Das Leben mit scheuen Notfellchen

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Stulle

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Hallo,

da es gerade in meinem Fotothread wieder angesprochen wurde, möchte ich mal eine Lanze für die scheuen Samtpfoten und die seelischen Notfälle brechen.

Ich lebe nun seit fast 8 Jahren mit Bacon zusammen. Die Süße kam mit 14 Wochen zu mir und war da schon "versaut". Man trennte sie mit 6 Wochen von der Mutter (Inzucht, Bacons Halbbruder ist ihr Vater), mit 7 Wochen wurde sie in Dortmund in den Freigang geschickt - und wurde dort misshandelt.



Bacon hat den gesamten Bauch vernarbt, vom Brust- bis zum Schambein. Das sahen wir bei ihrer Kastration. Was genau mit ihr passiert ist, kann ich nicht sagen und, wenn ich ehrlich bin, ich will es auch gar nicht wissen. Aber ich berichte gerne weiter von vorne.

Bacon gehörte einer Bekannten von mir. Als ich Stulle zu mir nehmen wollte, suchte ich nach einem weiteren Kitten und so wurde mir Bacon angeboten: "Nimm du das Vieh, ich komm damit nicht mehr klar". Kurzerhand zog sie ein, verschwand unter dem Bett und ich sah sie 5 Wochen lang gar nicht. Das Klo stand unter dem Bett, Futter und auch Wasser. Stulle wurde angegriffen (und war so eine tolle Maus, dass sie es immer wieder versucht hat). Bacon saß wirklich nur und ausschließlich unter dem Bett, sie kam nicht ein einziges Mal heraus.



Nach 5 Wochen traute sie sich im Schlafzimmer zu kriechen. Zum Laufen reichte der Mut nicht. Wenn ich aus Versehen meinen Blick schweifen ließ und mich ihr zudrehte, begann sie zu schreien und verschwand zitternd unter dem Bett. Ich habe zwischenzeitlich überlegt, ob es wirklich eine gute Entscheidung war, sie aufzunehmen denn
ich hatte mir das Alles wesentlich einfacher vorgestellt.

In den folgenden Monaten taute Bacon trotz meiner Erwartungen immer weiter auf. So weit, dass sie sich nun jeden Abend blicken ließ, auch mal mit erhobenem Schwänzchen durch die Wohnung ging und vor allem mit den (nun 2) anderen Katzen spielte. Anfassen konnte ich sie da nicht ein einziges Mal, einfangen um sie kastrieren zu lassen war unmöglich.



Mit 13 Monaten schaffte ich es, ich durfte sie das erste mal berühren, da war sie schon im Wochentakt rollig. Als sie sich traute, sich neben mich auf das Sofa zu setzen, habe ich sie einfach gepackt und in einen Kennel gesteckt. Den Schrei habe ich nicht vergessen und ich werde es auch wohl nicht. Bacon hatte Todesangst und mir brach es das Herz. Aber die Kastration musste sein, ebenso eine gründliche Untersuchung.

Nachdem mein Pillchen kastriert war, wurde sie ruhiger, aber noch lange nicht ruhig. Sie lief mit den (nun 3) weiteren Katzen harmonisch in der Gruppe, war sozial trotz der frühen Trennung von der Mutter und sie zeigte sich abends, uns Menschen gegenüber war sie aber immer noch die Panik selbst.

Mit Hilfe meiner THP und einer Verhaltenstherapeutin haben wir Bacon so weit gebracht, dass sie mir Futter aus der Hand nahm und zwar nur aus der Hand. Es gab für sie kein Futter mehr im Napf, kein geworfenes Leckerlie. Sie musste sich überwinden und zu mir kommen, um Futter zu haben.



Bacon entwickelte sich von Tag zu Tag mehr und es kam vor, dass sie sogar eine Pfote auf mein Bein setzte. Anfassen durfte ich sie nicht. Da ich ihr dahingehend aber nie Druck gemacht habe, war das für uns beide ok. Sie rannte immer weg, wenn ihr jemand näher als 5 Meter kam. Wenn sie den Abstand bestimmen konnte, war es besser.

