Zeit für einen langen Text ;-)
Die Frage, ob Du ihn richtig behandelt hast, kannst Du nicht am Gentest festmachen:
1. Kann der auch nur eine Wahrscheinlichkeit für die Zuordnung liefern.
2. Sagt der nichts darüber aus, welche Gene tatsächlich zur Ausprägung kommen.
Komplexe Verhaltensweisen, wie das Sozialverhalten, werden immer von sehr vielen Genen bestimmt. Statistisch kann man wohl sagen: Ein Hybride aus Wild- und Hauskatze hat vielleicht beide Grundausstattungen jeweils zur Hälfte erhalten. Er hat also einen Anteil, der ihn zum Einzelgänger machen würde und einen Anteil, der ihn zum sozialen Tier macht.
Soweit die Statistik. Der Einzelfall sieht anders aus. Jedes Elterntier steuert ja nur einen Chromosomensatz bei. Die für das Verhalten notwendigen Gene sind aber nicht zwingend vollständig auf diesem einen Strang angelegt.
Dann kann die Mischung andere Wirkungen haben, als die Summe der Einzelgene. Dazu kommen unterschiedliche Dominanzgrade von Genen. Und natürlich spielt auch der Zufall und die Umwelt eine Rolle.
Folglich können die speziellen Bedürfnisse nicht vorausgesagt werden.
Ein Hybrid aus Hauskatze und Wildkatze kann das sozialste Tier der Welt, oder ein absoluter Einzelgänger sein. Oder wahrscheinlicher: irgendeine Abstufung dazwischen. Bis auf die extremsten Ausprägungen, findest Du diese Abstufungen auch bei „normalen“ Hauskatzen.
Kleiner Exkurs:
Hybriden sind selten. Wie selten genau, darüber streiten die Experten. Allerdings leben beide Katzenarten sein 2000-2500 Jahren im gleichen Lebensraum. Seltene Einzelfälle werden schnell zu sehr wahrscheinlichen Ereignissen, wenn man große Zeiträume betrachtet.
Beispiel: Die Chance, dass Dich ein Asteroid erschlägt ist verschwindend gering. Weil Du nur etwa 80 Jahre alt wirst. Würdest Du vielleicht 30 oder 60 Millionen Jahre alt werden, stehen Deine Chancen schon besser. (oder schlechter, je nach Betrachtungsweise ;-) )
So auch bei Katzen. Nach so langer Zeit der Parallelexistenz würde ich davon ausgehen, dass in fast jeder Wildkatze auch ein Anteil Hauskatze steckt und umgekehrt. Wie hoch der Anteil im Einzelfall ist, kann man aber nicht vorhersagen.
Zurück zum Text:
Tendenziell hat ein Hybride erst mal dieselben Bedürfnisse, wie seine beiden Vorfahren. Wenn wir annehmen, dass die Extremausprägungen unwahrscheinlicher sind als die gemischten, einfach weil es dabei wesentlich mehr Möglichkeiten gibt, sollte ein großer Teil der F1: Hybriden (1. Generation) noch deutliche Wildtiereigenschaften aufweisen. D.h. Sie sind, je nach Stammrasse, nicht unbedingt sozial (die Europäische Wildkatze ist z.b. Einzelgänger), ihr Fluchtradius ist wesentlich größer, die Aggression auch. Der Bewegungsdrang und die Reviergröße sind mit einiger Wahrscheinlichkeit größer als der einer Hauskatze.
Auch beim Futter kann es zu Unterschieden kommen. Der Darm einer europäischen Wildkatze ist im Mittel nur 2/3 so lang, wie der einer Hauskatze. Da man ihn nur am toten Tier abmessen kann, besteht immer die Gefahr der Fehlernährung.
Auch die Zähmung von Wildtieren ist nicht ganz einfach.
Die Wildtiereigenschaften nehmen statistisch im Lauf der Generationen natürlich wieder ab. Sie können aber als Einzeleigenschaften auch in späteren Generationen immer wieder durchbrechen.
Deshalb kann man niemals vorhersagen, welche exakten Bedürfnisse eine Katze, egal ob Hybride oder nicht, hat.
Beispiel:
Bengalkatzen sind Hybriden (Asiatische Leopardkatze und Hauskatze) . Viele Halter haben Probleme mit ihnen, auch weil sie den Bewegungsdrang und den Jagdtrieb der Katzen falsch eingeschätzt haben.
Auf der anderen Seite hat hier im Forum letztens jemand ein Video gepostet, in dem seine Tochter mit zwei Bengalen spielt, als wären sie Puppen. Ein Wildtier hätte dem Kind das Gesicht zerfetzt, genau wie meine beiden Hauskatzen. Die Bengalen blieben allerdings ruhig.
Neben den Genen gibt es nämlich noch einen ganz großen Punkt: Die Sozialisation.
Eine Hauskatze, obwohl eigentlich sozial, wird zum Einzelgänger, wenn man sie zu lange allein hält. Das ist sicher nicht gesund, führt aber dazu, dass ihre Bedürfnisse ihrer Genausstattung widersprechen.
Deshalb würde Dir ein Gentest, oder eine genauere Vermutung über die mögliche Hybridgeneration überhaupt nichts nützen.
Die Bedürfnisse Deiner Katzen musst und kannst Du nur durch Beobachtung herausfinden, auch wenn es bei einigen Rassen sicher Häufungen zu dem ein oder anderen Verhalten gibt.
Jede Katze ist anders, und manche etwas mehr. Ich halte es, wie bereits gesagt, für unwahrscheinlich, dass er ein Hybrid war, außer in dem Sinne, das wahrscheinlich alle Katzen Spuren der anderen Art in sich tragen.