass die Katze ausgesehen hätte, als würde sie schlafen, dass sie schon ganz kalt gewesen war.
Ich stand da und litt und fragte mich, wieso sie mir das sagen mussten. Konnten sie mir nicht auch noch mitteilen, dass er gelitten hat? Das er langsam und qualvoll sterben musste? Dass er sich auf die Terrasse geschleppt hätte, weil er sich Hilfe gewünscht hätte und niemand gekommen war?

Der Mann machte den Beutel auf und ich sah zuerst die Pfoten. Die roten, kleinen Pfoten. Ich musste nur die Pfoten sehen ... Ich nickte und wollte damit sagen: "Ja, er ist es, ich muss nicht mehr sehen, es ist gut, es reicht ..."
Aber er hat den Beutel ganz geöffnet und ich sah Garfield. Er lag auf der Seite, so, wie er immer in meinem Bett gelegen hatte. Die Augen geschlossen. Ich sah in sein Gesicht, auf das schwarze Halsband, den weißen Fleck unterm Kinn und sagte immer wieder, dass er es ist. Er ist es.
Um nicht wieder zu weinen, begann ich zu reden. Ich legte den Schuhkarton auf den Boden und fragte, ob man ihn reinlegen könnte, widersprach mir dann selbst und bat ihn, den Beutel zu schließen. Er fragte mich, ob er mich nach Hause bringen könnte, aber ich verneinte. Ich wollte das nicht; ein Fremder in diesem intimen Moment, in diesem Augenblick blanken Schmerzes. Der Vorhang der Welt verfärbt sich schwarz, Trauer liegt in der Luft. Ich nahm den Beutel und ging davon, ohne ein Wort zu sagen.
Immer, wenn ich die von der Totenstarre erstarrten Beinchen spürte, wie sie an meinen Körper stießen, weinte ich, schluchzte auf.
Die fremde Frau lief noch ein Stück an meiner Seite, aber dachte nicht daran, auch nur ein Wort des Trostes zu sagen. Mich in den Arm zu nehmen, mich zu trösten. Stattdessen begann sie mit einer Nachbarin über Blumen zu reden und ich lief mit meinem toten, geliebten Garfield nach Hause. Ließ alles hinter mir. Den Ort seines Todes, das Gefühl der Fremde. Aber den Schmerz konnte ich nicht zurücklassen, er hing an meinen Fersen und wuchs mit jeder Träne.

Ich legte Garfield im Garten ab und begann das Grab auszuheben. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Schaufel für Schaufel. Der Nachbar betrat seinen Garten, sah mich, fragte, ob es unsere Katze gewesen wäre. Ich nickte und er erwiderte nichts. Begann stattdessen, an seinem Teich herumzuspielen, während ich mich quälte und jeden ausgehobenen Berg Erde mit Tränen besiegelte.
Ich legte Garfield vorsichtig hinein, bedeckte ihn mit drei Beuteln frischer Erde und saß danach nur im Garten, das Grab anstarrend. Erstarrt. Regungslos.
Ab diesem Moment setzte die Gefühlslosigkeit ein.
Meine Mutter rief erneut an, ganz verweint und ich meinte fast nüchtern, dass ich ihn jetzt begraben hätte und es mir gut ginge. Ich legte auf und saß weitere, endlose Zeit an diesem Fleck und starrte die frische, schwarze Erde an.

Als ich ins Haus kam und das Bild anstarrte, das von ihm auf den Tisch lag, kamen die Tränen wieder hoch, erst recht, als meine Mutter wieder anrief und mich bat, ihm ein Kreuz zu machen, worauf stand "Hier liegt die schönste Katze der Welt" ... und das war er auch.
Meine Eltern baten mich, mich das Wochenende über mit Freunden zu treffen. Ich sollte abgelenkt werden, auf andere Gedanken kommen. Stattdessen liege ich auf dem Sofa und wann immer ich mich nicht mit dem Internet ablenke, liege ich da, starre ins Nichts und antworte auf keinen der zig Anrufe. Auf keine SMS. Auf nichts.

Auf der Treppenstufe liegen noch zwei neue Spielzeug-Mäuse. Wir haben sie vorgestern gekauft, zusammen mit seinem Lieblingsfutter. Er kam nicht dazu, mit seinen neuen Spielsachen zu spielen, konnte nicht einmal einen Bissen seines Lieblingsfutters essen ... Die Sachen liegen dort, aufgereiht, als würden sie warten. Auf ihn warten. Und ich warte mit. Als wäre sein Tod nur eine Einbildung, eine schmerzlich Einbildung gewesen.
Jedes Mal wenn ich am Fenster vorbeigehe, bleibe ich stehen und starre hinaus. Auf die Fläche, die mit frischer Erde bedeckt ist. Manchmal verweile ich unzählige Minuten dort und starre nur auf diesen Fleck.

