Hallo ihr Lieben,
da ich begeistert Tagebuch schreib hatte ich die Idee, ein großes "Community-Katzentagebuch" zu starten. Gerade wenn euren Lieben etwas schönes/ungewöhnliches/besonderes/lustiges oder völlig normales passiert und ihre denkt, dass sie das aufschreiben würden, hat es hier einen Platz verdient.
Ich bin mir sicher, dass bei der einen oder anderen Katzenkuriosität einige Forenmitglieder nickend vor ihren Rechnern sitzen und denken "Genau so geht's mir auch" oder "Genau das könnte meine Katze auch sagen". Ich mach dann mal den Anfang. Viel Spaß beim Mitmachen und lesen.
Hallo ihr Verbeiner da draußen,
ich bin die Mausi. Den Namen hat mir mein neuer Zweibeinerkumpel gegeben. Der passt auch eigentlich ganz gut zu mir. Bisher kennt ihr ja eigentlich nur ein Bild von mir, ich bin die hübsche Piraten-Katze. Aber wisst ihr auch, wie es dazu kam? Vermutlich eher nicht, deshalb stell ich mich mal kurz vor:
Mittlerweile bin ich 3 Jahre alt, aber ich kam schon mit einem halben Jahr ins Tierheim. Da bin ich selbst hingelaufen, weil ich meinem ehemaligen Herrchen weggelaufen bin. Die Tierheimzweibeiner haben ihn "Vermehrer" genannt. So wie sie das gesagt haben, glaub ich, dass das nichts Gutes ist. Ich fand ihn auch nicht nett, sonst wär ich ja nicht weggelaufen. Ich weiß auch heute gar nicht mehr, was da alles passiert ist. Frauchen hat mir den Zettel vorgelesen, den das Tierheim am Tag meiner Ankunft schrieb. Der A-Check war nicht möglich, weil ich total verstört war. Mein linkes Auge war "zermatscht" und mein Gebiss total eitrig. Ich weiß aber gar nicht mehr, was da passiert ist - nur, dass ich Menschen nicht richtig über den Weg trau. Das ist wohl davon geblieben und das tut mir auch ganz schrecklich Leid.
Im Tierheim waren dann aber wenigstens die Menschen nett zu mir. Ich wurde immer wenn es die Zeit der Zweibeiner zuließ (die ja schrecklich viel zu tun haben) ein bisschen gestreichelt und wurde zur "Tierheimkatze". Nur die Katzen mochten mich irgendwie nicht. Ich wurde ganz schlimm gemobbt und verprügelt. Die Menschen im Tierheim sagten, dass ich zu lieb sei um mich zu wehren. Naja, warum soll ich die anderen schlagen? Ich wurde doch selbst geschlagen, das möchte ich doch niemandem antun. Deshalb war ich dann dort auch schrecklich einsam und wurde ganz scheu. Ich war dann "unvermittelbar", weil ich nicht mehr ganz "neu" aussah und vor Menschen weglief. Ich vertrau mich halt einem Zweibeiner nicht gleich an, aber das ist doch verständlich, oder?
Die Katzenkinder und anderen Katzen mit zwei Augen sind halt knuffiger und schöner. Deshalb hab ich mich mit dem Tierheim abgefunden und war froh, dass ich wenigstens nicht mehr von den Menschen geschlagen wurde.
Und auf einmal veränderte sich alles. Da stand diese Zweibeinerin mit den langen roten Haaren und redete mit der Tierheimfrau. Immer wieder fiel der Name "Sunny", mein Name. Ich fraß ihr ein Leckerli aus der Hand und sie lächelte. Und ihre Augen glitzerten total komisch, das hab ich bei einem Menschen noch nie gesehen. Und dann ging sie wieder und ich war wieder allein mit meinen Tierheimmenschen. Würde mich denn nie jemand zu sich nehmen? Zu einem Katzenkumpel, der mich nicht haut? So verbrachte ich eine weitere Woche und bekam neue Wunden, die Katzen ärgerten mich und ich verkroch mich weiter.
Am Freitag fing mich eine Frau aus dem Tierheim ein und sperrte mich in eine Box. Ich hatte riesengroße Angst, dass alles so wird wie früher. Und ich dachte doch, dass es mir hier besser ging. Sollte ich nun wieder geschlagen werden? Aber ich hatte doch nur noch ein Auge. Die Nacht war schrecklich in dieser Box und der nächste Tag fing noch viel schrecklicher an. Da kam morgens die Tierheimfrau, die mich eingesperrt hatte. Mit dieser rothaarigen Frau und einem blonden Mann. Ich hatte unglaubliche Angst, deshalb hab ich ganz schlimm gemaunzt. Ich wurde in eine noch kleinere Box verfrachtet und alle probierten, beruhigend auf mich einzureden. Ich machte einen großen Haufen in die Box, weil ich so unglaubliche Angst hatte. Glücklicherweise hat die nette Tierheimdame das dann sofort entfernt und ich hab mich ganz doll dafür geschämt.
