Einmisch: Das streicheln beim füttern empfinde ich auch als nicht gut - es kann dazu führen, daß die Mietz sich dann gar nicht mehr an Futter traut.
Leckerlies aus der Hand füttern ist ne gute Sache, abe auch oft trauen sich die Scheumäuse gar nicht erst bis zur Hand. Ich zähme ja so ziemlich alles in jedem Alter und habe dabei die Erfahrung gemacht, daß jede Mietz anders auf bestimmte Dinge reagiert - was bei der einen gut war ist bei der anderen genau kontraproduktiv - man braucht dafür ein gutes Gespür. Trotzdem gibt es ein Grundgerüst nach dem ich vorgehe:
1) Gesonderter Raum mit sogenannten Halberverstecken - das heißt Verstecke in denen die Miet sich versteckt fühlt, aber dennoch gezwungen ist alles mit zu kriegen. Das sind Kratzbaumhöhlen mit großen Öffnungen, Kartons in denen man ein großes Loch macht (ich kippe die Kartons gern seitwärts und nehme die Hälfte vom Deckel ab - so entsteht eine Höhle mit großer Öffnung) usw. Vollverstecke wären z.B. unterm Bett/Couch, in Schränken usw. Soche Verstecke führen bei einigen Mietzen dazu, daß sie nie vorkommen und sich die Angst verselbstständig. Durch das zwangsweise dem Leben und Geschehen ein Stückweit ausgesett sein lernen sie, das ihnen nichts passiert.
2) Die ersten Tage in Ruhe lassen, damit Mietz den Raum als "safe" kennenlernt. Wenn Katz den Raum in Abwesenheit erkundet hat, frißt und das Kaklo benutzt dann kanns losgehen.
3) Vorlesen + Leckerlies! Das ist eins der wichtigsten Dreh und Angelpunkte. Durch das lesen lernen die Mietzen die Stimme kennen, aber da man mit der Aufmerksamkeit im Buch ist und nicht auf der Katze empfindet die Mietz einen als ungefährlich. Ich mache es immer so, daß reinkomme, der Mietz die Leckerlies vor ihr Versteck lege, mich mit etwas Abstand auf dem Boden vor das Versteck setze und dann vorlese. Durch das sitzen wirkt man kleiner und ungefährlicher. Irgendwann merkt man, wie Mietz anfängt das lesen zu genießen und dabei wegzudösen. Schließlich werden die Leckerlies dann bereits beim Lesen vertilgt. Dann den Abstand zwischen Leckerlies und Versteck vergrößern - bis Katz vorkommen muß um sie sich zu holen - dann hat man den ersten Teil gewonnen: Mietz ist aus dem Versteck während Mensch daneben sitzt. Dann kann man die Leckerlies um sich drapieren und schauen, ob Mietz Leckerlies aus der Hand nimmt. Wenn man Mietz anguckt immer blinzeln und zwischendurch imer mal wieder weggucken. Wenn Mietz einen anguckt, dann ebenfalls blinzeln und wegggucken. Anstarren bedeutet unter Katzen Aggression - blinzeln und weggucken ist Beschwichtigung.
4) Federwedelspielen + streicheln. Dieser Part ist besonders bei Kitten der Dreh- und Angelpunkt. Bei erwachsenen dauert das sehr lange, bei Kitten ist man teilweise mit der Wedelmethode schneller bei als mit der Lesemethode. Ich benutze dafür die üblichen Federwedel - also biegsamer Stab mit Federn dran. Der Stab sollte nicht zu flixibel sein, sonst klappts nicht. Mit dem Wedel erstmal vorsichtig anfangen zu spielen - das braucht ein bißchen, bis sie Angst davor verloren haben. Spielen sie gut mit, dan während des Spiels mit dem Wedel imme wieder zwischendurch kurz über den Rücken streichen. Die Reaktionen sind oft verschrecktes Wegspringen, fauchen oder ähnliches - gar nicht beachten - imer so tun, als sei nix gewesen und weiterspielen. Mit der Zeit kommt dann plötzlich das Schwänzchen hoch dabei - dann hat man gewonnen und kann Mietz mit dem Wedel anfangen richtig zu streicheln bis sie es genießt. Dann kann vorsichtig den Wedel durch die Hand ersetzen.
Durch diese Kombination: Leckerlies aus der Hand und Wedelstreicheln erreicht man eine Zähmung mit dem geringmöglichsten Streßfaktor für das Tier, da es step by step umlernt, ohne aber mit zu schnellen Anforderungen überfordert zu werden.
Wichtig ist: jede Session muß positiv für die Mietz enden. Denn der letzte Eindruck bleibt haften und wird in die nächste Runde mit reingetragen. Lief das ganze also mal nicht so gut, dann zum Abschluß nochmal nen Schritt zurückgehen und wieder Leckerlies verteilen und vorlesen, oder nur spielen ohne Streichelversuche oder ähnliches um nen guten Eindruck zum Schluß zu hinterlassen.
Ansonsten braucht man: Geduld, Geduld Geduld. Wer sagt: in 2 Wochen muß die Mietz aber dieses oder jenes tun/können, der sollte sich nicht auf eine Scheumietz versuchen. Das Tier gibt das Tempo vor - Druck bewirkt, daß gar nix wird, Erwartungshaltungen werden mit Sicherheit enttäuscht. Scheumietzähmung heißt: alles versuchen, aber nichts rwarten und sich über kleinste Fortschrite freuen können. Wer das kann, der wird etwas wunderbares erleben und bekommen: das Vertrauen eines Wesens, wie es tiefe und ehrlicher nicht sein kann...
Meine Erfahrung: die ängstlichsten Mietzen werden hinterher die größten Schmuser und richtige Pattex-Katzen. Sie schenken sich ihrem Menschen ganz und gar und mit tiefster Innigkeit.