Lieber Garfield, du sitzt wahrscheinlich gerade auf einer kuschligen Wolke im Katzenhimmel, dieses unverkennbare Lächeln in den Augen. Wir werden dich nie vergessen und wir sehen uns wieder, dessen bin ich mir sicher.
Meine Mama, die dich über alles geliebt hat, hat deine Lieblingsblumen auf dein Grab gepflanzt, ein Marmorengel hält dort Wache für dich. Und in unserem Herzen brennt ein Licht für dich, das niemals, wirklich niemals ausgehen wird ...

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  • Garfield - auch nach zwei Jahren unvergessen Beitrag #2
Der kleine rote Kater blieb plötzlich stehen. Hinter ihm spielten Kätzchen auf einer bunten Sommerwiese, jagten einander und rauften spielerisch. Es sah so fröhlich aus, aber vor ihm, im klaren ruhigen Wasser des Teiches, sah er seine Mommy. Und sie weinte bitterlich. Er tapste ins Wasser und versuchte, sie zu berühren, und als er das nicht konnte, hüpfte er hinein. Nun war er ganz naß und Mommys Bild tanzte auf den Wellen fort.
"Mommy!" rief er. "Ist etwas nicht in Ordnung?"
Der kleine rote Kater drehte sich um. Eine Dame stand am Ufer des Teiches, mit traurigen, aber liebevollen Augen. Der kleine rote Kater seufzte und kletterte aus dem Wasser.
"Das muß ein Fehler sein", sagte er. "Ich sollte nicht hier sein".
Er sah zurück ins Wasser und das Bild seiner Mommy spiegelte sich wieder darin.
"Ich bin doch noch ein Baby. Mommy sagt, das muß ein Irrtum sein. Sie sagt, ich darf gar nicht hier sein".
Die freundliche Dame seufzte und setzte sich ins Gras. Der kleine rote Kater kletterte in ihren Schoß. Es war nicht Mommys Schoß, aber es war fast genauso gut. Als sie begann, ihn zu streicheln und genau dort unter dem Kinn zu kraulen, wo er es am liebsten mochte, fing er fast gegen seinen Willen zu schnurren an.
"Ich fürchte, es ist kein Fehler. Es ist Dir bestimmt, hier zu sein, und Deine Mommy weiß es tief in ihrem Herzen", sagte die Dame.
Der kleine rote Kater seufzte und lehnte seinen Kopf an den Fuß der Dame.
"Aber sie ist so traurig. Es tut mir so weh, sie so weinen zu hören. Und auch Daddy ist traurig".
"Aber sie wußten von Anfang an, daß dies geschehen würde".
"War ich denn krank?"
Das überraschte den kleinen roten Kater. Niemand hatte jemals etwas darüber gesagt und er hatte oft zugehört wenn sie dachten, er schliefe. Sie sprachen stets nur darüber, wie süß er doch war und wie schnell er gewachsen war.
"Nein, sie wußten nicht, daß Du krank warst", sagte die freundliche Dame. "Aber dennoch wußten sie, daß sie die Tränen gewählt hatten".
"Nein, das taten sie nicht", sagte der kleine rote Kater. "Wer würde schon Tränen wählen?"
Sanft küßte die Dame sein Köpfchen. Er fühlte sich sicher und warm und geliebt -aber er war noch immer voll Sorge um seine Mommy.
"Ich will Dir eine Geschichte erzählen", sagte die Dame.
Der kleine rote Kater sah auf und sah die anderen Tiere näher kommen. Katzen - Big Boy und Snowball, Shamus und Abby und auch Little Cleo und Robin. Merlin, Toby und Iggy und Zachary , Sweetie, Kamatta und Obie. Hunde auch - Sally, Baby und Morgan, Rocky und Belle. Sogar eine Eidechse namens Clyde und einige Ratten und ein Hamster namens Odo. Alle legten sich erwartungsvoll ins Gras rund um die Dame und sahen wartend zu ihr auf. Sie lächelte und begann:
"Vor langer, langer Zeit gingen die kleinen Engel zum Oberengel und baten ihn um Hilfe, weil sie so einsam waren. Der Oberengel brachte sie zu einer großen Mauer mit vielen Fenstern und ließ sie aus dem ersten Fenster auf alle möglichen Dinge schauen - Puppen und Stofftiere und Spielzeugautos und vieles mehr.
"Hier habt ihr etwas, das ihr lieben könnt,", sagte der Engel. "Diese Dinge werden eure Einsamkeit vertreiben".
"Oh, vielen Dank", sagten die kleinen Engel. "Das ist gerade, was wir brauchen".
"Ihr habt das Vergnügen gewählt", erklärte ihnen der Oberengel.
Aber nach einiger Zeit kamen die kleinen Engel zurück.
"Dinge kann man schon lieben", meinten sie. "Aber sie kümmern sich nicht darum, daß wir sie lieben".
Der Oberengel führte sie zum zweiten Fenster. Sie sahen hinaus und sahen alle möglich Arten wilder Tiere.
"Ihr könnt diese Tiere lieben", sagte er. "Sie werden wissen, daß ihr sie liebt."
Die kleinen Engel waren begeistert. Sie liefen hinaus zu den Tieren. Einer gründete einen Zoo, ein anderer ein Naturschutzgebiet, einige fütterten die Vögel.
"Ihr habt die Befriedigung gewählt", sagte der Oberengel.
Aber nach einiger Zeit kamen die kleinen Engel zurück.
"Sie wissen, daß wir sie lieben", sagten sie. "Aber sie lieben uns nicht wieder. Wir möchten auch geliebt werden."
So führte sie der Oberengel zum dritten Fenster und zeigte ihnen die Menschen.
"Hier sind Menschen zum Lieben", erklärte er ihnen.
Die kleinen Engel eilten hinaus zu den Menschen.
"Ihr habt die Verantwortung gewählt", sagte der Oberengel.
Aber bald waren sie wieder zurück.
