6 Monate mit Peanut und Collin

Diskutiere 6 Monate mit Peanut und Collin im Katzen Forum im Bereich Katzenfreunde; Auf den Tag ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass ich mich mit meiner Schwester in Limburg Süd bei McDonalds an der Autobahnraststätte...
  • 6 Monate mit Peanut und Collin Beitrag #1
Taschentiger

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Auf den Tag ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass ich mich mit meiner Schwester in Limburg Süd bei McDonalds an der Autobahnraststätte getroffen habe um zwei kleine, völlig verängstigte Kater in Empfang zu nehmen.

6 Monate, in denen viel passiert ist, in denen ich viel gelernt habe und die ich nicht mehr missen möchte. Und ich will euch davon erzählen.

Angefangen hat alles mit einem Posting meiner Schwester bei Facebook: "Will einer nen Kater oder ne Katze?" Ich dachte, es ist ein Scherz und antwortete mit "Klar, ich!"

Schnell wurde aber klar, das war kein Scherz! Meine Schwester wurde auf zwei Katzenwürfe aufmerksam gemacht, die von den Landwirten, auf deren Hof sie das Pech hatten geboren zu werden, beseitigt werden sollten. Der eine Wurf war schon etwas älter, der andere ganz frisch. Sie besprach mit den Bauersleuten, dass sie den einen Wurf abholen und den anderen vermitteln würde, wenn dieser groß genug sei.
Ich war entsetzt von dieser Herzlosigkeit und mir war klar: egal, wie groß der Wurf auch sein mag - keines dieser Kätzchen sollte sterben müssen. Ich sagte ihr unter Vorbehalt zu, schließlich musste mein Freund auch einverstanden sein.
Das war am Donnerstag.
Abends fragte ich ihn dann und er sagte ja. Er hielt es für einen Scherz.
Als er dann merkte, dass es ernst war, war er nicht begeistert. Aber er ließ sich bequatschen unter der Voraussetzung, dass es MEINE Katzen wären und nicht seine.
Das war am Freitag Morgen.
Seine ablehnende Haltung verunsicherte mich etwas, denn schließlich wollte ich, dass er voll mit mir hinter der Entscheidung steht. Denn eine Katze ist kein Sofa, das man umtauschen kann, wenn es dem Partner doch nicht gefällt.
Mittags rief mich meine Schwester an. Sie sagte, es wären drei Babys. 2 Tiger, ein Schwarzes. Ich sagte ihr, dass mir das Aussehen sowas von egal sei... Ich würde auch alle nehmen, wenn eins ansonsten zurückbleiben sollte.
Aber das war gelogen. Insgeheim wollte ich sofort die beiden Tiger.
Abends standen dann auch die Geschlechter fest: Die Tiger Kater, das Schwarze ein Mädchen (dachte sie. Das Dritte ist auch ein Kater).
Irgendwo hatte ich gelesen, dass gleichgeschlechtlich besser ist als gemischt. Und die Freundin meiner Schwester wollte ein Kätzchen übernehmen. Also entschied ich mich für die Tiger.
Meinem Freund war das egal... Er interessierte sich nicht für das erste Bild, das ich bekam, nicht dafür, wie die Kleinen vom 500 km entfernten Ravensburg zu uns kommen sollten...
Wäre es nicht um das Leben der Kater gegangen, ich hätte das Ganze abgesagt. Es war schlimm.

Am Freitag Abend stand der Plan: Meine Schwester würde am Samstag anlässlich des 90sten Geburtstags meiner Oma (am Sonntag) nach NRW kommen. Ich komme ihr bis Limburg entgegen. Das wäre für sie ein kleiner Umweg und ich würde den Kleinen eine weitere Nacht in einem unbekannten Badezimmer (nämlich dem von meiner Oma) ersparen.

Die Nacht von Freitag auf Samstag habe ich nicht geschlafen. Ich lag wach und hab mir immer wieder das Foto angeschaut, das ich von ihr bekommen hatte.
Und plötzlich standen auch schon die Namen fest: Der etwas hellere, hinten auf dem Bild, der böse in die Kamera funkelte, sollte Peanut heißen. Der Dunklere im Vordergrund, der sich scheu in die Kissen duckte, war jetzt schon Collin.

Endlich war es spät genug, um aufzustehen.
Endlich das Frühstück vorbei.
Endlich Zeit, zu Fressnapf zu fahren und eine Katzenkindergrundausstattung zu besorgen.