Tja. Nun ist sie fast 8 Jahre bei mir, wir üben jeden Tag daran, dass sie keine Angst vor uns haben muss. Und wir erzielen Erfolge, auch wenn ich das nie erwartet habe. Sie kommt nun zu mir und legt sich auf mich drauf um zu kuscheln. Ich darf sie am Kopf streicheln und am Schwanzansatz, dazwischen jedoch nicht. Sie "redet" mit uns, sie spielt mit uns und sie nimmt kleinste Leckerlies aus den Fingern, ohne sie uns aus der Hand zu schlagen.

Vor knapp 2 Jahren durfte ich das erste Mal an ihr vorbeigehen, durch eine Tür, ohne, dass sie wegrannte. Das darf ich auch heute noch oft, aber nicht immer. Wenn Bacon Angst hat, versteckt sie sich hinter mir. Sie kuschelt sich an Nico (mein fünfjähriger Sohn), wenn der still liegt. Sie gibt sogar Besuch Köpfchen, wenn sie ganz mutig ist.

Ich kann Bacon immer noch nicht so anfassen, wie ich es bei den anderen kann. Das ist ok, ich habe keinerlei Ansprüche an Bacon außer "mach, was du dich traust". Sie will eindeutig mehr, steht sich aber selbst im Weg. Mit der Unterstützung von den beiden Therapeuten bin ich mir aber sicher, dass wir den jetzigen Stand stabilisieren können und ganz vielleicht sogar ausbauen.

Was will ich eigentlich mit diesem Thema bezwecken? Das frage ich mich schon die ganze Zeit, während ich tippe. Es ist so, dass ich eine Lanze brechen will für die Scheuchen. Für die misshandelten Seelen, die körperlich und vor allem seelisch Schaden genommen haben. Vielleicht liest du diesen Text und denkst "Jau, ist ja wie bei uns!". Dann schreib es auf, bitte. Jede Erfahrung hilft, weitere besondere Katzen zu vermitteln.

Die letzten Jahre haben mir gezeigt, dass vor allem diese Katzen eine ganz besondere Art und Weise haben, ihre Liebe zu zeigen und, was ich für noch viel emotional wichtiger halte, sie geben unheimlich viel und sind so unendlich dankbar.



Ich weiß nicht, ob ich mich nochmal bewusst für eine Katze wie Bacon entscheiden würde, da muss ich ehrlich sein. Was ich aber jederzeit wieder machen werde: einer Katze die Chance geben, sich selbst zu finden und ein eigenes Zuhause, in dem sie so akzeptiert wird, wie sie ist.

Es muss nicht immer die Kuschelkatze sein, die wie Pattex auf einem drauf klebt. Nicht die Katze, die vom ersten Tag an forsch das Bällchen durch das neue Heim kickt. Es muss nicht der mutige Löwe sein, der draußen im Freigang der König ist, stark und unerschrocken.

Ja, es darf ein Scheuchen sein, ein sensibles Tier voller Liebe, das gar nicht weiß wohin mit der ganzen Zuneigung. Eine kleine Schissylissy, die es selbst nicht glauben kann, wenn sie über ihren eigenen Schatten gesprungen ist.

Wenn euer Neuzugang Angst hat, versteht ihn bitte. Macht keinen Druck, erwartet einfach nichts außer "mach, was du dich traust". Das Tier wird euch noch früh genug zeigen, wie sehr es sich lohnt. Entweder nach ein paar Tagen oder, wie bei uns, nach ein paar Jahren.

Bacon ist ein fester Bestandteil unserer Familie und ich möchte sie nie wieder hergeben.
 
Zuletzt bearbeitet:
11.07.2017
#1
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saurier

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Danke für diesen wundervollen Einblick, er kann sicher helfen, anderen Mut zu geben, es mit einem solch armen Tierchen zu versuchen!
 
