Hallo,
habe selbst 5 Kater und mußte auch vieles lernen, da ich als Mensch anders denke und empfinde.
Auch ich habe gemeint, dazwischen gehen zu müssen. Das ist mit Abstand einer der größten Fehler, die man machen kann:
Einmischen bedeutet für die Kater, ich helfe zum anderen. Dann gibt's erst recht Mische! Und der Konflikt wird erheblich verlängert und dadurch festige ich die Feindschaft.
Was ich darf, ist, mich neutral und indirekt einmischen. Das würde ich allerdings nur und ausschließlich dann tun. wenn einer anhaltend schreit. A weng großspuriges Getue gehört dazu - "Klappern gehört zum Handwerk".
Wenn ich mich überhaupt in einen Konflikt meine einmischen zu müssen, dann lasse ich etwa im Nebenzimmer das dicke Telefonbuch auf den Boden knallen. Nach Möglichkeit mache ich das versteckt und wenn die Kater dann verschreckt nachsehen und mich angucken, nehme ich keinerlei Notiz von ihnen und mache auf "beschäftigt mit was ganz anderem". Somit verbinden sie das nicht mit mir und keiner kann die Idee haben, daß ich zu irgendwem helfen würde.
Ich habe meine Kater wirkliche tausende Male Prügeln sehen und wundere mich zeitweise heute noch, daß nix passiert ist. Man muß hingucken, wo die sich gegenseitig ran gehen: In aller Regel beißen und Kratzen sie sich an gut mit Fell bewachsenen Stellen, etwa der Hals. Bei uns Menschen ist der Hals sehr empfindlich und hat Punkte, an denen Verletzungen sogar tödlich enden können. Uns fehlt aber auch die nicht zu unterschätzende Puffer- und Knautschzone namens Fell. Es gilt hier, sich von dem Gedanken zu befreien, bei den Katzen sei das auch so. Hier findet eine unbewußte Projektion der eigenen Angst davor, am Hals verletzt zu werden, statt. Die haben ein dickes Fell da. Dieses Übertragungsgeschehen läßt sich auch auf andere Körperregionen anwenden.
Nun, sei es drum... Wenn Kater sich wirklich verletzen wollen, beißen sie gezielt an bestimmten Stellen zu und es wird Blut fließen. In der Regel geht solchen Kämpfen jedoch ein langes Ritual des gegenseitigen "Ansingens" und Drohstarrens voraus.
Normal ist es, daß kleine Kratzer auf der Nase sind und hin und wieder mal ein Auge tränt. Das scheint zum Sein eines echten Katzenmannes dazu zu gehören und es wird mit Würde getragen. Zum Einen kann man zeigen, daß man ein richtiger Kater ist, der was aushält und das besorgte Nachsehen und Streicheln von uns Dosis wird natürlich auch gerne in Empfang genommen. Zuviel Sorgen kann bei geneigten Katzen sogar zu einer Instrumentalisierung führen.
Ergo: Bleib cool und schärfe Deine Wahrnehmung. Guck dir an, wo sie sich "hinbeißen" und prüfe mal eine Stunde danach, ob an dieser Stelle wirklich was schlimmes passiert ist. Du wirst nach einiger Zeit keine Lust mehr haben zum Nachsehen, weil nix da ist. Auch wirst Du wahrscheinlich erkennen, daß die Kämpfe nach Regeln funktionieren, die Katzen normalerweise beherrschen. Das sind immer wiederkehrende Abläufe im Kampfgeschehen. Wird mit der Zeit langeweilig ;-)
Ich mußte es auch mit einem gewissen Widerwillen lernen, daß Katzen einfach anders ticken und ich mußte vor allem Lernen, meine eigenen Ängste, Befürchtungen, etc. nicht auf die Katzen zu projizieren.
Als Dankeschön habe ich eine sehr ausgeglichene Katergruppe, die sich in der einen Minute prügelt, naja, und in der anderen halt sowas da:
Ein Katerhaufen nach ner durchzechten Kneipennacht mit allem, was für sie dazu gehört...
In diesem Sinne: Bleibt cool, denn das überträgt sich auf unsere sehr emotionsempfindlichen Fellnasen wesentlich besser als wenn wir Menschen auch in Aufregung sind. Auch das überträgt sich.
Liebe Grüße
Achim