• Wenn dein Tier krank ist oder erscheint, suche bitte immer erst den Tierarzt auf, bevor du hier Rat und Hilfe suchst. Wir alle hier sind Laien, können und dürfen keinen Tierarzt ersetzen oder gar Ferndiagnosen stellen, das wäre unverantwortlich. Erst wenn du die Diagnose eines Tierarztes hast, kannst du hier nach Erfahrungen oder Tipps fragen, die du eventuell für deinen Tierarzt mitnehmen kannst. Bei der Suche nach einem Tierarzt, vor allem Notärzten in der Nacht oder am Wochenende, könnten wir aber behilflich sein.

Lange lange Geschichte - Zahnfleischentzündung

B

Bine3002

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Wollte hier mal wieder von meinem Kater Charly berichten.

Wir holten Charly vor 2 Jahren aus dem Tierheim, da war er fast 7 Jahre alt. Er war dünn und abgemagert, man sagte uns, das sei bei Persern normal. Es stellte sich aber heraus, dass er eine Zahnfleischentzündung hat, die man dort nicht bemerkt hatte. Anfangs wurde er mit Penicillin behandelt, dann mit Antibiotika, als das nichts half mit Kortison. Es stellten sich daraufhin immer kurzfristige Besserungen ein (zwischen 2 und 4 Monaten), die Entzündung verschwand aber nie ganz zumindest wurde er aber kräftiger und war bald von 3,5 kg auf 4,5 kg.

Charly zeigte uns immer sehr deutlich, wenn es ihm schlechter ging. Dann kam er nachts mehrfach an und wollte schmusen. Er verweigerte das Futter und am Quälendsten für uns war, wenn er gemütlich am Schlafen war, plötzlich aufsprang, den Kopf schüttelte, dabei herzergeifend schrie und dann vor sich selbst weg lief. Sein Fell war dann struppig und schuppig.

Den Sommer über ging es ihm gutund zum herbst hin, wurde es wieder schlechter. Ende letzten Jahres war es nach einem Umzug wieder sehr schlimm. Von diesem Zeitpunkt an bekamen wir die Entzündung bis heute nicht richtig in den Griff.

Ich ging zum Tierarzt und Charly bekam mal wieder Antibiotika. Zu dem Zeitpunkt war ich meinem Tierarzt gegenüber
schon mißtrauisch und informierte mich in Foren, was man noch tun könnte. Der Tierarzt riet mir zu einer Zahnsteinentfernung innerhalb des nächsten viertel Jahres. Gesagt, getan, man versprach mir eine deutliche Besserung. Die stellte sich ein, hielt allerdings nur 3 Tage an. Es gab wieder Antibiotika und ich suchte nach einem Fachtierarzt für Zahnheilkunde und machte einen Termin.

Diesen Termin verlegte ich dann aber vor, weil Charly heftigst Durchfall und Erbrechen bekam und innerhalb weniger Tage 500 g abnahm, ich dachte, er stirbt. Er wurde untersucht und gründlich durchgecheckt. Blutwerte, Röntgenbild, FIP, FIV - alles in Ordnung. Es zeigte sich aber, dass der vorherige Tierarzt gründlich gefuscht hatte. Die Antibiotika, die er bekam, waren völlig ungeeignet. Ein Zahn steckte abgebrochen im Kiefer und hätte entfernt werden müssen, ein Blutbild wurde nie gemacht, Kortison sei total "out of date" und bei der Zahnbehandlung hatte man ihm das entzündete Zahnfleisch einfach abgeschnitten, sodass die Zahnhälse frei lagen. Ich war einigermaßen fertig nach dieser Diagnose und heulte die ganze Rückfahrt über (60 km).

