Kannibalismus bei Katzenmamas

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Shaheena

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Gestern habe ich eine ziemlich schreckliche Nachricht einer Freundin bekommen.

Sie betreibt sehr aktiv TNR (Trap-Neuter-Return), d.h. sie fängt verwilderte Katzen, die in Kolonien leben, lässt sie kastrieren und impfen, und dann werden sie wieder in ihrem Revier ausgesetzt (die dann zu betreuten Kolonien werden mit Futterstelle und wärmeisolierten Unterschlupfen). - Zahme Katzen, die dabei aufgegriffen wurden und offenbar ausgesetzt wurden, werden in Pflegestellen übernommen und dann vermittelt.

Im Frühling sind natürlich immer wieder mal trächtige Katzen dabei. Eine dieser Katzen war leider bereits im Endstadium und für eine Abtreibung war es zu spät. Meine Freundin hat die Wildkatze also in einem Zwinger bei sich aufgenommen, damit sie in Ruhe werfen kann. Natürlich sollte sie noch 12 Wochen lang ihre Babies aufziehen, bevor Mutterkatze
dann kastriert zurück in die Kolonie ausgesetzt wird. Und die Kitten werden zur Adoption gegeben.

Vor ein paar Tagen hat die Katze ihre Jungen bekommen, vier, und erstmal niemanden herangelassen. Sie ist eine Wildkatze, da kann man nicht so einfach ins Körbchen greifen.

Dann kam der schreckliche Fund. Meine Freundin fand morgens von einem Kitten nur noch Überreste. Die Mutter muss es gefressen haben. Meine Freundin hat eine Überwachungskamera angebracht; auf dem Videomaterial kann man leider nicht sehen, ob das Kitten gestorben ist, und dann gefressen wurde, oder ob die Mutter es getötet hat. Die drei anderen waren am Leben.

Erstmals liess die Mutterkatze meine Freundin an die Kitten heran. Sie hat sie herausgenommen, und musste feststellen, dass bei einem zweiten Kitten ein Hinterlauf zur Hälfte abgefressen war. Seltsamerweise war der Stumpf dann mit dem Nabel seines Bruders zusammengeklebt.

Der Tierarzt hat die Kitten versorgt, Nabel und Stumpf getrennt, das Beinchen behandelt und dann gings zurück nach Hause. Mutterkatze grummelte jedoch so böse und fauchte die Kätzchen an, dass klar war, sie müssen nun mit der Flasche aufgezogen werden.

Dem nicht genug. Kätzchen Nummer 3 erlitt den plötzlichen Kittentod (fading kitten syndrome.) Meine Freundin ist emotional ziemlich mitgenommen. Es ist nicht das erste Mal, dass sie mit der Flasche aufzieht, sie ist bestens ausgestattet und hat versucht, das Kätzchen aus seinem Dahinsiechen zurückzuholen. Hat leider nicht geklappt. Es ging sehr schnell.

Nun sind nur noch die zwei Brüder am Leben, deren Bein und Nabel aneinander geklebt waren. Sie ist natürlich sofort wieder zum TA. Denn der Nabel hat nun auch noch einen Abcess entwickelt.

Wir bangen nun um die beiden Brüder. Und es ist immer noch ein Rätsel, wie eine Mutterkatze die eigenen Kitten anfressen kann. Entweder sie haben alle etwas, was sich noch nicht testen lässt, und sterben weg und Mutterkatze macht nur, was die Natur dann vorsieht. Oder Mutterkatze ist mit der Situation (Gefangenschaft) doch zu sehr gestresst, obwohl sie eigentlich immer sehr entspannt aussieht. (Sie wurde von Anfang an nur per Videokamera beobachtet und in Ruhe gelassen. Kontakt gibt es nur zur Fütterung und wenn die Box gesäubert werden muss, und dabei hat sie weitere Rückzugsmöglichkeiten innerhalb ihres Zwingers.)

Habt Ihr so etwas schon einmal erlebt? Katzenmütter, die ihre Jungen anfressen?
 
24.03.2013
#1
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russian

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Und es ist immer noch ein Rätsel, wie eine Mutterkatze die eigenen Kitten anfressen kann. Entweder sie haben alle etwas, was sich noch nicht testen lässt, und sterben weg und Mutterkatze macht nur, was die Natur dann vorsieht. Oder Mutterkatze ist mit der Situation (Gefangenschaft) doch zu sehr gestresst, obwohl sie eigentlich immer sehr entspannt aussieht. (Sie wurde von Anfang an nur per Videokamera beobachtet und in Ruhe gelassen. Kontakt gibt es nur zur Fütterung und wenn die Box gesäubert werden muss, und dabei hat sie weitere Rückzugsmöglichkeiten innerhalb ihres Zwingers.)