T

Taskali

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Als selbsternannte Scheumietzbeauftragte :mrgreen: mg ich auch von meinen Erfahrungen berichten.
Erstmal kann ich sagen, dass nicht jede Scheumietz auch auf Dauer scheu bleibt - das ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig - sowohl Charakterbedingte, als auch Erfahrungsbedingte. Ein Mietz, dass insgesamt einen ängstlichen Charakter hat und dann schlimme Menschenerfahrung machen mußte, wird sicherlich sehr lange brauchen um Vertrauen aufzubauen und immer eine gewisse Grundscheuheit bzw. Ängstlichkeit behalten. Ein Mietz, dass dagegen einen Sonnenscheincharakter hat und bisher schlichtweg gar keine Erfahrung weder positiv noch negativ mit Menschen gemacht hat, läßt sich durch verschiedene spielerische Wege gut umkonditionieren und lernt recht schnell Vertrauen fassen und dem wird man irgendwann nicht mehr wirklich anmerken, dass es mal ein Scheumietz war. Noch viel mehr bei Katzen, die bereits positive Menschenerfahrungen gemacht haben, aber dann aufgrund der Umstände verwildert sind - bei denen muß man nur die alten Erinnerungen wieder hochholen und kann dann da wunderbar anknüpfen. Besonders schwierig sind dagegen Katzen mit dem Charakter "frei und unabhängig" - diese sind praktisch nicht wirklich zähmbar. Einer Katze die Angst hat und deshalb scheu ist, kann man Step by Step die Angst nehmen - aber eine Katze die den Menschen als überflüßig ansieht, die wird nicht dichter an den Menschen kommen, wenn man ihr die Angst nimmt, da sie eben ja gar keine Notwendigkeit sieht und kein Interesse daran hat.
Grundsätzlich gilt: Nichts erwarten und trotzdem sich um alles bemühen. Jede Erwartungshaltung verursacht eine Verstärkung der Scheuheit, da die Tiere den Druck spüren - und wer gar nichts tut und denkt, dass Mietz irgendwann schon von allein kommt, verursacht Stillstand. Dass kann je nach Charakterzug der Katze auch zu einem längeren Leid führen, denn immer in Angst zu leben ist auch nicht schön. Deshalb die Devise bei Scheumietzen: alles tun - nichts erwarten.

Rein grob überschlagen denke ich, dass man ca. 80-90 % der Scheumietzen (ich rede von erwachsenen Tieren) soweit (an)zähmen kann, dass sie die Menschen als gut ansehen und bereit sind bei und mit ihnen zu leben - meist dann auch mehr oder weniger kuschlig werden.
Witzigerweise werden meist die Katzen hinterher am kuschligsten, die vorher den meißten Alarm gemacht haben ;-) :mrgreen:
 
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Eni

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Hallo.
Ich habe mal ein Scheuchen gehabt. Unabsichtlich, ich hätte es mir nicht zugetraut.
Meine Hetty kam über einen Tierschutzverein unter völlig falschen Angaben zu mir.
Niemals hätte ich mich für eine ca. 4 jährige Katze entschieden, die vorher noch nie ein zu hause hatte![emoji33]
Durch Zufall habe ich mit der angeblichen Vorbesitzerin Kontakt aufnehmen können, da war Hetty schon einige Wochen bei mir. Sie erzählte mir das sie gar nicht wie angegeben die Besitzerin gewesen sei. Sie hat sie jahrelang als Streuner gefüttert und hat sie nun wegen Umzugs einfangen und vermitteln lassen.

Hetty hat 12 Jahre bei mir gelebt und es hat Monate gedauert bis sie aufgetaut ist. Jeder Fortschritt war einfach nur herrlich (und jeder Tierarztbesuch hat mich bis zum Schluss an meine persönliche Grenze mit Heulen gebracht).
Aber ich habe sie geliebt und sie war glücklich bei uns. Niemals werde ich sie vergessen und ich bedaure nicht das ich sie bekommen habe!...im Gegenteil!