"Menschen kann man schon lieben", klagten sie "aber oft hören sie auf, uns zu lieben und verlassen uns. Sie brechen unsere Herzen."
Der große Engel schüttelte den Kopf.
"Ich kann euch nicht mehr helfen. Ihr müßt mit dem zufrieden sein, was ich euch gegeben habe."
Da entdeckte einer der kleinen Engel ein weiteres Fenster und sah kleine und große Hunde und Katzen, Eidechsen, Hamster und Frettchen. Die anderen liefen herbei und bestaunten sie.
"Was ist mit denen?" riefen sie.
Aber der Oberengel schob sie vom Fenster weg.
"Das sind Gefühlstrainer", sagte er. "Aber wir haben Probleme mit ihrem Operating System."
"Würden sie wissen, daß wir sie lieben?" fragte einer.
"Ja", erwiderte der Oberengel widerstrebend.
"Und würden sie uns wiederlieben?" fragte ein anderer.
"Ja", erwiderte der große Engel.
"Werden sie je aufhören, uns zu lieben?" riefen sie.
"Nein", gestand der große Engel. "Sie werden euch für immer lieben."
"Dann sind sie genau das, was wir uns wünschen", riefen die kleinen Engel.
Aber der Oberengel war sehr aufgeregt.
"Ihr versteht nicht", erklärte er ihnen. "Ihr müßt sie füttern. Und ihr müßt ihre Umgebung reinigen und immer für sie sorgen."
"Das tun wir gerne", riefen die kleinen Engel.
Und sie hörten nicht zu. Sie beugten sich nieder und nahmen die zahmen Tiere in die Arme und die Liebe in ihrem Herzen spiegelte sich in den Augen der Tiere.
"Sie sind nicht gut programmiert" rief der Oberengel, "es gibt keine Garantie für sie. Wir wissen nicht, wie lange sie halten. Manche hören sehr rasch auf zu funktionieren, und manche halten länger!"
Aber das kümmerte die kleinen Engel nicht. Sie drückten die warmen weichen Körperchen an sich und ihre Herzen füllten sich mit Liebe, so daß sie fast zersprangen.
"Wir haben unsere Chance!" riefen sie.
"Ihr versteht nicht", versuchte es der Oberengel zum letzten Mal. "Sie sind so gemacht, daß selbst der Haltbarste von ihnen euch nicht überleben wird. Euer Schicksal wird sein, durch ihren Verlust zu leiden!"
Die kleinen Engel betrachteten die Tiere in ihren Armen und schluckten.
Dann sagten sie tapfer: "Das macht nichts. Es ist ein fairer Tausch für die Liebe, die sie uns geben."
Der Oberengel sah ihnen nach und schüttelte den Kopf.
"Nun habt ihr die Tränen gewählt", flüsterte er.
"Und so ist es auch geblieben", meinte die freundliche Dame. "Und jede Mommy und jeder Daddy weiß das. Wenn sie euch in ihr Herz schließen, wissen sie, daß ihr sie eines Tages verlassen werdet und sie weinen müssen."
Der kleine rote Kater setzte sich auf.
"Warum nehmen sie uns dann zu sich?" fragte er erstaunt.
"Weil auch nur eine kurze Zeit eurer Liebe den Kummer wert ist."
"Oh", sagte der kleine Kater und starrte wieder in den Teich. Da war noch immer das Bild seiner Mommy, weinend.
"Wird sie jemals aufhören zu weinen?"
Sie nickte. "Sieh, der Oberengel bedauerte die kleinen Engel. Er konnte die Tränen nicht wegzaubern, aber er mochte sie besonders."
Sie tauchte die Hand in den Teich und ließ das Wasser von ihren Fingern tropfen.
"Er machte heilende Tränen aus diesem Wasser. Jede Träne enthält ein bißchen von der glücklichen Zeit und all dem Schnurren und Streicheln und der Freude an Dir. Wenn Deine Mommy weint, heilt ihr Herz. Es mag seine Zeit dauern, aber durch ihre Tränen fühlt sie sich besser. Nach einiger Zeit wird sie nicht mehr so traurig sein, wenn sie an Dich denkt, und sich nur der schönen Zeit erinnern. Und sie wird ihr Herz wieder für einen neues Kätzchen öffnen."
"Aber dann wird sie eines Tages wieder weinen!"
Die Dame lächelte ihn an und stand auf.
"Aber sie wird auch wieder jemanden liebhaben. Daran wird sie denken".
Sie nahm Big Boy und Snowball in ihre Arme und kraulte Morgan genau dort am Ohr, wo sie es so mochte.
"Sieh nur, die Schmetterlinge kommen. Sollen wir nicht spielen gehen?"
Die anderen Tiere liefen voraus, aber der kleine rote Kater wollte seine Mommy noch nicht verlassen.
"Werden wir jemals wieder zusammen sein?" Die freundliche Dame nickte.
"Du wirst in den Augen jeder Katze sein, die sie ansieht. Und sie wird Dich im Schnurren jeder Katze hören, die sie streichelt. Und spät in der Nacht, wenn sie einschläft, wirst Du ihr nahe sein und ihr werdet beide Frieden haben. Und bald, eines Tages, wirst Du ihr einen Regenbogen senden, damit sie weiß, daß Du in Sicherheit bist und hier auf sie wartest."
"Das gefällt mir", sagte der kleine rote Kater und warf einen letzten langen Blick auf seine Mommy. Er sah ihr Lächeln unter ihren Tränen und wußte, daß ihr eingefallen war, wie er fast in die Badewanne gefallen wäre.
"Ich hab' dich lieb, Mommy", flüsterte er. "Es ist schon okay, wenn Du weinst".
Er blickte zu den anderen, die spielten, und lachten mit den Schmetterlingen.
"Oh, Mommy! Ich gehe jetzt spielen, okay? Aber ich werde immer bei Dir sein, das verspreche ich."
Dann wandte er sich um und lief den anderen nach.....



