Hallo in die Runde,
ich hoffe, aus dem geballten Erfahrungsschatz hier vielleicht noch eine Anregung zu bekommen und werd dabei auch nochmal zusammenfassen, was ich in anderen Posts als Hintergrund geschrieben hab.
Wir haben seit 4 Monaten ein kastrierte Kätzin (4 Jahre) bei uns, die uns zunehmend Sorgen macht. Wir haben sie aus einem Privathaushalt übernommen, wo sie sich urplötzlich nicht mehr mit dem Kater (ca. 8 Jahre) verstanden hat, mit dem sie zusammen aufgewachsen ist, seit sie ca. 9 Wochen alt war. Sie hat ihn gejagt und angegriffen, wurde daraufhin tagsüber in ein Zimmer gesperrt (wahrscheinlich ca. 3 Monate lang), wenn die Besitzer auf Arbeit waren.
Bei unserem Besuchstermin dort wirkte sie vollkommen entspannt, brummte, kam auf uns zu, ließ sich streicheln, legte sich auf den Rücken und ließ sich den Bauch streicheln.
Ihre Eingewöhnung bei uns verlief so, dass sie über gut 2 Wochen fast nur in ihrem "Sicherheitsversteck" (Sauna, ruhigester Ort) saß und nur zum Fressen oder für die Toilette rauskam. Sprach man sie dort jedoch vorsichtig an, reagierte sie stets mit Brummen. Wir haben ihr die Zeit gelassen. Später wurde sie neugieriger und erkundete das Haus, wurde zutraulicher, lässt sich generell problemlos hochnehmen, brummt schnell, scheint die menschliche Nähe jedoch nicht aktiv zu suchen.
Zu Beginn schlief sie einige Zeit jede Nacht bei uns im Bett, hat dies jedoch auch komplett eingestellt. Sehr selten (ca. 1 x pro Woche) springt sie bei einem von uns auf den Schoss, findet jedoch selten die Ruhe, dort längere Zeit zu bleiben). Sie gibt so gut wie nie Köpfchen und reagiert auch sonst nicht "katzentypisch" auf Berührungen an Kopf oder Wange.
Seit sie bei uns ist, ist sie zunehmend schreckhaft und nervös (häufiges Verhalten wie kurz vorm Harnmarkieren), ist unruhig und pullert immer wieder ins Haus. Zu Beginn auf die Kleidung von mir und meinem Mann, wenn die Kleidung auf dem Boden lag (das hat sie wohl auch manchmal bei den Vorbesitzern getan). Dann hat sie immer wieder mal ihre Klos von außen bepullert. Aktuell pullert sie seit ein paar Tagen früh auf den Sessel im Wohnzimmer, auf dem sie gelegentlich liegt. Wir haben verschiedene Streu probiert, verschiedene Toilettenarten, haben seit ca. 1 Monat einen Feliway-Zerstäuber und seit einigen Tagen Bachblüten gegen Angst und Aggression. Feliway schien sie kurzzeitig zu beruhigen, die Wirkung scheint sich aber mittlerweile wieder verflüchtigt zu haben.
Sie ist Menschen gegenüber lieb; kratzt, beißt und faucht nicht, sucht aber auch nicht die menschliche Nähe. Wenn wir abends zum Fernsehen ins Wohnzimmer gehen, ist sie zB entweder schon im Bett (aktuelle Gästezimmer in anderer Etage) oder geht kurz darauf. Sie ist eine reine Wohnungskatze (und war es zuvor auch immer, ist allerdings wild geboren).
Sie ist die meiste Zeit im Wohnzimmer und fixiert wie gebannt die Terrassentüren. Es laufen draußen immer mal wieder Nachbarskatzen vorbei (Kater). Wenn sie sie sieht, springt sie an die Scheibe, faucht und es stellen sich sofort der Schwanz und zT auch das Rückenfell auf. Daher auch das Bepullern des Sessels in dem Raum?
Mein Mann und ich arbeiten Zuhause, sodass sie nicht allein sein muss. Wir haben überlegt, es mit einer Zweitkatze (Kätzin?) zu versuchen, befürchten aber, dass das komplett nach hinten losgehen könnte...
Durch ein "Verzweiflungs"experiment haben wir dann den Auslöser vermutlich gefunden: Wir haben jetzt konsequent das Wohnzimmer für sie geschlossen gehalten, da es stets dieses Zimmer war, in das sie (abgesehen von ihrem Klo) gepullert hat.
Seit sie nunmehr keinen direkten Blick mehr auf unsere Terrasse hat und somit auch nicht mehr auf die vorbeilaufenden Kater, ist sie wie ausgewechselt: Sie wirkt vollkommen ruhig, döst tagsüber in unserer Nähe, kommt mehrfach am Tag von sich aus für eine halbe bis eine Stunde auf den Schoß und kuschelt sich dort brummend ein und/oder putzt sich und ruht. Sie verwendet nun wieder ausschließlich ihre im Haus aufgestellten 3 Klos und pullert sogar wieder im Sitzen und verbuddelt ihre Geschäfte auch wieder, was bisher nicht mehr der Fall war. Davor pullerte sie nur noch im Stehen und hat so gut wie nie mehr verbuddelt.
Sie wirkt schlagartig ausgeglichen und zufrieden, spielt wieder mit voller Aufmerksamkeit und frisst wieder ganz normal.
Damit fällt ein körperliches Problem vermutlich eher aus als Ursache...
Nun ist die große Frage, die sich uns stellt, ob wir es dennoch mit einer charakterlich ähnlichen Zweitkätzin versuchen oder es lieber dabei belassen, wie es ist und davon ausgehen, dass wir es hier mit einer Einzelkatze zu tun haben, die ihr Revier und Heim nicht teilen möchte, obwohl sie ihre ersten drei Lebensjahre mit dem Kater angeblich harmonisch verbracht hat.
Ist es möglich, dass sich eine Kätzin so schlagartig von Gesellschaftshaltung auf Einzelhaltung innerlich umstellt? Die Vermutung der Vorbesitzer lautet, dass sie "ihren" Kater so konsequent verfolgt hat, nachdem er wegen einer Antibiotikagabe beim Tierarzt war, sie jedoch nicht mitgenommen wurde.
Wir hatten gehofft, durch die Vergesellschaftung mit einer Zweitkatze ihr eventuell fehlendes Selbstvertrauen zu geben, sodass sie vorbeilaufende Kater nicht mehr als Bedrohung empfindet.
Dauerhaft das Wohnzimmer geschlossen zu halten, ist keine praktikable Möglichkeit.
Vielen Dank
Anja