Frage zu Schildpatt / Glückskatzen

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Nonsequitur

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Hallo,

da ja hier im Forum anscheinend Leute mit Ahnung von Farbgenetik versammelt sind,
hätt ich gern mal eine Frage:
Wenn ich das richtig überblicke, ist bei den meisten Schildpatt- und Glückskatzen der Schwarz-(/Blau-/Chocolate-...)-Anteil im Fell deutlich höher als der Rot-(/Creme-...)-Anteil.
Weiß man eigentlich, warum das so ist? Oder täuscht mich mein Eindruck?
 
23.12.2012
#1
A

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saurier

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Hallo,

da ja hier im Forum anscheinend Leute mit Ahnung von Farbgenetik versammelt sind, hätt ich gern mal eine Frage:
Wenn ich das richtig überblicke, ist bei den meisten Schildpatt- und Glückskatzen der Schwarz-(/Blau-/Chocolate-...)-Anteil im Fell deutlich höher als der Rot-(/Creme-...)-Anteil.
Weiß man eigentlich, warum das so ist? Oder täuscht mich mein Eindruck?
Nun, ich glaube, du wirfst die Begrifflichkeiten etwas durcheinander... 'Glückskatzen' werden im Allgemeinen Schildpatt-Katzen MIT weiß genannt und bei denen ist der WEISSanteil meist höher als der der anderen Farben.

Dadurch, dass das Scheckungsweiß mit dabei ist, ist es auch so, dass Tortie-mit-Weiß-Katzen eher 'Farbflecken' entwickeln - im Gegensatz zu den 'ohne Weiß' Tieren. Das hat etwas mit dem Zeitpunkt der Fellfarbentwicklung zu tun.

Beispiele:

black-tortie




und hier eine mit Tabby-Muster (black-tortie-tabby)




chocolate-tortie





black-tortie/white:




black-tortie-tabby/white:




blue-tortie/white












Sphynx, blue-creme/white







Ob der dunkle Anteil bei Tortie-Katzen tatsächlich höher ist? Hm, ich weiß nicht, vielleicht ist es auch eher so, dass wie optisch das Dunklere eher wahrnehmen? Dazu kann ich dir nichts sagen.
 
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Stulle

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Alleine vom empfinden her hatte Stulle wesentlich mehr schwarz als rot. Wie gesagt, das ist mein Empfinden.
 
saurier

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Alleine vom empfinden her hatte Stulle wesentlich mehr schwarz als rot. Wie gesagt, das ist mein Empfinden.
Hm, ja, ich habe jetzt auch noch mal nachgeschaut, bei vielen Tortie-Katzen, die ich kenne, ist das tatsächlich so, dass der dunklere Teil überwiegt... Da die Farbverteilung - soweit ich weiß - polygen ist, nehme ich an, dass das Zufall ist, warte aber gespannt auf die Antwort der Experten :wink:.
 
Nonsequitur

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Hallo Heike,

das mit den Glückskatzen, dem Weißanteil und den Farbflecken ist mir schon bekannt und hat auch nix mit meiner Frage zu tun, aber danke für die vielen Bilder :D
Bei dem blue-tortie-white Knöpfchen sieht man doch z.B. nen deutlichen Blauüberschuss, zumindest von vorne ... und bei der black-tortie-tabby-white Miez auch.
Bei der black-tortie-white Miez mit den Flecken sieht es von der einen Seite aus recht gleichverteilt aus, wenn man den Schwanz nicht mit berücksichtigt.
Zu der chocolate-tortie kann ich schlecht was sagen, weil man nur den Kopf sieht; und die restlichen drei Miezen sehen von der Farbverteilung her recht verwaschen aus, da trau ich mich auch nix zu sagen.

Unsere Nachbarn haben eine für mich "typische" black-tortie Hauskatze (an deren Urgroßmutter vermutlich mal eine BKH vorbeigelaufen ist), und die hat auch einen deutlichen Schwarzüberschuss.

Andersrum hab ich mal im anderen Forum ein Bild von einer black-tortie Miez mit deutlich mehr Rot als Schwarz gesehen, und die sah für mich wirklich ungewöhnlich aus, also so dass man sich erstmal fragt "Was für ein Farbschlag ist DAS denn?".

Bei einer Zufallsverteilung würde ich erwarten, dass es ungefähr gleich viele Torties mit Schwarz- und mit Rotüberschuss gibt und dazu noch etliche, die von beidem gleich viel haben ... also wenn mein Eindruck stimmt und die Torties mit Schwarzüberschuss wirklich viel häufiger sind, dann müsste ja irgendwas dahinterstecken, auch wenn es vielleicht nix direkt mit Mendel zu tun hat, sondern mit Embryonalentwicklung oder sowas ...
 
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Borealis

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Die Verteilung der unterschiedlichen Farbbereiche liegt daran, welches X-Chromosom inaktiviert wird. Das findet nicht rein zufällig statt, sondern wird durch Bereiche der DNA beeinflusst, die keine codierenden Gene enthalten, d.h. solche, die die Bauanleitung für ein Eiweiß sind. Die Funktion dieser nicht codierenden DNA-Bereiche, die bei hoch entwickelten Organismen über 90% der DNA ausmachen, wird gerade erst erforscht. Bei den torties wird bevorzugt das X-Chromosom mit dem defekten O-Gen inaktiviert, was erst einmal sinnvoll erscheint.

Im "Spektrum der Wissenschaft" erschien erst vor kurzem etwas dazu. Ich weiß nicht, ob man das ohne Abo lesen kann.