Charly mußte eine Woche später eine weitere Zahnbehandlung über sich ergehen lassen, keine 8 Wochen nach der ersten. Der Zahn wurde gezogen und die Zähne insgesamt nochmal poliert und fluoriert. Der Kiefer wurde geröngt. Er hat zwar FORL, die Ursache für die Etzündung sind aber wahrscheinlich Calici-Viren. Man könnte einen Abstrich machen, das würde aber nichts bringen, weil man die Viren eh nicht bekämpfen könnte. Die Reißzähne müssen irgendwann mal raus, allerdings sollten sie so lange wie möglich drin bleiben, weil Charly fast ausschließlich ToFu frisst und mit der kurzen Schnauze eh schon schlecht fressen kann.

Charly bekam dann täglich Denticour Guard und Aloclair Gel aufs Zahnfleisch geschmiert, für Notfälle bekam ich Metacam mit, ein Schmerzmittel. Leider entzündete sich die Wunde und ich mußte ihm wieder Antibiotika geben und das Denticour absetzen, wil das enthaltene Chlorhexidin das Zahnfleisch reizen könnte.

Die Antibiotika führten wieder zu Durchfall und Erbrechen und ich mußte lernen, sie zu injizieren, weil die Entzündung mittlerweile den Kiefer angegriffen hatte. Ich ließ mir das Injizieren bei einem anderen Tierarzt zeigen, weil meiner ja soweit weg war. Dort mußte ich mir blöde Sprüche anhören: "Na, sind wir jetzt unter die Hobbytierärzte gegangen?". Egal, es wurde besser.

Einige Tage nach Absetzen der Antibiotika ging es ihm wieder schlecht. Ich probierte das Notfallmittel Metacam, was auch half. Ich sollte es allerdings erstmal nur 6 Tage geben, danach ging es wieder los. Charlys Gewicht ging in dieser Zeit auf und ab und mir ging das Ganze ganz schön an die Nieren.

Vom Tierarzt bekam ich dann homoöpathische Mittel, die ich ihm 14 Tage lang geben sollte. Da sich keinerlei Besserung (eher das Gegenteil) einstellte, griff ich wieder auf Metacam zurück, gab die homoöpathischen Mittel aber weiter. Am 10. Tag wieder Durchfall und Erbrechen und ich setzte alles ab. Am nächsten Tag ging es ihm gut. Das war letzte Woche.

Am Dienstag war ich dann nochmal beim Tierarzt zur Kontrolle. Das Zahnfleisch hatte sich schön zurück gebildet und wir entschlossen und spontan, ihm felines Omega-Interferon in die entzündeten Stellen zu injizieren. Beim letzten Mal war das "mangels Substanz" nicht möglich gewesen. Nach 3 und 6 Tagen spritze ich ihm dann nochmals Interferon subcutan. Außerdem bekommt er zur Entgiftung und zur Nährstoffzufuhr Mikronährstoffe und bis auf weiteres Metacam gegen die Schmerzen. ich versuche es erstmal nur alle 3 Tage zu geben und werde den Intervall dann langsam verlängern.

Heute geht es ihm sehr gut. Er ist aktiv, hat gläzendes Fell, er frisst (!!!) und scheint ganz glücklich zu sein.

Das Interferon ist die letzte Chance. Die Zähne können wir ihm nicht ziehen lassen, da er 1. eine Heilungsstörung hat, 2. die Prognose nur bei 50/50 liegt, 3. wir nicht wissen, was er dann fressen soll. Ich versuche schon länger, die Ernährung umzustellen, aber er mag nur Whiskas TroFu und das kann er zumindest in der ersten Zeit dann nicht mehr fressen. Ich befürchte, dass er mir verhungert.

Na ja, hoffen wir das Beste....
 
02.06.2005
#1
A

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Xayide

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Wow, was für eine Geschichte, der arme Charly :(

Der erste Tierarzt war ja wohl mehr als inkompetent, furchtbar.
Zahnfleisch wegschneiden weil entzündet, mann, wie kann man sowas bloß machen???

Viel dazu sagen kann ich leider nicht, nur :
Dem Kater meiner Mutter mussten wegen Karies alle REißzähne gezogen werden, er frisst aer ganz normal Trockenfutter und Nassfutter.
Sieht nur seltsam aus, wenn er gähnt.
Zu verdankenm hat er das einer lebenlangen Ernährung mit Whiskas und Gourmet, das ja bekannterweise viel Zucker und Caramel enthält.