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PassatKombi

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Hallo,

an alle, die scheue Katzen aufgenommen haben möchte ich ein ganz grosses Dankeschön schicken!
Ich kann eure Erfahrungen nur bestätigen. Je wilder und freier der Geist einer Katze, desto "problematischer" die "Zähmung". Und auch stimmt es, daß Katzen, die im Grunde nichts gegen den Menschen haben, desto einfacher die Zähmung. Unsere Luna z. B. verfiel in reine Panik, wenn sie in der Scheune war und jemand von uns da rein kam. Midnight durfte ich anfangs nur mit 10m Abstand beim Fressen beobachten. Unser Tiger ist ein Freigeist, er braucht mich nicht (tut er doch, weiß er aber nicht).
Luna ist heute die Liebste und verschmusteste Katze der Welt, obwohl sie mich anfangs nur anknurrte und fauchte und man (OK, ich gebe es zu-> Mann) echt Angst vor ihr hatte. Sie kam wohl (soweit wir das irgendwie heraus finden konnten) von einem Bauernhof, wo zwar gefüttert, aber nicht kastriert wurde und wurde da mit etwa 3 Monaten von ihrer Mutter verjagt. An Einfangen war nicht zu denken, nicht mal für Futter (obwohl fast verhungert), ist Luna in die Falle gegangen. Wir haben in der Scheune gefüttert (nachdem wir festgestellt hatten, daß nicht etwa Ratten das trockene Brot frassen, sondern Luna). Wochenlang habe ich mit ihr geredet, keine Chance, näher als 15m an diese Katze zu kommen. Dann verschwand sie für ca. 2,5 Monate, das Futter blieb unberührt und ich hatte die Hoffnung aufgegeben, sie jemals wieder zu sehen. In den Sommerferien 2016 tauchte sie wieder auf - mit 2 Kitten. Luna muß verzweifelt gewesen sein, sonst wäre sie nie aufgetaucht, während wir draussen waren. Ich holte ihr Futter, stellte es hin und ging weg. Luna frass im Abstand von 15m, die Kitten warteten im Gebüsch. Von diesem Tag an, kam Luna täglich mehrmals um sich Futter abzuholen. Die Kleinen frassen nur nachts. Luna begrüsste mich täglich mit dickem Schwanz, fauchend und knurrend und wehe ich bewegte mich, da wurden Scheinangriffe gestartet. Unsere Priorität lag bei Luna, da sie eine Kätzin war und schnellstens kastriert werden sollte. Bis ich Luna allerding näher kommen durfte und sie anfassen durfte verging noch einiges an Zeit. Als wir soweit waren, war Luna leider wieder hochträchtig. Ich brachte es nicht über`s Herz, sie zur Kastra zu bringen, da man die Babys im Bauch sehr deutlich sich bewegen fühlte. 1,5 Wochen später brauchte Luna leider einen Kaiserschnitt und wir hatten 3 weitere "Fresser". Luna`s 1. Kitten sind 2 Monate später kastriert worden, und Midnight, der anfangs sooo ängstlich war, schläft heute jede Nacht im Bett und schnurrt schon, wenn man nur seinen Namen sagt. Der Grund, warum er soviel Angst hatte, war wohl ein Tritt, der ihm 3 Brüche im Schwanz beschert hat (das war schon so, als er hier ankam). Auch heute noch hat Midnight Angst, wenn er draussen ist und jemand läuft. Im Haus läuft er einem schonmal zwischen die Füsse.
Tigerchen ist unser Freigeist. Er braucht keine Menschen. Tigerchen geht Menschen eher aus dem Weg, er möchte es einfach nicht. Er ist gerne draussen. Anfassen hasst er. Allerdings hatte er jetzt eine Giardieninfektion und musste im Haus bleiben. Und er hat sich verändert, er lässt sich anfassen, aber nur, wenn er will. Manchmal lässt er sich sogar beschmusen. Das gleicht aber eher einem Ritual: Er kommt auf die Couch und maunzt. Dann darf ich beschmusen. Wenn er nicht mehr will, geht er ein Stück zur Seite und schläft. Für mich ist es schön, daß sie sich hier frei bewegen können. Sie können ins Haus, wenn sie möchten, wenn nicht ist es auch gut. Ich freue mich riesig über die Fortschritte, die alle in dem Jahr gemacht haben, aber wer nicht will, der muß nicht.
Ich hoffe auf ganz viele tolle Plätze für Problemfellchen, weil sie einem wirklich viel zurück geben und es - jede auf ihre ganz eigene Art - einem so sehr danken, daß sie ein zu Hause haben!