Warum bei Katzen mit Weißscheckung die Farben in größeren Flecken verteilt werden, ist meines Wissens noch nicht bekannt.
 
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saurier

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[...] Warum bei Katzen mit Weißscheckung die Farben in größeren Flecken verteilt werden, ist meines Wissens noch nicht bekannt.
Nach meinen Infos ist das so, das bei Katzen mit weiß die "Abschaltung" (jetzt werde ich bestimmt wieder für das unwissenschaftliche Erklären gerügt :wink:) bei den Barrkörperchen schon viel früher (noch im 'Zellklumpen') stattfindet. Daher auch die klumpenartiken Farbflecken. Bei Katzen ohnr Weißanteil wird erst in Stadium des Emryoseins umgewandelt/abgeschaltet, daher die andere Farbverteilung.
 
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sisasu

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Nach meinen Infos ist das so, das bei Katzen mit weiß die "Abschaltung" (jetzt werde ich bestimmt wieder für das unwissenschaftliche Erklären gerügt :wink:) bei den Barrkörperchen schon viel früher (noch im 'Zellklumpen') stattfindet. Daher auch die klumpenartiken Farbflecken. Bei Katzen ohnr Weißanteil wird erst in Stadium des Emryoseins umgewandelt/abgeschaltet, daher die andere Farbverteilung.
Also die Wissenschaftler um M. Menotti-Raymond, die 2009 eine Studie zum Orange-Locus rausbrachten*, erklärte das so, dass bei einer weiß gescheckten Katze die Zahl der Melanoblasten reduziert ist (Scheckungsweiß führt ja dazu, dass diese weniger gut überlebensfähig sind) und dadurch die übrig gebliebenen Melanoblasten sich großflächiger verteilen können. Durch die X-Inaktivierung haben unterschiedliche Melanoblasten (bzw. schon die vorläufer der Melanoblasten) von vorne herein das eine oder andere X aktiviert vorliegen.
Da die X-Inaktivierung rein logisch betrachtet schon stattfinden muss, bevor Melanoblasten überhaupt differenziert werden, aber Scheckungsweiß erst nach der Differenzierung "greift", scheint mir diese Erklärung nun sehr einleuchtend. Da man noch nicht sonderlich viel über X-Inaktivierung und dem Scheckungsgen weiß, sind das aber ja alles eh nur Hypothesen.

Um zur eigentlichen Frage zu kommen: Es ist wohl tatsächlich so, dass der Schwarzanteil statistisch gesehen überwiegt. Das mag daran liegen, dass die Orange Genform eine Defektmutation ist, bei der ein bestimmtes Protein nicht hergestellt werden kann, weswegen wiederum kein Eumelanin gebildet werden kann. Dieser "Proteinmangel" kann zu einem gewissen Teil aber durch die die anderen Zellen ohne diesen Mangel ausgeglichen werden - das wäre nun nicht untypisch, aus dem selben Grund haben z.B. auch nicht alle weiße Katzen blaue Augen. Da man aber fast nichts über das Orange-Gen weiß und auch nur sehr wenig über die X-Inaktivierung, ist das auch nur eine Hypothese :)

* die heißt "A Domestic cat X Chromosome Linkage Map and the Sex-Linked orange Locus: Mapping of orange, Multiple Origins and Epistasis Over nonagouti" und ist per Google als PDF zu finden.
 
saurier

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Super, Danke für die doch etwas wissenschaftlichere Erklärung :lol:.
 
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Na deine Erklärung war nun aber auch nicht weniger wissenschaftlich :mrgreen:
 
Nonsequitur

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Vielen Dank euch beiden! :) Das mit dem teilweisen Defektausgleich klingt spannend und einleuchtend.
 
saurier

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Und es gibt sie doch... ich hatte noch nie einen in live gesehen und wollte es auch nicht glauben, dass es hier so ist, aber schaut selber ...










 
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luni2013

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Hmm...Hinterteilfetisch? :lol:
Nein...sehe ich richtig, dass dies ein Glückskater ist? Ist er dir einfach so über die Straße gelaufen? Das bringt bestimmt doppelt Glück.
 
Stulle

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Ist ja auch "viel" Glückstier dran zum Glück haben
 
saurier

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Allerdings, der Süße hat wohl aber schon viel mitgemacht in seinem Leben - erst als Spielzeug für das behinderte Kind angeschafft, dann weitergereicht und in letzen Jahr angeschossen...
 
Stulle

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Traurig, was in manchen Menschen vorgeht
 
Strexe

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Oh, der arme Kerl. :cry: Manche Menschen sind wirklich krank. :evil: Und ich habe im anderen Forum noch über seine Figur "gelästert" und gemeint, dass er zu fett ist. Wahrscheinlich ist Fressen das noch einzig Schöne in seinem Leben.
 
daisseja

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Hi ihr, also so ganz hab ich das Genetikzeugs nicht gerafft, war aber eine interessante Überlegung, die da angestellt wurde. Und dass es sogar Glückskater gibt, ist mir neu! Nun mal eine Frage an euch "Profis" - welche Farbzeichnung hat meine Giulia eigentlich? Wir rätseln immer noch...
 
Borealis

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Für mich sieht sie chocolate tortie white aus. Also eine schokofarbene Glückskatze. Sollte der Braunton auf den Fotos täuschen und das Fell wäre an den dunklen Stellen schwarz, dann wäre sie eine black tortie white.
 
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