Hm, also ich bin da sehr sehr zwiegespalten.
Ich halte Frühkastrationen in vielen Fällen für richtig und sinnvoll, bin natürlich generell auch immer für eine Kastration, egal ob Katze oder Kater, Stubentiger oder Freigänger, und auch sonst eigentlich kein Panikmacher. Alle Katzen die ich kenne haben auch wirklich keinen für mich offensichtlichen Schaden durch die Kastration davongetragen. Sie haben sich nach der OP meistens sehr schnell genau so verhalten wie vorher, haben sich augenscheinlich körperlich ganz normal entwickelt und sind auch durchaus mit den Jahren vom Kopf her älter und reifer geworden.
Allerdings muss man sich auf der anderen Seite schon bewusst machen, dass man extrem in den Hormonhaushalt des Tieres eingreift und vieles eben doch noch nicht ausreichend erforscht ist. Immer sofort lapidar zu sagen "überhaupt kein Problem" finde ich deshalb auch nicht gut.
Es schwebt nun einmal immer noch im Raum, dass eine Kastration das Verhalten und die geistige Entwicklung eben doch etwas beeinflusst und direkt oder indirekt vielleicht auch z.B mit Harnstein/-grieß, FORL, und was weiß ich noch zu tun haben könnte. Das sollte man nicht klein reden. Meine Kater sind nun beide 6 Jahre alt. Der erste, mein Gizmo und ein Perser/
EKH Mix, wurde genau mit 6 Monaten kastriert. Bei Murphy kam irgendwie zeitlich immer was dazwischen und so war er erst 4 Tage bevor er acht Monat alt wurde dran.
-Gizmo und Murphy fingen kurz vor Muphys Kastration an sich hin und wieder zu streiten. Murphy schien Gizmo ständig etwas zu ärgern und nicht zu akzeptieren, wenn dieser seine Ruhe wollte und 3 Tage vor seiner Kastration kam es dann auch zu einem großen Streit. Ähnlich wie in diesem Video:
https://www.youtube.com/watch?v=PZZapNHx0bw Anstarren, umkreisen, singen was das Zeug hält, Nackenhaare und Puschelschwanz, kurzes gekloppe, dann wieder umkreisen ....Ich bin dann nach der ersten Klopperei sofort dazwischen und habe noch am gleichen Tag den Termin für Murphys Kastra gemachte, bevor die beiden sich noch richtig gegenseitig wehtun oder das eigentlich gute Verhältnis zwischen den beiden dauerhaft kippt. Weder davor noch danach habe ich so etwas zwischen den beiden noch einmal erlebt. Die beiden sind eigentlich ein Herz und eine Seele. Klar wird auch schon mal ab und an ein einzelnes Mal gefaucht, aber der andere hört dann im Normalfall sofort auf und kann dann auch angstfrei an dem Schimpfer vorbeigehen etc. Hiebe gibt es sehr sehr selten und wirklich nur, wenn auf den Schimpffaucher (Murphy will z.B an Gizmos Hinterteil schnuppern und dieser faucht dann) nicht sofort reagiert wird. Auch beim typischen wilden Katerraufen und toben wird sofort aufgehört, wenn einer genug hat und aufmeckert. Das sieht halt so aus:
https://www.youtube.com/watch?v=5tkIVEBe_p4
Immer wieder wird hier ja auch bei der Zusammenführung von Katzen beton, dass es zwischen kastrierten und nicht kastrieret Tieren Probleme gibt. Warum ist das so, wenn sich durch die Kastration (wenn überhaupt) nur Kleinigkeiten am Verhalten des Tieres verändert? Ist das weniger stark ausgeprägte "Mobben/Territorialverhalten" (wie auch immer man es nennen möchte) und das "weniger rumstreunen" nicht schon ein Zeichen dafür, dass die Tiere kindlicher bleiben und in ihrer Entwicklung beinträchtigt werden? Selbst wenn mein Gizmo z.B anscheinend sogar noch einen Sexualtrieb hat und alle paar Wochen mal genüsslich sein Kissen besteigt und mein Murphy dagegen überhaupt nicht, obwohl er viel später kastriert wurde?
-Gizmo war mit 2 oder 3 Jahren auch einmal in Behandlung wegen Harngries. Er hatte 2-3 Mal wildgepinkelt, ich habe ihn dann genau beobachtet und an der Körperhaltung und Gesichtsmimik dann auch gesehen, dass er Schmerzen hat auch wenn der Urin noch im Strahl rauskommt. Urinprobe zum
Tierarzt, Kristalle wurden festgestellt, habe dann eine Paste mitbekommen und mich über Ernährung schlaugelesen. Seit dem gibt es kein
Trockenfutter mehr als Zwischenmahlzeit sondern ausschließlich
Nassfutter und wenn mal
Trockenfutter, dann nur als Leckerlie. Ich habe gehört, dass Perser wohl generell eine engere Harnröhre haben und ich weiß auch nicht, ob nicht das
Trockenfutter Schuld war. Fakt ist aber: Murphy hatte keine Probleme, Gizmo eben schon. Egal weshalb.
- Dann haben ich bei beide Anfang des Jahres zum ersten Mal Zahnstein entfernen lassen, da sich an den hinteren Zähnen doch etwas Zahnstein gebildet hatte und Gizmo an einem Zahn auch leichtes Schmerzempfinden zeigte. Dieser musste dann auch gezogen werden. Eine der beiden Wurzeln hatte angefangen sich aufzulösen-FORL. (Röntgenbild wurde natürlich auch gemacht und den Zahn, wo man sehr gut die lange und die kleinere/halbe Wurzel sehen kann, hab ich auch behalten.)
Die meisten solcher Krankheiten von einer Erkankung der Bauspeicheldrüse bis FORL werden wohl in der Tat Wohlstandserkrankungen sein und mit dem Zucker in den Supermarktfuttersorten oder dem falschen Phosphor-Calcium-Verhältnis oder vielleicht auch einfach mit den Genen zu tun haben. Ich denke jetzt mal an Frauen die in die Wechseljahre kommen. Auch da ist es so, dass die eine schwitzt wie ein Schwein und sagt, dass sie mit der Hormonveränderung überhaupt nicht zurecht kommt und eine andere merkt überhaupt nichts. Jeder Körper ist wohl doch ein bisschen verschieden und da frage mich einfach, wieso man bei einem Fall wie bei tiendahl unbedingt schon so früh an ihm rumpfuschen muss und unbedingt zur Frühkastration rät. Vermindertes Krebsrisiko etc gilt wohl eher für Katzinnen, die Kater sollen bei ihr auch auf alle Fälle kastriert werden, also muss man wohl auch keine Angst haben dass mit ihnen Schindluder getrieben wird, da so junge Katzen eigentlich auch noch im Haus bleiben sollen werden sie wohl auch keine Freigänger sein. Falls doch, sieht es natürlich wieder anders aus.....
Was spricht also dagegen zumindest noch etwas zu warten bis die Tiere Anzeichen der Geschlechtsreife zeigen? Man muss ja nicht warten bis sie die ganze Bude markieren. Das hat mein Murphy auch nicht gemacht. Oft fängt es doch erst mal so an, dass im Kaklo der Po etwas höher gestreckt wird und der Schwanz zittert, bevor dann endgültig andere Orte aufgesucht werden. Dann kann man doch immer noch reagieren und schnellstmöglich einen Termin machen. Stecken es so junge Kater wirklich so viel besser weg als ältere Tiere, dass eine Frühkastration trotzdem gerechtfertigt wäre?
Ich bin mir da halt nicht so sicher.