LG
Rea
 
sparkie

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Hallo,

ich habe mit Tequila einen Kater, der in die Kategorie -hatte bereits ein gutes Zuhause und ist durch die Umstände scheu geworden- gehört,bei mir sitzen.

Tequila gehörte einem Mann,der für anderthalb Jahre ins Gefängnis musste bzw war- ist inzwischen wieder frei- und wo sich der Stiefbruder um Kater und Wohnung kümmern sollte in der Zwischenzeit.

Tja,nur hatte der keine Lust darauf,hat sich nicht richtig gekümmert und als Tequila mal in die Küche gepinkelt hat,weil das Katzenklo verdreckt war, wurde er vor die Tür gesetzt.

Da hat er dann fast ein dreiviertel Jahr gelebt,draußen,ohne richtiges Futter und Menschenkontakt und wurde immer scheuer.
Bei Fremden war Tequila schon früher eher scheu und lief weg, wenn man ihm zu nahe kam,aber in der Zeit des unfreiwiiligen draußen lebens hat sich das noch gesteigert.

Ich bekam dann mit, das die Wohnung seines Besitzers geräumt wurde und der Kater sich selbst überlassen werden sollte,da man ihn nicht anfassen konnte und an einfangen nicht zu denken war.

Mir tat der kleine Kerl leid,also habe ich angefangen Futter hin zu stellen und mich erkundigt,wo der Besitzer einsitzt,ihm einen Brief geschrieben und gefragt,ob es okay ist, wenn ich mich um Tequila kümmere- die Antwort fiel positiv aus.
Tequila hat sich schnell an den Futterservice gewöhnt,bald kam er auch zu mir ans Haus und hat dort aufs Futter gewartet, anfassen bzw streicheln durfte ich ihn, während er fraß ansonsten rannte er weg.

Irgendwann begrüßte er mich mit aufgestellten Schwanz , wenn ich ihm Futter brachte und nach zwei Monaten gab er das erste Mal Köpfchen- ein toller Moment.
Tequila brauchte drei Monate, bis er sich das erste Mal in die Wohnung getraut hat, in der Zwischenzeit hatte sein Besitzer mir schriftlich bestätigt, das der Kater jetzt mir gehört.
Anfangs war Tequila auch in der Wohnung sehr vorsichtig und zurück haltend,wir haben uns sozusagen nach und nach aneinander rangetastet.
Durch die Kastraqtion wurde Tequila auch noch mal ein Stück gelassener und schmusiger und heute, nach einem Jahr habe ich hier einen absolut lieben und schmusigen Kater sitzen, der mir so weit vetraut, das ich seit ein paar Wochen auch seinen Bauch streicheln darf.
Und auch Besucher dürfen ihn in der Wohnung gerne anfassen und streicheln, bis auf eine Ausnahme und vor Fremden läuft Tequila draußen immer noch weg, was ich aber auch okay finde.
Bei Tequila hat sich Zeit,Geduld und vorsichtiges Herantasten bewährt, auch wenn es nicht immer einfach war.
Ich hätte anfangs nie gedacht,das Tequila mal so wirde,wie er jetzt ist aber letzten Endes hat sich alles an Mühe,Zeit und Trännen gelohnt-und davon flossen reichlich in der ersten Zeit bei mir-und ich bin froh, das ich nicht aufgegeben und dem kleinem Kerl eine Chance gegeben habe- er gibt mir alles reichlich zurück.
 

