[...] In diesen Gruppen benutzen Katzen gegenseitiges aneinander Reiben als Kommunikationsmittel. Der Ablauf ist der Folgende: Katzen reiben ihre Köpfe aneinander, um ihren Geruch zu übertragen, streifen mit dem Körper aneinander entlang und nehmen dann den Geruch der anderen mit den Flanken an, um sich diese dann in einer ruhigen Ecke abzulecken und den Geruch der anderen aufzunehmen. Gleichzeitig bietet die Katze dem Kommunikationspartner mit erhobenem Schwanz ihre Analregion zur Geruchserkundung an. Das Aufstellen des Schwanzes ist daher einerseits Analkontrollen-Einladung, andererseits als Signal für die Intention des Reibens zu verstehen. Nähern sich Tiere von etwas weiterer Entfernung an, so kann der erhobene Schwanz die freundlich gesinnte Annäherung anzeigen.
Das Kopf- und Körperreiben der Hauskatze ist ein so genanntes Markierverhalten, vermutlich das dem Menschen angenehmste überhaupt. Es dient dazu, die Sekrete der körpereigenen Duftdrüsen an Kinn, Wangen, Flanken und Schwanzansatz auf andere Lebewesen und Objekte zu übertragen, die sich in ihrer Umgebung befinden, und so einen vertrauten Gruppengeruch zu schaffen. Parallel führt die Aufnahme des Geruches des Sozialpartners durch Ablecken zur Wiederherstellung des Zusammengehörigkeitsgefühls. Das Lebensumfeld erhält durch die Markierung eine Struktur, gleichzeitig dient das Verhalten der geruchsorientierten Katze dazu, auch die soziale Gruppe zu strukturieren: ein Netz von Beziehungen besteht. In diesem Sinne ist das einander Reiben unter Katzen, für uns Menschen übersetzt, als eine Art „sich Respekt erweisen“ oder auch ein Küsschen auf die Wange zu verstehen. Es wird nie ausgeführt, wenn Angst oder Aggression im Spiel sind, sondern immer in einer entspannten, sozial gesicherten Situation, muss aber nicht notwendigerweise stattfinden, wenn sich z.B. zwei Katzen ausreichend sicher Plätze teilen können. So ist das Reiben vielmehr Ausdruck einer eher einseitigen Beziehung. Im auf diese Weise strukturierten Sozialgefüge initiieren jüngere Katzen häufiger als ältere sowie weibliche Katzen häufiger als männliche das Reiben, so dass eine komplexe Hierarchie entsteht, in der die Kätzchen sich an allen älteren Katzen bis auf den erwachsenen Katern reiben, die Heranwachsenden die erwachsenen Weibchen reiben und die erwachsenen Katzen einander sowie gelegentlich an den erwachsenen Katern reiben. [...]