Nach ausführlicher Beratung kamen wir heim mit:

  • Kitten Nass- und Trockenfutter
  • 4 Näpfen
  • 2 Platzdecken / Kissen
  • Einem Kratzbaum
  • Spielzeug
  • Leckerlis
  • 2 Halsbändern
  • Einer Katzentransporttasche
  • 2 Katzenklos inklusive nichtklumpendem Streu
  • Und jeder Menge theoretischem Wissen dank einer ausführlichen Beratung durch eine Fressnapfverkäuferin
(Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bestimmt hab ich ne Menge vergessen :-D )


Ich war total überdreht. Mein Freund total genervt. Wir hatten beide in unserer Kindheit Katzen gehabt. In den Jahren, die wir zusammenleben, hatten wir erst Mäuse, dann Ratten. Nach den Ratten hatten wir uns auf eine Haustierpause geeinigt, vor allem, weil ich in der Zeit eine heftige Rattenallergie entwickelt hatte und die ganze Arbeit mit den Tieren an meinem Freund hängen geblieben war.
Aus meiner Sicht waren zwei Jahre Pause mehr als genug - aus seiner Sicht nicht.
Aber jetzt konnte und wollte er auch keinen Rückzieher mehrmachen.


Um drei endlich rief meine Schwester an. Gegen 5 würden sie in Limburg sein. Also musste ich noch eine Stunde warten bis ich endlich würde losfahren können. Meinem Freund zuliebe riss ich mich zusammen. Aber es war schwer. Ich wollte über meine Schwester schimpfen, weil sie erst so spät losgefahren war. Ich wollte mit ihm über die Katzen reden und Begeisterung oder zumindest einen Funken von Vorfreude aus ihm heraus locken. Ich wollte losfahren und meine getigerten Babys abholen.


Endlich war es spät genug um loszufahren. So eine Stunde Autofahrt kann ja so lang sein... Und so ein Auto so langsam.
Obwohl ich so lang gewartet hatte, war ich viel zu früh in Limburg. Aber irgendwann sah ich dann das kleine blaue Auto meiner Schwester auf den Parkplatz fahren.
Im Kofferraum zwei winzige Kätzchen, die sich völlig verängstigt aneinander kuschelten. Peanut und Collin.
Jetzt musste ich nur noch den langen Weg nach Hause schaffen...
 
  • 6 Monate mit Peanut und Collin Beitrag #2
:d078::d078::d078:

und weiter.....?????
 
  • 6 Monate mit Peanut und Collin Beitrag #3
Hihihi... Musste erstmal Kaffee kochen :-D
Fortsetzung folgt!

Also: Fortsetzung:
Ich kam heil und sicher mit dem Kleinen zu Hause an. Sie lagen in der nagelneuen Katzentransporttasche auf dem neuen Katzendeckchen und ignorierten die nagelneuen Mäuschen und Leckerlis, die ich ihnen reingepackt hatte, damit sie die Fahrt besser überstehen.

Irgendwann kamen wir dann zu Hause an.
Die Katzentasche im Wohnzimmer auf den Boden gestellt, Reißverschluss auf und mich gezwungen, auf dem Sofa zu sitzen und so zu tun, als wären keine Katzen da. Ich wusste bis zu dem Zeitpunkt nicht, dass ich so willensstark sein kann, das überhaupt auch nur 10 Sekunden lang auszuhalten.
Aber auch bei den Ratten war ein in Ruhe ankommen lassen Pflicht!

Es dauerte nicht lang, da streckte einer der Beiden die Nase aus der Tasche. Peanut. Peanut war immer schon der Neugierigere von Beiden. Er kletterte aus der Tasche - und verschwand unter dem Sofa!
Collin, der sich alleine fürchtete, flitzte hinterher.

Ich wusste: Die Kleinen hatten seit Stunden nichts gefressen und getrunken (meine Schwester hatte ihnen zwar auch während Pausen unterwegs und auch in Limburg Futter und Wasser angeboten, sie hatten aber nichts angerührt). Auch waren sie nicht "auf dem Klo" gewesen (sowohl die Box meiner Schwester als auch meine Tasche waren sauber).
Also holten wir die beiden nach einiger Zeit unter dem Sofa vor und zeigten ihnen die Näpfe mit Futter, Wasser und der Katzenmilch, die sie bei meiner Schwester schon bekommen hatten.
Als die Bäuche voll waren, "rollten" die beiden wieder unters Sofa.
Nach einer guten Stunde Verdauungspause haben wir sie wieder hervorgeholt - unter viel gefauche und gespucke versteht sich. Vor allem Collin hat meinem 1,84m großen Hauptmann der Luftwaffe ganz schön Angst eingejagt :lol:.
Wir zeigten ihnen die Katzenklos (den gefährlichen Collin durfte ich tragen) und ließen sie kurz allein. Als hätte es ihnen ihre Mama genau so beigebracht, verrichteten sie ihr Geschäft im Klo, verbuddelten die Schätze und flüchteten unters Sofa. Sobald wir uns ihnen näherten, wurden wir mit lautem Gefauche, aufgestelltem Fell und Bürstenschwanz von Collin begrüßt.
Ich wurde nicht so ganz schlau aus ihnen. Einerseits traute sich Collin nichts, was Peanut nicht schon vorgemacht hatte. Andererseits verteidigte er sich und seinen Bruder mit einer Entschlossenheit, die mich echt beeindruckt hätte, wenn das bei einem so kleinen Fellknäul mit rundem Babybauch nicht so niedlich ausgesehen hätte...