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Ilvy

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Das ist berührend und wunderschön, was ihr schreibt. Und es wird so deutlich, dass es ein gegenseitiges
Geben ist; für Katze und Mensch. Lieben Gruß
 
Lady of Camster

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Stulle, das ist ein sehr schönes Thema, was du hier angesprochen hast.
Meinen größsten Respekt, wieviel Mühe du dir gemacht hast, und immer noch tust, mit Bacon.

Ich wollte mal ein Scheuchen aus TH zu mir nehmen. Bis heute denke ich mit großer Trauer an sie :-(
Erst als ich näheres Intresse bekundete, wurde die Katze mal richtig untersucht. Es stellte sich raus, dass sie Schmerzen im Rücken hatte (und deshalb so agressiv und scheu reagierte). Bei mir hat sie jedoch nicht scheu reagiert und mir sogar beim zweiten Besuch die Hand abgeleckt und sich streicheln lassen.
Als ich sagte, ich nehme sie, war sie plötzlich nicht mehr zu vermitteln. Eine Woche später war sie sogar auf der TH-Seite gelöscht und plötzlich auch nicht mehr im TH.
Auf Nachfragen von mir wurde ich abgewimmelt. Heißt soviel wie, dass die Katze wohl eingeschläfert wurde :-(

Bonny ist auch so ein Fall gewesen. Im TH hat sich keiner an sie rangetraut. Vor andren Katzen hatte sie Angst.
Bei mir ist sie dann aber nach und nach aufgeblüht. Nach einigen Monaten hat sie sich sogar am Köpfchen streicheln lassen, was vorher nicht möglich war.
Auch am Poppes darf ich sie berühren, was nicht mal der TA darf oder eine andre Katze.
Inzwischen ist sie eine "fast" verschmuste, selbstbewußte und gesprächige Dame geworden. Aber das lässt sie alles nur bei mir zu (was ich zwar schade finde, aber froh bin um den Fortschritt).
 
abvz

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Dann komm ich auch mal mit einem postitven Beispiel daher.;-)
Unseren Woody haben wir mit knapp 2 Jahren nicht aus dem TS sondern von Privat. Er lebte in einer Wohnung (11.Stock, Berlin-City) mit 2 Geschwistern und ein einem Hund. Laut den Vorbeitzern kamen die 3 Katzen von einem Bauernhof und waren seitdem bei ihnen. Die anderen 2 Katzen wurden zusammen vermittelt (waren bereits reserviert) und somit passte es gut, dass Woody bei uns Zweitkater werden sollte. Beim ersten Besuch haben wir ihn nicht gesehen, da er sich im DVD Regal versteckt hatte, und wurde bereits mitgeteilt, dass Fremd garnichts für ihn sind, er aber eine innige Beziehung zur Tochter habe.

Wir haben uns trotzdem entschieden ihn zu nehmen, was damit auf uns zukommen würde war uns nicht ansatzweise bewusst, da waren wir sehr Naiv.:oops:

Am 28.12.2012 zog Woody bei uns ein, er verbrachte die ersten 3 Tage unterm Schrank, hat nicht gefressen getrunken und sich vollgepiselt, er hat sich nichtmal nachts bewegt, trotz eigenem Zimmer und Tür zu. Er war kurz davor wieder zurückzuziehen, denn dieses Leiden konnten wir nicht mit ansehen.
Am 31.12.2012 (also an Silvester mit viel Krach draußen) habe ich in seinem Zimmer laut gelesen und plötzlich kam er blinzelnd zu mir, schnurrte was das Zeug hält und ließ sich problemlos anfassen.
Von da an kam er recht schnell immer wieder zu mir, mein Männe hat ihn immer nur wieder unter den Schran vertrieben.