Diese Geschichte wurde von Pam Edgemon, Mikimew- Persians, verschickt.
Als Autorin wurde Anne Kolaczyk, 5.2.98, angegeben
 
  • Garfield - auch nach zwei Jahren unvergessen Beitrag #3
Hallo.
Ich fühle mit dir. Denke immer an die schöne Zeit mit Garfield.
Traurige Grüsse,
Black Sun
 
  • Garfield - auch nach zwei Jahren unvergessen Beitrag #4
Ich habe sehr geweint beim Lesen Deines wunderschön geschriebenen Beitrags.

Er weiß das Du ihn sehr geliebt hast.

Und viele von uns wissen wie es Dir geht.

Laß Dich drücken und schaffe einen kleinen Platz in Deinem Herzen für Eure neue Mietz.
 
  • Garfield - auch nach zwei Jahren unvergessen Beitrag #5
Ich drücke Dich in Gedanken ganz, ganz fest und weine ein paar Tränen mit Dir zusammen.

Hat denn schon ein neuer Bewohner die Stelle neben der von Garfield und Tiger in Euren Herzen bekommen? Er hätte bestimmt gewollt, daß Ihr einem anderen kleinen Schnurrer weiterhelft...
 
  • Garfield - auch nach zwei Jahren unvergessen Beitrag #6
Hallo Dalia,

schöne, traurige Geschichte. So schnell gekommen, so schnell wieder genommen. Erinnert mich an unseren Kater, der erst letzte Woche von uns gehen musste. Aber er ist - wie Garfield jetzt schon unsterblich, denn seine Energie "stirbt" nie, die Freude die er uns gemacht hat, vergeht niemals und die Erinnerungen an die schöne Zeit verblassen nicht. Trauer ist das Gefühl, das uns zeigt, dass wir zu tiefer Liebe fähig sind...

Hab die Kraft, so wie wir sie haben müssen...

Liebe Grüße,

Mikael
 
Thema:

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