Die ganze Situation ist so unwirklich und ich hadere so sehr mit den Umständen. Ich habe schlechte Déjà-vus. Wieder stirbt mir eine Katze beim Tierarzt, und ich bin nicht da.
Das Drama begann Dienstag abend. Eben war noch alles in Ordnung, im nächsten Moment fällt mir auf, daß Ella doch gerade erst auf dem Klo war und nun schon wieder läuft. Ich war dabei, meine Tasche fürs Krankenhaus zu packen. Mittwoch morgen mußte ich um 6.30 h dort sein. Ich bekam Panik. Dann war plötzlich stundenlang Ruhe, aber in der Nacht ging ihre Lauferei wieder los.
Morgens, während ich noch die letzten Handgriffe machte, wieder dasselbe. Dann saß sie für einen Moment ganz ruhig auf dem Bett neben meinem Koffer und blinzelte mich an. Ich setzte mich zu ihr und habe sie noch mal kurz gestreichelt und gekrault. Daß es das letzte Mal sein würde, wußte ich nicht. Dann bin ich zur Tür raus.
Mein Vater fuhr mich ins Krankenhaus, danach wieder zu mir, Ella eingepackt und zum Tierarzt. Sie blieb dann dort, weil ich ihm nicht zumuten konnte, täglich eine kranke Katze einzufangen und zum Tierarzt zu fahren. 3 Tage war alles gut. Ich erholte mich von der OP und war erleichtert, daß zuhause soweit alles lief. Samstag morgen kam der Anruf meiner Mutter: die TÄ hatte angerufen, Ellas Zustand hatte sich dramatisch verschlechtert. Was tun?
Ich lag relativ frisch operiert im Krankenhaus, konnte nichts tun und bin bald durch die Decke gegangen. Ich habe dann über meine Mutter mit der TÄ kommuniziert. Die wollte noch mal ein Röntgenbild machen und dann empfehlen, wie es weitergehen kann. Noch während Ella in Narkose lag, rief sie an und sagte, daß es nicht gut aussieht, Ellas Blase massiv geschädigt sei, nicht mehr operiert werden könne und die einzige Option wohl ein künstlicher Blasenausgang wäre, der in Hamburg in einer Spezialklinik gelegt werden könnte. Never ever!
So habe ich letztendlich entschieden, Ella nicht mehr aufwachen zu lassen. Die TÄ hat das sofort befürwortet. Ella ging Samstag mittag gegen 12.30 Uhr.
Seit Sonntag bin ich nun wieder zuhause. Körperlich soweit im Plan, seelisch völlig am Ende. Jule und ich sind wieder allein. Ich kämpfe mit meiner OP-Wunde, muß mich schonen, darf nur halbe Kraft machen und mußte gestern, an meinem Geburtstag, meine Ella tot vom Tierarzt abholen und wieder eine Katze im Garten meiner Eltern begraben.
Ella, mein wunder-, wunderschönes Katzenmädchen, du fehlst! Es tut mir so unsagbar leid, daß ich nicht bei dir war. Daß es ausgerechnet jetzt passieren mußte. Daß dir nicht mehr Zeit blieb für Jule und mich. Daß du so früh gehen mußtest. Aber ich hoffe so sehr, daß es dir nun wieder gut geht. Und falls es stimmt, was man sich so erzählt und du ihn triffst: reib' dem Bolle mal den Nasenrücken von mir, ja? Ich hab' dich sehr lieb...