Huhu!
Ich dachte jetzt wo die Kittenschwemme wieder losgeht währe es vielleicht von Vorteil wenn jemand etwas über die meist empfohlene Kastration in der Trächtigkeit schreibt der es bei seiner eigenen Katze mitgemacht hat. Wie einige wissen hab ich das und ich hoffe einfach das es ein paar Vorurteile von wegen "grausame Abtreibung" und "nun ist sie ja schon trächtig" aufhebt.
Mitte Mai 2010 kam ich durch Zufall zu meiner Katze Minka, ich fand sie bei einem Spaziergang im Straßengraben und hab sie mitgenommen da sie in einem sehr schlechten Zustand war. Sie hatte extremen Durchfall (sie konnte ihn nicht halten und lief zeitweise richtig raus) und total verklebte Augen, ihr Pfoten waren gelblich-braun verfärbt da sie sich den eitrigen Augenausfluss weggeputzt hat - bzw. es immerhin versuchte.
Obwohl sie sehr scheu war und sich freiwillig nicht anfassen lies konnte ich sie recht leicht saubermachen, weil sie einfach zu schwach war um sich zu wehren. Sie wog 1,2kg und wurde von unserer Nachbarin die, leider Gottes - wir versuchen sie seit über zwei Jahren zu überzeugen ihre Katzen kastrieren zu lassen, regelmäßig Kitten hat (über das Inzestproblem mit den kleinwüchsigen Katzen hab ich auch schon mal berichtet) auf etwa 10 Wochen geschätzt. Das war ein Samstag.
Am folgenden Montag ging es mit der kleinen Katze zum Tierarzt, sie hatte sehr gut gefressen (ich hab sie einfach futtern lassen weil sie so dürr war) und war inzwischen auch entwurmt (Tabletten haben wir für unsere Hunde immer da, sind auch für Katzen geeignet ;-) ). Der Durchfall war tatsächlich bereits besser geworden. Dann erst mal der Schock - Unsere
Tierarzt meinte sie will zuerst einen Test auf
FIV und Katzenseuche machen, wenn positiv wird sie gleich eingeschläfert, dann hat das ganze keinen Sinn. Da beides negativ war wurde zunächst einmal der Katzenschnupfen und die Augenentzündung behandelt, unsere TÄ stellte zudem starke Prellungen an der rechten Körperseite fest. Wir tippen auf einen Zusammenstoß mit einem Auto weil sie ja im Straßengraben lag. Sie hatte auch Ohrmilben und Flöhe, aber das war erstmal das kleinere Übel.
Die ersten 3 Tage blieb sie eingesperrt im Garten, ja ich weiß klingt richtig fies aber mit so einem starken DF ist im Haus schon Horror. Außerdem war es im Mai '10 sehr warm bei uns und man konnte auch Nachts mit einem T-Shirt und kurzer Hose raus ohne zu frieren.
Diese Bilder stammen vom Tag nachdem ich sie gefunden habe:
Übrigens war sie damals über 5 Monate alt!! 5 Monate und 1,2 Kilo leicht...
Nun viel gelabert, das war die Vorgeschichte.