Daraufhin folgte nächtliches Schreien, weil er sich einsam fühlte alleine im Raum. Also kam eine Gittertür rein, damit wir mit ihm reden konnten. Diese Tür hat bereits in der 2. Nacht nicht mehr standhalten können, somit waren beide Kater nun im Vollkontakt. Woody hatte immernoch panische Angst vor meinem Männe, bei mir musste er immer wieder kurz nachdenken bis ihm einfie, dass ich ja die bin die ihn gestern schon schön gestreichelt hat. Mit unserem anderen Kater gab es riesig Krach. Also hatten wir nun einen Kater der sehr scheu uns gegenüber war und sich städig in der Wolle hatte mit unserem Alteingesesennen. Erneut stand Woody nach einer Woche bei uns wieder kurz davor zurückzuziehen.

Die Beiden Kater haben dann langsam einen Weg gefunden nebeneinander her zu leben und sich wo es ging aus dem Weg zu gehen. Woody kam gelgentlich zu mir und nahm die Wohnung langsam ein, mein Männe warseines erachtens nach immer noch der Teufel in Person. Nach ca. 1 Monat hatte sich diese Situtation dann stabilisiert, dass wir zumindest wussten was uns erwartet wenn wir Heim kommen. Bis eines Tages Woody anfing wild zu pinkeln, so viel konnte ich garnicht waschen. Damit kam die nächste Herausforderung, mit so einer Katze zum TA. Organisch war alles schick, daher sagte man uns, es muss wohl verhaltensbedingt sein. Ach ne!

Langsam aber sicher konnten wir Beide mit ihm umgehen, wobei Männe sich ja nicht bewegn durfte, dann war er weg. Das Geräusch Klingel hatte er bis dato auch gelernt. Klingel hieß min. 1h hinterm Schrank, das blieb 1,5 Jahre so, bis er nur noch ins Schlafzimmer ist, statt hinter den Schrank.

Nach und nach wurde das pinkeln weniger. Wir Beide durften immer mehr an ihn ran und Fremde waren mit gebührendem Abstand auch okay.

Heute haben wir einem Kater in Freigang, der im Bett schläft, der keineswegs mehr schreckhaft ist, der sich von leuten anfassen lässt die er noch nie gesehen hat, der seit 4 Jahren nicht mehr wild gepinkelt hat und extrem verschmust ist. Wir haben im Sommer runden Geb. im Garten gefeiert mit ca. 50 Leuten + Kinder, auch mit Tischtennis, Woody war mittendrin, keiner würde je glauben, dass dieser Kater 3 Tage unterm Schrank gelegen hat. Einzig und allein Tierarzt ist noch eine Tortur.
Was wir nun gemacht haben, dass er so geworden ist keine Ahnung, ich wollte nur berichten, dass es geht!
 
Goldkind

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:a005:

Ich danke euch für eure Geschichten!:d070:

Seit Samstag leben bei mir auch zwei Scheuchen und ich bin voller Hoffnung, dass ich ihnen ein schönes Leben schenken kann. Ihr macht mir Mut, dass die beiden es schaffen werden!
 
Stulle

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Wie wird denn bei euch "scheu" definiert? Mir wurde schon gesagt, Enti sei scheu weil er nach unserem Umzug nicht sofort aus der Box kam [emoji33] dabei ist er der meeeega Kontaktsuchti, er mag halt nur nicht jeden.

Dass eine Katze in fremder Umgebung nicht Graf Rotz raushängen lässt ist ja nun nichts ungewöhnliches, da würde ich nicht von einem Scheuchen reden.q
 
Goldkind

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Dario und Dakota wurden schon als Scheuchen von Mascha04 annonciert.
Bei meinem Besuch dort hab ich sie so gut wie gar nicht gesehen, Fremde sind ihnen ein Greul.
Sie haben jetzt fast 1 Jahr auf ein neues Zuhause warten müssen.
Hier sind sie so gut wie unsichtbar, fressen nicht und gehen nur nachts zur Toilette. Falls ich einen Blick auf einen von ihnen erhasche, sind die Augen weit aufgerissen, die Öhrchen stehen seitlich vom Kopf. Sie habben ganz schreckliche Angst. Daher übernehme ich den Begriff Scheuchen für sie - zumindest vorübergehen.
 
