Liebes, kleines, freches, rotes Julchen,
2 Wochen sind es nun bald her, daß Du nicht mehr bei mir bist, mir nicht mehr Gesellschaft leistest, mich nicht mehr tröstest, wenn ich traurig bin, ich nicht mehr durch Dein weiches, glänzendes, schönes, rotes Fell streicheln kann, dich nicht mehr frisieren kann, wie Du es immer so liebtest. 2 Wochen ohne Trost, 2 Wochen voller Tränen und Sehnsucht, die unerfüllbar bleiben wird. 7 Jahre hast Du mit mir, mit uns gelebt, hast mich mit Deiner lieben Art über den Tod meiner Mausi hinweg getröstet, hast Dich damals ganz leise in unser Haus geschlichen, in unseren Herzen warst Du ja schon all die Jahre davor! Wie hab ich damals gelitten, 16 Jahre war unsere Mausi unsere treue Begleiterin, sie hatte ich seit meiner Jugend und sie hat mich durch die Pubertätswehwehchen geleitet, am 23. April 2007 kurz nach 17 Uhr war dann alles vorbei, nie werde ich es vergessen, dieses Hupen und wie der grüne Opel Vectra einfach davon fuhr, während sie sich auf der Straße noch überschlug, dann war es vorbei... Und du kamst jeden Tag an mein Badfenster, wie du es schon die Jahre zuvor getan hattest, holtest dir Dein Fressen, wie gut hat es mir getan! Du hast im wahrsten Sinne des Wortes meine Tränen getrocknet. Dann hast du unser Haus entdeckt, wo Du nichts mit dem großen Hund Felix und der anderen, meist schlecht gelaunten, Katze Mariechen teilen mußtest und so hast du dich an einem kalten Wintertag einfach auf meine Beine gelegt, während ich in meinem Bett lag, dann hast du die Nacht bei uns verbracht, du bekamst dein Katzenklo, deine Futterstelle und wurdest unsere Katze. Gesellig warst Du, immer wolltest Du bei jemandem sein, immer wolltest du quatschen, „mau“ so hast du dich mit uns unterhalten. Schön war diese Zeit und ich vergaß meine Trauer über den Verlust meiner Mausi, wenn sie selbst auch immer in meinem Herzen sein wird. Nun hatte ich Dich, ich habe für Dich gesorgt, meine erste Frage, wenn ich zu meinen Eltern nach Hause kam war, „wo ist das Julchen?“ War ich im Urlaub, war mein erster Weg zu Dir, wenn ich zurück kam. So glücklich war ich und Du warst so schön, immer gut gelaunt, immer zu einem Schwätzchen aufgelegt, hast mir öfter auch Mäuse und Vögel gebracht, sogar einmal eine lebende Maus in der Küche gelassen! Gesund warst Du, nie mußten wir Dich zum Tierarzt bringen, schön warst Du, gut genährt und fröhlich. Die Anzeichen der Krankheit haben wir gar nicht bemerkt! Wir dachten, Du würdest so viel trinken, weil der Sommer heiß war, du würdest spucken, weil Du immer Gras fressen würdest, du lecktest nur die Sauce vom Futter, weil du so ein Feinschmecker wärst, dabei ging es Dir da schon schlecht und ich habe es nicht bemerkt... Dann kamen die schrecklichen Tage im Oktober heuer, als der Tierarzt Dir diese verhängnisvolle Spritze gab! Nie hatte ich Dich zuvor so gesehen, ich wußte da schon, daß Du wohl schwerer krank bist. Nachdem dann Deine Blutwerte genommen waren und ich sie sah, da wußte ich auch, wie schlimm es stand! Soviel Zeit, wie möglich wollte ich noch mit Dir verbringen, täglich fuhr ich sofort nach der Arbeit nach Hause, schnell duschen, dann zu Dir, meine Gedanken waren die ganze Zeit bei Dir. Nach der Verschlechterung nach den Infusionen schien es Dir noch einmal besser zu gehen, wir hatten noch 2 Wochen zusammen, Du stromertest durch unseren Garten, warst eigentlich wie immer, hast es genossen, wenn ich Dich gekämmt habe, glänzend und schön war Dein Fell ja bis zum Schluß, noch in der Kiste, in der wir Dich auf Deinem Lieblingsplatz im Garten begraben haben! Doch dann kam das Allerheiligenwochenende, Du wolltest nichts mehr fressen und nichts mehr trinken, wie hab ich Dich gebettelt, aber Du wolltest einfach nicht mehr! Als Du dich dann am Samstag Abend noch auf meine Beine gelegt hast, so wie damals, als Du zu uns gekommen warst, da wußte ich, daß der Abschied nahe ist! Er kam dann noch schneller als gedacht, denn die folgende Nacht war wohl schrecklich für Dich, Du hast uns gerufen, aber wir konnten Dir nicht helfen, Dein Leiden nicht lindern! Den Sonntag Vormittag legtest du Dich noch ein letztes Mal vor unserem Haus in die Sonne, gerne wärst du wohl liegen geblieben, aber ich mußte Dich aufheben, was du ohnehin nie mochtest und zum Tierarzt fahren, ich weiß nicht, ob ich mir das verzeihen kann, nie werde ich Dein Miauen im Auto vergessen und nie die Hilflosigkeit, während ich neben Dir stand, als der Tierarzt Dir die Spritze gegeben hat. Als Dein Herz aufgehört hat zu schlagen, da starb auch in mir jedes Gefühl und ich habe bis heute keines mehr! Kann es ohne Dich je anders werden? Werde ich wieder Freude empfinden können? 2007 hast du mir wieder Freude am Leben gegeben, wer soll das heute tun? Momentan kann ich es einfach nicht, denn Du warst meine Freude, mein Herz! Ein Teil von mir ist mit Dir gegangen, trotzdem bist Du so unendlich fern, ich kann nicht folgen! Es war schwer, Dich zu verlieren, Dich zu vermissen ist aber noch viel schwerer! Ciao Julchen, eines Tages wird die Sehnsucht vorbei sein, niemand weiß wann, aber eines Tages wird es sein, dann wirst Du wieder bei mir sein, ohne Schmerz und ohne Durst und auch mein Schmerz wird dann vergangen sein!