ein paar Wochen später hatte sie sich soweit erholt, Schnupfen war so gut wie vorbei, Durchfall nach einer 2. Entwurmung komplett weg, die Augen auch fast wieder gesung und sie fasste langsam Vertrauen. Inzwischen war sie ausschließlich im Haus. Sie war nun etwa 6 Monate alt und wog 1,4kg (ich hab Tagebuch geführt, zwar ohne genaue Daten aber alle paar Wochen aufgeschrieben wie ihr Gewicht war) da begann das Übel - Sie war rollig :-(
Unsere
Tierarzt meinte bei einm Anruf wir müssen es aussitzen, sie sei körperlich noch nicht stabil genug um kastriert zu werden, die Rolligkeit würde sie zwar schlauchen, aber sie kann ihr die Katzenpille nicht geben weil sie noch Antibiotikum bekommt. Die Rolligkeit war ein paar Tage später so gut wie vorbei nur dann entwischte sie

Ja ich weiß, ich bin selber Schuld und mach mir deswegen heute noch Vorwürfe, es war einfach meine eigene Dummheit. Drei Tage lang war sie weg, ich war am Heulen und konnte kaum glauben das sie tatsächlich auf einmal wieder auf der Terasse stand und um Futter bettelte, von dem Tag an klebte sie an mir wie eine Klette, hat aber auch panische Angst vor Männern. Einige dicke Schrammen hatte sie am Kopf - die schlimmste über der Nase. Weil sich diese nur wenige Tage später entzündet hatte waren wir wider beim Tierarzt, dies ging einige Wochen so bis unsere TÄ auf einmal sagte "Die war doch mal ein paar Tage weg? Ich glaube die trägt.."
Motzi war inzwischen immerhin 1,7kg schwer, kastriert werden konnte sie trotzdem noch nicht da sie immer noch zu sehr kränkelte. Damals war sie in der 3. Woche trächtig (durch Ultraschall bestätigt) und insgesamt etwa sieben Wochen bei mir.
Nur mal so nebenbei, da viele nicht glauben können was Tierschützer so für eine Findelkatze ausgeben, ich bin zwar nicht im
Tierschutz aktiv, aber Minkas
Tierarzt-Kosten betrugen damals etwa 600€. Da kann so mancher Katzenschützer wohl ein Lied von singen..
Alles in allem wurde sie dann in der 5. Trächtigkeitswoche kastriert, eigentlich viel zu spät aber unsere TÄ musste leider zugeben das es unmöglich war die Kitten und die Mutterkatze durchzubringen. Das lag allein schon an ihrem "zierlichen" Körperbau und dem Alter. Knapp 7 Monate sind schon heftig, deswegen auch "Teeniemütter" als Fredtitel.
Dieses Bild entstand kurz vor der Kastra, man sieht den relativ dicken Bauch ein wenig:
Motzi hat zwar etwas länger gebraucht wieder "ganz die Alte" zu sein, aber dennoch war alles vollkommen unproblematisch. Sie hat erst nach der Kastra richtig zugenommen und an Körpermasse aufgebaut. Sie wird immer eine sehr kleine Katze sein, heute wiegt sie 3,2kg und ist etwas über zwei Jahre alt. Sie hat heute noch Folgeschäden von der Infektion mit Caliciviren (chronische Zahnfleischentzündung) aber wenn man die ersten 3 Bilder ansieht und bedenkt das sie etwa 8-9 Wochen danach schon in der 5. Woche war..kann mir da wirklich einer einen Vorwurf machen das es falsch war sie zu kastieren?
Ganz erlich? Da Minka die Kastration trotz des sehr späten Zeitpunktes ohne Probleme überstanden hat und laut unserer TÄ die Chancen für eine unter einem Jahr alte Katze sehr schlecht sind das sie die Geburt überlebt
und da kann ihr Allgemeinzustand noch so gut sein! würde ich jedem der ein trächtiges Kitten hat sofort zu einer Kastra raten! In diesem Fall sollte die Gesundheit der Mutter wirklich wichtiger sein als die von ungeborenen Kitten.
Das allerbeste jedoch währe eine Frühkastration oder eine Kastra mit spätestens 6 Monaten, dann kann sowas nämlich gar nicht mehr passieren.
Trächtigkeiten sind keine schöne Sache, eine nicht auf sämtliche Erbkrankheiten untersuchte Katze sollte keine Kitten bekommen! Es gibt tausende von ungewollten Kitten in Tierheimen, da braucht man wirklich nicht auf gut Glück weitere produzieren und dabei womöglich noch das Leben der Mutterkatze riskieren, sei sie 6 Monate oder 5 Jahre alt..