Am nächsten Tag (Sonntag) mussten wir die zwei auch schon wieder einen ganzen Tag allein lassen: Meine Oma feierte 90sten. Da durften wir natürlich nicht fehlen.
Aber so hatten die beiden Zeit, sich ohne störende Zweibeiner in der Wohnung umzusehen. Und meine Oma hatte zum ersten Mal verständnis, dass wir nicht über Nacht bleiben konnten.

Am Montag hatte Sascha frei. Da ich arbeiten musste, musste ER mit MEINEN Katzen zum Tierarzt. Deshalb haben wir am Abend vorher erst versucht, den beiden ein Halsband anzulegen, damit er sie unterscheiden kann. Die Kleinen fanden das doof. Sie versuchten immer wieder, sich die lästigen Dinger auszuziehen und blieben mal mit der Vorder-, mal mit der Hinterpfote oder aber aucvh mit dem Unterkiefer im blauen bzw. roten Halsband hängen. Also hab ich sie ihnen wieder abgemacht und wir mussten bis zum nächsten Tag lernen, sie auseinander zu halten.
Sascha, der nun doch nicht mehr ganz so abgeneigt war, fand auch schnell einen neuen Namen für unsere kleine Giftspritze Collin: Er nannte ihn Mr. Bigglesworth, nach dem Kater des bösen Dr. Evil aus dem Film Austin Powers.
Diesen Namen drohte er, beim Tierarzt anzugeben.
Ich aber stellte mir vor, wie ich nachts durch die Straßen laufe und meinen Kater mit "Mr. Bigglesworth" nach Hause rufe....

Am nächsten Tag also der Besuch beim Tierarzt zur ersten Kontrolle. Auch der war sehr eingeschüchtert von unserem kleinen Collin, der vor lauter Fauchen nicht abgehört werden konnte. Aber das Geschlecht wurde bestätigt, sie wurden auf Flöhe und Milben untersucht und gegen Würmer behandelt. Das Alter wurde auf 6 bis 8 Wochen geschätzt. Viel zu jung also.

Im Laufe der Zeit verbrachten die beiden immer weniger Zeit unter dem Sofa.
Aber immer, wenn wir ihnen begegneten, wurden wir - vor allem von Collin - böse angefaucht.
Deshalb suchte ich im Internet nach Informationen und fand dabei das Katzenforum.
Ich startete meinen ersten Tread:

Mir wurde Mut gemacht, dass das ganz normal ist und dass sie sich schon noch zu Schmusern entwickeln können.

Und tatsächlich. Den einen Tag komm ich heim, mein Schatz steht mit einem Grinsen von A nach B im Gesicht und sagt: "Weißt du, was vorhin passiert ist?" Nein, weiß ich natürlich nicht. Woher auch. "Peanut kam vorhin zu mir aufs Sofa und hat sich streicheln lassen. Und er hat sogar dabei geschnurrt!"
Wie kann das sein???? Spüren die treulosen Biester denn nicht, dass er sie eigentlich gar nicht will?? Wissen sie nicht, dass ICH es bin, die sie hergeholt hat, die sie füttert, versorgt und liebt????? Die sich im Forum die Augen wund liest um ihren Katzen ein gutes Leben zu ermöglichen???
Und wie zum Beweis, dass das alles gar nichts zählt was ich für die Monster tu, kuschelt sich Peanut noch am selben Abend zu Sascha aufs Sofa, lässt sich streicheln und schnurrt, während er vor mir reißaus nimmt.
Am nächsten Tag versuche ich, meinen Freund mit einem ähnlichen Glanzstück bei Collin zu beeindrucken. Doch statt meine Zuwendung zu genießen, faucht er mich an und zieht sich rückwärts unters Sofa zurück. Sascha sieht das, grinst breit, und versichert mir, dass zumindest er mich ganz doll lieb hat!
Na toll. Ich hasse ihn! Und die verräterischen Katzenbiester auch!! Fühle mich ungeliebt. Es dauert Tage, bis ich Peanut anfassen darf.
Collin tut mir leid. Peanut, der sonst immer von ihm beschützt mit ihm unterm Sofa saß, liegt nun mit Sascha (und ab und zu auch mit mir) AUF dem Sofa und lässt sich kraulen.
Collin sitzt einen Meter entfernt und schaut aus seinen großen Augen zu. Er sieht so traurig und verlassen aus... Jetzt ist er allein. Sein einziger Bruder, der ihm noch geblieben ist, hat sich mit dem Feind verbrüdert. Ich kann Collin gut verstehen und würde ihn so gern trösten... Doch er lässt noch lange Zeit keine Nähe zu.
Irgendwann aber empfange ich meinen Freund mit breitem Grinsen: Collin hat sich von MIR streicheln lassen. Und er hats genossen. Und er hat es wieder getan und wird es immer wieder tun.
Bis Sascha ihn anfassen darf, sollte es noch eine ganze Weile dauern.
 
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