Vor 12 Jahren sind 2 Katzenfindelkinder aus dem Tierheim bei uns eingezogen, ein schwarzes Hexchen und ein roter Garfield. Der Kater war zwar irgendwann fast doppelt so schwer wie die Kleine, aber nur halb so robust. Wenn ein Tierarzt-Besuch anstand, saß grundsätzlich er in der Kiste.
Vor 4 Wochen sah ich, dass er sich an den Vorderbeinen das Fell ausgerissen hatte und auch sonst recht struppig aussah. Also ab zum Tierarzt, der tippte auf Milben, verpasste Garfield eine Halskrause und Antibiotika. Zeitgleich wurde eine verminderte Herzleistung festgestellt und eine Blutanalyse wurde gemacht. Die brachte dann noch ans Licht, dass die Nieren nur noch zu 40 % arbeiteten, also musste er auf Nierendiät umgestellt werden.
Er hat das neue Futter gern gemocht, fraß aber trotzdem sehr seltsam. Um seinen Futterplatz herum sah es immer aus, als hätte jemand mit der Hand in den Napf gehauen. Dabei hat er geschmatzt und furchtbar gesabbert und sein Brustfell war unglaublich schmutzig durch das Nassfutter. Ich habe ihm ständig Schnauze und Fell mit warmem Wasser gewaschen, erstaunlicherweise hatte er das total gerne.
Getrunken hat er Zeit seines Lebens nur fließendes Wasser aus dem Badewannenhahn. Als ich ihn letztes Wochenende dabei beobachtete, sah ich, dass er es nicht wie sonst mit der Zunge schlabberte, sondern das Köpfchen so komisch drehte, dass ihm die Tropfen in den Mund flossen.
Für Dienstag morgen hatten wir dann einen Tierarzt-Termin, mein Mann ist alleine gefahren und kam eine Stunde später tränenüberströmt zurück, guckte auf den Transportkorb und schüttelte nur mit dem Kopf. Ich hab gedacht, die Welt bleibt stehen.
Der arme Kerl hatte einen Tumor unter der Zunge, weshalb er diese garnicht mehr nutzen konnte, weder zum fressen und trinken noch zum putzen. Von einer OP hat der Tierarzt abgeraten, nach seiner Erfahrung streut diese Tumorart rasend schnell und vollständig entfernen wäre nahezu unmöglich. In den letzten 2 Wochen ging es ihm, bedingt durch das Antibiotikum, noch relativ gut und er schien keine Schmerzen zu haben. Der Tierarzt wollte ihn direkt erlösen, aber das hat mein Mann abgelehnt, er wusste, dass er mir das nicht antun konnte.
So habe ich mir den Tag freigenommen, meinen Dicken noch mal ausgiebig beschmust und verwöhnt, konnte dabei aber schon merken, dass er unruhig atmet und immer schwächer wurde. Nachmittags um 16.30 h habe ich dann endgültig Abschied nehmen müssen, ich bin bei ihm geblieben, bis er eingeschlafen ist.
Er fehlt mir so sehr, die Wohnung ist so ruhig ohne meinen Dicken. Ich hab immer Stalker zu ihm gesagt, weil er mir auf Schritt und Tritt nachgelaufen ist. Wehe, es war mal eine Tür zu, dann hat er gejammert wie ein kleines Kind. Wenn ich nach hause kam, saß er im Flur und wartete auf mich. Wenn ich auf der Couch saß, kam er zum schmusen, war ich in der Küche, ist er mir um die Füße gestrichen - es könnte ja mal was Leckeres runter fallen. Und jetzt...Stille.
Sicher, wir haben noch unser Hexchen und dafür bin ich sehr dankbar, aber sie ist ein ganz anderer Charakter, längst nicht so menschenbezogen. Sie kommt mal kurz, holt sich ihre Streicheleinheiten und verschwindet dann wieder auf leisen Pfoten. Die ersten zwei Tage nach Garfields Tod hat sie fast komplett im Schrank verbracht, auf dem Platz, auf dem er zum Schluss fast immer gelegen hat. Heute liegt sie zum erstem Mal wieder im Wohnzimmer am Fenster. Die beiden haben sich nie sehr nahegestanden, es war mehr Zweckgemeinschaft als Liebe - ob er ihr fehlt? Ich weiß es nicht.
Ruhe in Frieden, mein kleiner Schatz. Ich vermisse dich so sehr.