Lady of Camster

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Wie wird denn bei euch "scheu" definiert? Mir wurde schon gesagt, Enti sei scheu weil er nach unserem Umzug nicht sofort aus der Box kam [emoji33] dabei ist er der meeeega Kontaktsuchti, er mag halt nur nicht jeden.

Dass eine Katze in fremder Umgebung nicht Graf Rotz raushängen lässt ist ja nun nichts ungewöhnliches, da würde ich nicht von einem Scheuchen reden.q
Wie wird "scheu" definniert?
Ganz einfach: Eine Katze, der man sehr viel Geduld entgegenbringen muss, bis sie sich an bestimmte Situationen und Menschen gewöhnt hat.

Dass Bonny überhaupt inzwischen ab und zu mal sogar auf meinem Schoß liegt, bedeutet für mich einen enormen Fortschritt. Und das nach gut drei Jahren.
Auch dass sie endlich mal nicht mehr so panisch reagiert wenn andre Menschen in meine Wohnung kommen, oder es auch nur an der Tür klingelt.

Du machst Fortschritte mit Bacon. Wir mit unseren Katzen.
Mal Gegenfrage. Was verstehst Du unter "Scheuchen"?

Jeder sieht es aus einer andren Perspektive und aus andren Erfahrungen. Deshalb finde ich dieses Thema interssant.
 
Stulle

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Ich habe ja nicht umsonst nach eurer Definition gefragt ;-)

Für mich sind Scheuchen Katzen, die nicht "nur" Angst vor der neuen Situation haben, sondern vor Menschen an sich. Also so wie zB Bacon oder mein Expflegi Stella, die einfach Todesangst haben wenn es um Menschen geht.

Wenn die Katze eine Woche unter dem Sofa wohnt nachdem sie einzog, danach aber weitestgehend normal ist, Ost sie kein Scheuchen in meinen Augen sondern lediglich verunsichert und ja, auch ängstlich.
 
Goldkind

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Dann hoffe ich ja mal, dass die D's "nur" ängstlich, aber keine Scheuchen sind. Obwohl sie mich schon ziemlich gruselig finden :cry:

Und sollten sie Scheuchen sein, ist das auch nicht schlimm. Wir kriegen das schon hin! Zur größten Not steht THP bereit :mrgreen:

Ich hab mir in den Kopf gesetzt, dass die beiden ein tolles Leben haben werden, und das werden sie auch - was immer dafür nötig ist!
 
Neryz

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Patin
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Sie sind ja erst ganz kurz da ;-) und sie sind ganz jung. Sie haben alle Chancen, keine Scheuchen zu bleiben.
 
Goldkind

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Ja, ich denke, mit ganz viel Zeit und Liebe merken sie, dass ich nicht böse bin. Sie haben es ja auch bei ihrer Pflegemama gelernt!
Sie sind ja erst 15 Monate alt und erst seit 4 Tagen hier, da ist noch alles möglich!
 
Neryz

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Patin
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Dass DU kein böses Monster bist, werden sie sehr schnell kapieren ;-) gerade so ängstliche Tierchen schliessen sich oft ganz eng an ihren Menschen an. Schwieriger wird es meist mit anderen Leuten. Aber die sind ja eigentlich auch egal, nicht ? :mrgreen:
 
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Pah! Wen interessieren andere Leute?!?!?

Tailless konnte Fremde auch nicht ausstehen! Bei Besuch war sie verschwunden - wohin auch immer. Und ich finde es bei Freigängern auch nicht so gut, wenn sie offen auf Fremde zugehen. Da können schlimme Dinge passieren!!! Wenn sie nur wissen, dass ich nur ihr Bestes will und ihnen niemals etwas schlimmes antun würde, das sie mir vertrauen, das wünsche ich mir.
Aber Vertrauen muß man sich eben verdienen und das braucht Zeit. Das ist für mich absolut in Ordnung!
 

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