Habt Ihr so etwas schon einmal erlebt? Katzenmütter, die ihre Jungen anfressen?
Du nennst die möglichen Gründe bereits selbst, entweder starb ein Kitten und die Mutter konnte es nicht weit genug von den anderen forttragen, oder der Stress für sie ist in Gefangenschaft so hoch, dass sie ihre Kitten in höchster Gefahr sieht.
Bei verwilderten Müttern ist es oft nicht einfach sie ihre Kitten untermenschlicher Obhut aufziehen zu lassen, besonders dann nicht wenn das Vertrauensverhältnis zum Menschen fehlt.
Und natürlich weiss niemand genau um das Erbgut und die Gesundheit dieser Mütter, auch das ein Risiko für den Nachwuchs.

Ich hoffe die beiden Brüder schaffen es und entwickeln sich gut
 
Sunny083

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och gottchen die sind ja zuckersüüüüüss, der arme kleine ohne fuss :cry: was passiert denn mit ihnen wenn sie durchkommen?? hier sind alle daumen und pfötchen gedrückt für die süssen knirpse und ich finde es ganz toll was du da machst!!!!
 
S

Shaheena

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Hi Sunny, eine Freundin von mir, Mara, zieht die Kätzchen mit der Flasche auf. Ich werde Deine netten Worte an sie weiterleiten. :)
Ich selbst habe mir Flaschenbabies noch nie zugetraut. Waisen, die ich aufnehme, sind nicht jünger als 5 Wochen, also wenn sie schon weitgehend allein essen und aufs Klo gehen können, und nur ein bisschen zusätzlich gepäppelt werden müssen.

Wenn die beiden alt genug sind, stehen sie zur Adoption. Sobald sie stabil sind, eigenständig fressen und getestet werden können (und gesund sind), wird Mara versuchen, sie erstmal zu anderen Pflegekitten in eine Spielgruppe zu geben - damit sie auch von Katzen erzogen werden und nicht nur Menschen gewohnt sind - Bis dahin ist es noch ein langer, holpriger Weg für die Kleinen :-(
 
Orangejuice

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Ach Gott, die armen Kleinen... :-( Hier sind alle Daumen und Pfötchen gedrückt!
 
Westpark-Nic

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Dem nicht genug. Kätzchen Nummer 3 erlitt den plötzlichen Kittentod (fading kitten syndrome.)
Nicht dass das jetzt wirklich wichtig wäre, aber nur mal zur Korrektur:
Unter "fading Kitten Syndrom" bezeichnet man es, wenn es bei einem Kitten zur Hämolyse kommt, durch eine Blutgruppenunverträglich der Eltern, was aber bei Hauskatzen (wild lebenden Katzen) so gut wie nie vorkommt.

Es ist nicht das erste Mal, dass sie mit der Flasche aufzieht, sie ist bestens ausgestattet und hat versucht, das Kätzchen aus seinem Dahinsiechen zurückzuholen. Hat leider nicht geklappt. Es ging sehr schnell.
Das spricht insgesamt eher für einen Infekt (was jetzt auf Grund der Situation ja nicht mal ungewöhnlich wäre) - da ist auch mit der besten "Ausstattung" in der Regel nichts zu machen. Mit ganz viel Glück kann man so ein Kitten mit AB und Cortison Behandlung retten (ist aber auch nicht ganz unumstritten). Aber meistens hat man bei so etwas keine Chance.

Ich drück den beiden Brüdern die Daumen - denn sie sind noch lange nicht über den Berg.

Grüße,
Nic
 
WeirdStray

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Awww, die sind so niedlich!

Die sehen gut aus, die kleinen Kerle, sehr schön, wie sie sich entwickelt haben. Was gibts denn neues, wie gehts der Mama, kann der Unglücksknopf operiert werden?
 
S

Shaheena

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Hallo Weird Stray,

Der Mamakatze geht's auch gut. Sie wurde letzten Samstag kastriert und darf den Frühling schon sehr bald zurück in ihrer Kolonie genießen. Auf dem Foto ist sie noch ein bisschen bedröppelt von der Betäubung.

Das Beinchen wird erst abgenommen, wenn der Kleine kräftiger ist. Blöd ist, dass er sich beim rumkrauchen auch auf den Stumpf abstützt und die Stelle reizt. Der TA sieht sie regelmässig, findet eine OP aber noch zu riskant.
 

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WeirdStray

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Goooooth, hat das Mädchen schöne Augen <3

Das mit dem Stumpf ist ja blöd :/ gibt es nicht die Möglichkeit, den irgendwie zu verbinden, ein Söckchen oder einen elastischen Gazeschlauch drüberzuziehen? Jetzt ist der Zwerg schon so weit gekommen, wär so mies, wenn er sich eine Entzündung holt oder Schmerzen haben muss :x

Übrigens habe ich am Wochenende eine zweibeinige(!) Ratte kennengelernt, die zutraulich wie ein Hund und flink wie eine vierbeinige Artgenossin war. Es ist immer wieder faszinierend, wie wunderbar Tiere mit Handicaps zurechtkommen.
 
