wenn Katzen reden könnten.

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half_tail_cat

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Hallöle!
Es ist Wahnsinn, was innerhalb von zwei Jahren alles passieren kann und man merkt, dass man in Bezug auf seine Tiere nie auslernt. Ich eröffne dieses Thema aufgrund von Spekulation und in der Hoffnung, dass sich Katzenerfahrene herumtummeln, die gewisse Eigenschaften von "Fundtieren" besser oder einfacher nachvollziehen können, wie mein Lebensgefährte und ich.

Weil ich aufgrund vieler persönlicher Dinge und Familie letztes Jahr beschlossen habe aus meinem Elternhaus auszuziehen und mein Katzenmädchen "Chili" in der Obhut meiner Mutter gelassen habe, weil sie Freigängerin ist und in der kleinen Stadtwohnung unmöglich hätte glücklich werden können, kam mein Tierarzt mit der Frage bzw. Bitte auf mich zu, ob ich Interesse daran hätte ein Fundtier von ihm zu übernehmen; er kennt mich schon von kleinauf und hat auch meinen kleinen Zusammenbruch miterlebt, als ich mit meiner herzkranken Jackie mitten in der Nacht vor seiner Tür stand (Wir vermuten inzwischen, dass Jackie damals das Herzleiden bekam, weil ihr Begleiter Nicky an Altersschwäche verstorben ist. Vorher war sie nämlich kerngesund, wurde regelmäßig geimpft und erhob nie den Anschein einer schweren Krankheit - aber das ist eine andere Geschichte). Er wusste also, dass ich unmöglich ablehnen würde.

Was mich an Lily bis heute fasziniert, sind ihre großen grünen Augen. Alles, was wir über sie wissen ist, dass eine alte Frau sie im Alter von etwa drei Monaten bei unserem Tierarzt abgeliefert hat. Angeblich wurde sie angefahren: Becken und Beine gebrochen. Der Doktor ist ein sehr guter Mensch und peppelt alle möglichen Tiere,
egal ob und wem sie gehören - als er uns Lily vermittelte, verlangte er nicht einmal das Geld der O.P. zurück.
Jedenfalls war das Goldstück einigermaßen genesen, als wir es zu uns holten - seit dem Unfall waren nicht ganz drei Monate vergangen, Lily musste also etwas mehr oder weniger als ein halbes Jahr alt gewesen sein.
(Ich berichte hier jetzt ganz konkret über unsere ersten Erfahrungen bis jetzt, wenn der Text länger wird, tut mir das sehr leid >.< Aber so geht dann zumindest nichts verloren, worauf ich mir evtl. aufklärende Antworten erhoffe)

Der Einzug war eine Katastrophe.
Meine Mutter hat uns einen großen Deckenkratzbaum geschenkt - also so ein Ding, das man unter der Decke einspannen kann. Wir haben die Wohnung katzensicher gemacht, die Kabel sowieso durch die kleine Renovierung gut versteckt (mein Mann ist Elektriker) und gefährliche Ritzen zugestellt (ich hatte total Schiss, dass sie sich hinter der Kühltheke versteckt). Wassernäpfe standen bereit, das Katzenklo unweit des Kratzbaums damit sie es schnell erreichen kann: nun, der Tierarzt warnte uns schon vor, dass Lily schreckhaft sein könnte. Aber das war schon mehr als schreckhaft. Im Nachhinein glaube ich nicht mehr, dass sie ein Wildfang war - aber dazu später mehr.
Die ersten zwei Wochen versteckte sich Lily vehement im Bücherregal, im offenen DVD Schrank .. und - oh ja, sie hat eine Leidenschaft für meine Filmbände entwickelt. Je größer die Wälzer waren desto besser, weil dann hat man sie nicht gesehen. Wir haben sie in Ruhe gelassen und die Zeit gegeben, die sie brauchte um sich einzugewöhnen und nach und nach wurde sie zutraulicher.
Irgendwann lag sie dann in der Höhle vom Kratzbaum: hoch genug, um uns beobachten zu können, aber gleichsam nah genug, dass wir sie auch streicheln durften. Lily hat von Anfang an weder gebissen, noch gekratzt oder gefaucht. Sie fühlte sich nicht bedroht, sie hatte einfach nur Angst.

Im Laufe der Wochen gewöhnte sie sich an uns und nach und nach stellten wir fest, dass sie ein sehr an den Menschen angepasstes Verhalten besitzt. Nicky war damals ein echter Wildfang, ein Kater ohne zu Hause - der wollte nicht hören, der hatte seinen eigenen Kopf. Lily hingegen schien jedes Wort zu verstehen, das wir an sie richteten. Vor allem diese Erziehungsmethode "Nein", die mir bei Chili als Kitten Kopfzerbrechen bereitet hat, funktionierte von Anfang an und bis heute reibungslos. Schnell wurden Stefan und ich das Gefühl nicht los, dass Lily schon mal bei einer Familie war - doch sicher sind wir uns da eben nicht.
Das nächste auffällige Verhaltensmuster ist ihr Geschnatter: sie schnattert den lieben langen Tag, antwortet auf Fragen, liebt Rituale die sie vom Aufstehen bis zum Bettgehen durchzieht. Aber nichts davon musste sie erst großartig erlernen; ja uns kam's sogar so vor, als benötigte sie nur das Vertrauen zu uns.
Des Weiteren zuckt sie zusammen, wenn ich sie von der Seite streicheln möchte: liegt sie auf meinem Bauch, oder neben mir auf der Couch und ich strecke langsam die Hand nach ihr aus, ist es wie ein Reflex dem sie dann irritiert über sich selbst nachgibt. Andererseits tobt sie mit uns aber auch quer durch die Wohnung, spielt Verstecken, Angreifen aus dem Hinterhalt und ist an und für sich ein sehr ausgeglichenes Tier. Nachdem sie sich nun bei uns eingewöhnt hat, wollen wir ihr auch endlich einen Spielgefährten schenken - im Frühjahr 2013 ziehen wir dann zurück aufs Land, wo wir ihr den Freigang anbieten wollen (Jahh, unsere Wohnsituation ist etwas kompliziert, was vor allem mit dem Hausverkauf meiner Eltern einher geht).

Die Kernfrage meines Beitrages ist eigentlich nur diese, ob jemand von euch schon mal eine Katze erlebt hat, die vom Menschen schlecht be- oder sogar misshandelt wurde und wie sich solche Tiere im Bezug auf andere Menschen verhalten. Wir glauben inzwischen nicht mehr, dass Lilys Beckenbruch ein Autounfall war - warum wissen wir nicht so genau, es ist einfach sowas wie ein Bauchgefühl. Und auch, dass sie ein Wildfang gewesen sein soll, überzeugt uns nicht. Wenn Freunde da sind, beobachtet sie den Besuch erst einmal aus sicherer Ferne, bis sie dann gemächlich näher kommt und sich sogar streicheln lässt - vor Kindern hat sie hingegen panische Angst und nimmt sofort Reißaus.
Möglich, dass wir auch nur zuviel hinein interpretieren: über ihr Verschwinden hat sich beim Tierarzt jedenfalls keiner informiert.
Trotzdem würden wir sie gerne einfach noch ein bisschen besser verstehen.

Aber soviel erstmal zu Lily und uns (-:
Danke fürs Lesen und liebes Grüßle
 

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17.10.2012
#1
A

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