Ich drück euch ganz fest die Daumen, das ihr CHarlys Probleme in den Griff bekommt.
Ich finds toll, wie ihr euch drum kümmert, die meisten hätten ihn einfach is Tierheim zurückgebracht!
 
B

Bine3002

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Ja, das Schlimme ist auch, dass das Tierheim solche Tiere einfach abgibt ohne etwas zu sagen. Wäre der Kater woanders gelandet, wäre er schon tot oder sie hätten ihn eben zurück gebracht. Das Tierheim schwört aber auf Homoöpathie und damit allein ist ihm nicht geholfen.

Na ja, zum ersten Tierarzt kann man eigentlich nur sagen, dass er so gehandelt hat, wie viele Tierärzte. Entzündetes Zahnfleisch wegschneiden wird sehr häufig gemacht, um den Heilungsprozess anzuregen (wenn etwas blutet, dann heilt es). Das sagte mir mein jetziger Tierarzt. In Einzelfällen kann das auch helfen, aber dazu bedarf es einer genauen Diagnose.

Was das Zähne ziehen angeht. Was Du sagst, trifft zu, wenn das Zahnfleisch gesund ist. Die meisten Katzen gewöhnen sich an ein Leben ohne Zähne und das Zahnfleisch härtet so aus, dass sie ohne Probleme TroFu fressen können. Bei Charly kann es aber passieren, dass 1. die Wunde gar nicht oder sehr sehr langsam verheilt und 2. die Entzündung weiter da ist. In diesem Fall kaut er dann direkt auf den schmerzenden Stellen ohne die (in diesem Fall) schützenden Zähne darüber. Die Folge: Er würde nicht mehr fressen. Ein weiterer Aspekt ist, dass ich ihn nach der Op eine Woche da lassen müßte. Das wäre für ihn sehr schlimm nach seiner Tierheimerfahrung. Er braucht mich, wenn es ihm schlecht geht. Na ja, diese ganzen punkte haben uns jedenfalls dazu bewogen, die Zähne vorerst drin zu lassen, so lange bis sie von allein abbrechen.
 
S

Surnia

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Meiner Katze wurden in den ersten 5 Lebensjahren insgesamt 17 Zähne, darunter auch ein Reißzahn, gezogen. Sie hatte jahrelang, schon als ganz kleines Kätzchen mit Milchgebiss, sehr aggressive Karies, immer wieder mit Antibiotika behandelt. Eigentliche Ursache des Übels ebenfalls Viren.

Ich kann nur sagen, irgendwann war der Spuk vorbei. Eines der vielen Antibiotika hat es schließlich geschafft, die Kariesbakterien zu vernichten, das Immunsystem hat sich stabilisiert und außer ab und zu Zahnstein (den man auch durch eine entsprechende Ernährung in Griff bekommen kann), hat sich ihr Maul „normalisiert“. Seit dem hat sie aber den Spitznamen „Zahnlose Minka“.

Es war hart, das arme Tier hat jahrelang gelitten. Schmerzen an den Zähnen, ständig Erbrechen, weil die Nahrung nicht richtig gekaut wurde oder aber die Antibiotika eine Magenschleimhautreizung verursacht haben. Wirklich schlimm. Ich kann deine Sorgen sehr gut nachvollziehen und hoffe inständig, dass sich dein Katerchen bald besser fühlen wird.

Ich finde es übrigens einen Skandal, dass der TA den abgebrochenen Zahn nicht erkannt hat. Jeder zusätzliche Schmerzherd im Maul geht auch auf’s Immunsystem und sorgt dafür, dass die Heilung länger dauert. Zur Zahnfleisch“rasur“ sage ich mal lieber gar nichts.

Ich wünsche dir und deinem Kater viel Glück, dass es irgendwann mal besser wird. Sieht im Moment ja ganz danach aus.
 

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