Kasi 17.5

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hallo,
also wie ich der mama so in die augen schaue, kommt mir der gedanke: was müssen manche armen "mäuse" doch ertragen. da geht es den wohnungskatzen doch gut, obwohl die ja wieder dafür ihre freiheit draussen nicht geniessen können. ja was ist besser ?
 
S

Shaheena

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Ein Söckchen ist eine prima Idee, ich werd'e meiner Freundin vorschlagen. Danke!

Ja, Kasi, das mit der Freiheit ist so ne Sache. Wenn ich so sehe wie Stadt-Streuner sich durchkämpfen müssen, im Müll nach Fressbarem suchen, oder trinkbares Wasser, bei Schnee oder Regen keinen wetterfesten Unterschlupf finden, sich Frostbeulen holen, erkranken, von Parasiten geplagt werden, Revierkämpfe und Paarungskämpfe austragen, und von den lieben Mitmenschen häufig auch eher verscheucht werden, haben es Wohnungskatzen wohl besser, idealerweise, mit schönem Freigang. Es sei denn, die Wilden haben das Glück und leben in einer gut gepflegten Kolonie. Allein sie zu kastrieren nimmt ihrem Leben viel Stress und macht sie gesünder (weniger Kämpfe, kein Paarungsstress, weniger Verletzungen, weniger Risiko sich anzustecken). Wenn sie dann auch noch eine Futterstelle haben und wetterfeste Verschläge, können sie sicherlich draußen ein gutes Leben führen.

Ich kann nur dafür werben, in dem Bereich aktiv zu werden, und sich umzusehen, wie es eigentlich den Gemeinschaftskatzen in der Gegend so geht. Es sind häufig ganz tolle Charaktere darunter. Ich freue mich immer, wenn ich ihnen zufällig auf der Straße wieder über den Weg laufe.
 
Kasi 17.5

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hallo shaheena,
vielen dank für deine antwort. in unserer wohnanlage sind viele freigänger unterwegs, aber das sind keine wilden, die haben alle ein zuhause (zum glück). die erdgeschoß-wohnungen habe hier alle einen kleinen garten, dafür bin ich auch angemeldet. die sind natürlich sehr beliebt u. es dauert.
sollte ich dann irgendwann mal glück haben, würde ich jedoch nur abgesicherten freigang geben, ansonsten käme ich nicht in den schlaf.
bei einer bekannten von mir, die zwei kater(wurfgeschwister) hatte, jetzt ca. 4 jahre alt, ist eines der kleinen vor 3 wochen in der dortigen wohnanlage mit kleinem see jämmerlich ertrunken, da er auf das da schon brüchige eis lief. obwohl die feuerwehr gerufen wurde, kam jede hilfe zu spät. die leute knabbern natürlich hart daran, aber wie es dem verbliebenen kleinen geht stelle ich mir ganz schrecklich vor. man darf dort keinen darauf ansprechen, darum weiss ich es auch nicht genau. aber ganz furchtbare vorstellung.
lg
 
S

Shaheena

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Ach gott, wie schrecklich! Das tut mir ja leid. Ich wohne auch im 2. OG und meine können nur auf eine (gesicherte) Terrasse. Spaß haben sie hier auch (Kater buddelt gerade im Blumenkübel grrrr :)
 
Kasi 17.5

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jetzt habe ich leider nur einen abgesicherten balkon, aber er ist ziemlich groß (man soll ja nicht immer meckern). als kasi noch klein war, ist er jedoch auch über das netz ausgebüchst, durfte ich dann mitten in der nacht aufschneiden u. kater vom nachbarbalkon holen. er sitzt im sommer auch gerne im blumenkasten. sehr zum leidwesen der mieter unter mir. da fallen ja manchmal einige krümel blumenerde runter. wurde ich dann schon im hausflur darauf angesprochen (man ist ja pingelig). darum sehne ich besonders die garten-wohnung herbei. fällt mir oft sehr schwer mich in geduld zu üben.
 
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Shaheena

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Drücke Dir die Daumen, dass bald eine EG Wohnung frei wird :p
 
Kasi 17.5

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danke, daumen u. pfoten-drücken hilft ja manchmal.
aber das sind ja harmlose sachen, gegen das was ich manchmal hier so lese, das soviele tiere schlimmen qualen ausgesetzt sind, bekomme ich erst mit, seit ich hier im forum bin. ganz schreckliche sachen u. die tiere sind dem so hilflos ausgesetzt.
 
S

Shaheena

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Gute Nachrichten! Die zwei kleinen Racker haben es gepackt!

Zwischenzeitlich gab es noch Aufregung, weil Verdacht auf Lungenentzündung bestand. Der kleine Kämpfer hat zum Erstaunen des TA auch diese Hürde gemeistert! Heute hat er seine erste Impfung bekommen,
Mittlerweile darf eine "Katzen-Tante" zur felinen Erziehung beitragen. Und der Dreibeiner hat schon ein Zuhause in Aussicht.
 

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Orangejuice

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Wow, die sehen ja super aus! :mrgreen: Toll, dass die Geschichte doch noch so schön ausgegangen ist.
 

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