Dann ging's raus zu meiner Lieblings-Tierheimfrau. Irgendwie wusste ich, dass ich sie nicht mehr sehen würde, denn ihre Augen waren merkwürdig nass. Sie besprach etwas mit dem rothaarigen Menschen, dann nahm sie sowas buntes dünnes entgegen (die Menschen nennen das "Geld") und ich wurde in der Box nach draußen getragen. Als ich merkte, dass wir das Tierheim verlassen, musste ich schrecklich weinen. Noch schlimmer wurde es, als sie mich in das "Auto" setzten, ein riesiges schwarzes Monster, das sich total gefährlich angehört und mich verschlungen hat. Sogar die rothaarige Frau musste daraufhin weinen. Sie sagt, es wäre vor Freude gewesen, aber so recht kann ich ihr das nicht glauben. Sie hat ziemlich traurig ausgesehen.
Nach einer nicht enden wollenden Ewigkeit hat uns dann dieses Auto-Monster ausgespuckt und ich kam in mein neues Zuhause. Dort saß ich erstmal ziemlich entgeistert auf dem bett in meinem Transportkorb und wollte gar nicht raus. Immerhin kannte ich den Korb ja jetzt, aber alles andere war so schrecklich fremd. "Bett" nannten sie das Teil, auf dem ich saß - nun gut, immerhin ist das unglaublich bequem. Und irgendwann traute sich der rothaarige Mensch dann auch mal, mich anzufassen. Das war vielleicht toll! Da musste ich direkt anfangen, zu schnurren. Der Mensch sah glücklich aus, als ich ihm meinen Kopf in die Hand gedrückt habe, was mir sehr gut gefiel. Endlich jemand, der meine Nähe schätzt. Vielleicht bin ich ja doch gar nicht so ungewollt. Haben sich diese beiden Menschen für mich entschieden? War das wirklich mein neues Zuhause? Diese Erkenntnis konnte ich gar nicht fassen. Mir war klar, dass ich mich jetzt von meiner Schokoladenseite zeigen musste. Schließlich würden sie mich bestimmt wieder abgeben, wenn ich nicht süß bin? Damals dachte ich noch, dass alle Menschen nur darauf Wert legen. Deshalb bin ich dann auch total mutig aus meiner Box gekrabbelt und hab mir alles genau angesehen. Das Bett gab übrigens eine tolle Rückzugsmöglichkeit ab. Ein bisschen haben sich die Menschen um mich gekümmert, mich dann aber erstmal allein gelassen. Das war auch gut so, denn so konnte ich alles genau inspizieren. Bei genauerem Richen bekam ich dann große Angst - es roch nach Kater. Hier lebte also schon ein Artgenosse. Ich hatte doch so Angst vor anderen Katzen und Katern.
Am nächsten Morgen dann durfte ich diesen Kater kennenlernen. Der war so süß, weshalb ich ihn gleich abgeschleckt habe. Das fand er wohl suspekt, deshalb hat er mich angefaucht und ist weggelaufen. Es hätte besser laufen können, aber immerhin hat er mich nicht gehauen.
Die Menschen find ich immer besser. Vor allem seit ich weiß, dass ich zu ihnen kommen kann, wenn ich das möchte. Sie sitzen nicht vorm Bett, um mich unbedingt streicheln zu müssen. Das find ich gut, denn gestern Abend bin ich dann auf Erkundungstour durch die Wohnung gegangen. Mensch, war das interessant! Überall diese Gerüche und dann saßen da die beiden Zweibeiner in dem großen Raum. Als sie mich bemerkten haben beide total glücklich gewirkt und versucht, mich zu locken. Ich hab mich auch streicheln lassen, was echt gut getan hat. Endlich sind da zwei Menschen, die sich um mich kümmern und mir ein Zuhause geben. Und als ich wieder zum "Bett" geflüchtet bin, haben sie das zugelassen und mich nicht bedrängt.
Nur was den Kater betrifft weiß ich noch nicht so recht, was ich denken soll. Der ist ja eigentlich ganz süß, aber wenn er mich doch schlägt? Deshalb fauche ich ihn immer ängstlich an. Soll lieber er vor mir Angst haben. Dann hält er mich immerhin nicht für wehrlos.
Sobald ich bessere Eindrücke gesammelt hab meld ich mich nochmal. Ihr wollt bestimmt wissen, wie's weitergeht.
Liebe Grüße, die Mausi