Vor knapp einer Woche mussten wir völlig überraschend unseren Kater (5 Jahre) einschläfern lassen. Er hatte einen Leberschaden oder -tumor, der erst erkannt wurde, als es schon viel zu spät war..
Unser Kater ist zusammen mit seiner Schwester aus dem gleichen Wurf mit drei Monaten zu uns gekommen. Die beiden waren anfangs sehr eng, lagen oft zusammengekuschelt da und haben viel gespielt. Mit der Zeit wurden sie unabhängiger, lagen meist an verschiedenen Plätzen, oft aber im gleichen Raum. Ab und zu haben sie sich gegenseitig gewaschen, außerdem viel getobt.
In letzter Zeit hatten wir oft das Gefühl, dass unsere Katze zunehmend genervt von ihrem Bruder ist (er war viel kräftiger als sie) und seine Spiel-Avancen öfter mal mit lautem Fauchen abgewehrt hat. Wenn sie dann schlecht drauf war, hat sie ihn auch angeknurrt. Wir haben uns schon ein bisschen Sorgen gemacht, aber weh getan haben die beiden sich nie, immer ohne Krallen gespielt. Fressen lief auch friedlich.
Jetzt wo unser Kater tot ist, ist die Katze wie ausgewechselt. Er war immer wahnsinnig verschmust und anhänglich, sie schon auch, aber wählerischer als er (auch wenn sie immer sehr anhängliche Phasen hatte). Sie klebt eigentlich die ganze Zeit an uns. Nachts kommt sie auch ins Bett. (Früher ist er ins Bett gekommen, sie schlief in einem Korb im Schlafzimmer.) Sie frisst weniger als vorher (vielleicht fehlt der Futterneid), aber immer noch gut. Sie wirkt eigentlich sehr zufrieden, maunzt aber auch viel und schaut uns fragend an.
Wir sind hin- und hergerissen, ob wir (natürlich nicht sofort) wieder eine zweite Katze anschaffen sollen. Mein Gefühl sagt mir irgendwie, dass sie froh ist, uns jetzt für sich zu haben und dass sie sich wohler fühlt. Sie nutzt viele Plätze (auch bei uns), die vorher nur er genutzt hat. Sie wirkt insgesamt entspannter. Ich habe das Gefühl, sie ist eine Katze, die eigentlich gerne alleine ist.
Andererseits kann es natürlich sein, dass sie nur kompensiert, wenn auch die beiden wenig gekuschelt haben. Vielleicht war das Gezicke in den letzten Monaten auch nur deswegen, weil sie gespürt hat, dass mit ihm was nicht stimmt. Vielleicht langweilt sie sich ohne Artgenossen. (Wir sind beide berufstätig, mein Freund arbeitet aber halbtags von zu Hause aus.)
Die Entscheidung ist unglaublich schwer. Ich habe Angst, dass es eine Katastrophe gibt, wenn hier eine neue Katze einzieht. Andereseits habe ich Angst, dass unsere Katze vereinsamt und wir ihr nicht geben können, was sie braucht.
Wir werden das auf jeden Fall noch eine Weile beobachten und nichts vorschnell entscheiden.
Was meint ihr? Woran erkennt man, ob die Katze gerne wieder Gesellschaft will?