Zwei Sterne für Jule und Linnea.
Am Sonntag wurde Jule mal wieder sehr unsaft von ihrer Mama aus dem Kratzbaum gezogen und es war reiner Zufall, dass ich überhaupt im Raum war, sass ich den ganzen Tag in der Küche, um zu lernen und wollte nur kurz nach der Katzenfamilie schauen.
Jule tapste vor dem Kratzbaum umher und plötzlich, ohne Vorankündigung, krampfte sie. In sochen Situationen verhält man sich immer anders als man vorher annehmen würde. Seltsamerweise war ich ganz ruhig, legte meine Hand auf sie - bestimmt so ein Schutzmechanismus - und streichelte sie. Für einen Augenblick war alles still, dann war sie wieder da.
Ich rief schnell meinen Vater an. Klar, mein Auto war natürlich in der Werkstatt. Anruf im Tierheim - ich hatte die Nummer der Pflegekatze verlegt und die benötigt man, wenn man am Wochenende in die Tierklinik muss. "Oh, die kann ich ihnen jetzt nicht geben" - arhhhhhhh. Danke vielmals! Klinik angerufen: Soll ich mit der ganzen Familie kommen oder nur mit dem Kitten? "Hm, gute Frage ... (Pause) ... ich weiss nicht .... (Pause). In solchen Momenten kann ich sehr unangenehm werden. Ich sagte nur: Alles klar, ich pack die ganze Familie ein. Bis gleich. Aufgelegt.
Die Katzenmama weigerte sich jedoch, in die Tragebox zu gehen. Normalerweise ist das kein Problem. Man muss ihr nur Zeit lassen. Die Lütten rein, ihr 10 Minuten Bedenkzeit geben und dann sitzt sie in der Tragebox. Für dieses Spiel hatten wir aber keine Zeit. In der Hand meines Vaters krampfte Jule ein weiteres Mal. Heute bin ich mir fast sicher, dass das ihr erster Krampfanfall vor der Höhle war, denn danach was sie ausgewechselt, ganz ruhig und erschöpft, wenngleich sie sich nach jedem Anfall erholte und sich wieder normal bewegte - morgens beim Wiegen war sie noch die Alte, lautes Mautzen und schnell die Zitze der Mama suchen.
In der Praxis hatte sie wieder einen Krampfanfall, weshalb wir auch sofort zum Arzt konnten. Der war wirklich ganz toll, insgesamt habe ich einen guten Eindruck von dieser Tierklinik - sehr einfühlsame Mitarbeiter und kompetente Beratung. Die einzige Kritik ist, dass ich, als ich am Dienstag Jule abholte, ausdrücklich Nachfragen musste, wie ihre letzten Stunden waren und welche Massnahmen seitens der Ärzte eingeleitet wurden. Von alleine hätte man mir keine Auskunft gegeben. Ist es so selten, dass man sich über die genaueren Umstände erkundigen möchte?
Jule bekam Montag abend noch eine Antibiotikum, ohne Wirkung. Dienstag früh ist sie während eines Krampfanfalls verstorben. Schmerzen soll sie keine gehabt haben. Die Ursachen sind unklar, man müsse sie obduzieren, um die Ursachen abzuklären, ob das für die anderen Kitten von Vorteil wäre, ist fraglich - die Theorie habe ich zwar nicht ganz verstanden, aber ich hatte auch keine Kraft, das zu diskutieren. Jule hat nun einen schönen Platz in unserem Garten, mit Blumen und sogar einem Gartenzwerg. Ich ärgere mich, dass ich Linnea dem Tierheim gegeben habe, ich möchte nicht wissen, was sie mit ihr gemacht haben. Man muss nicht alles wissen.
Das Tierheim werde ich erst in den nächsten Tagen informieren. Die Mitarbeiter sind allesamt sehr sympathisch, doch ich war in der letzten Zeit sehr unzufriedem mit den zwei Tierarztbesuchen dort. Der Ofen ist diesbezgl. wirklich aus, wenn man noch einmal 90% der Zeit im Behandlungszimmer damit verschwendet, mir zu erzählen, ich solle mal locker bleiben und der Natur ihren Lauf lassen, statt ALLE Katzen anständig zu untersuchen, flippe ich aus. Das lag mir schon die ganze Zeit quer. Schön, dass sie so abgeklärt sind, aber ich bin es nicht und ich schleppe sicher nicht aus Lust und Laune eine Katzenfamilie zum Arzt. Man verwechselt auch immer die Anzahl meines Nachwuchses, mal sind es zwei, dann wieder vier, usw. Ich weiss um die unterschiedlichen Perspektiven - ich als Pflegestelle habe meinen Nachwuchs lieb gewonnen und möchte, dass sie bestmöglichst behandelt werden, wenn es ihnen nicht gut geht und ich möchte, dass sie leben! Das Tierheim wiederum sieht täglich das Elend, eine Katze weniger bedeutet weniger Elend - traurig, aber wahr.
In dieser Hinsicht muss ich mir noch ein dickeres Fell zulegen, wenn ich mich weiter als Pflegestelle zur Verfügung stelle - bislang sehe ich keinen Grund, es nicht ein zweites Mal zu machen. Ob es allerdings im nächsten Jahr eine zweite trächtige Katze wird, weiss ich nicht, eher nicht. Ich weiss momentan nicht mal, was mich noch alles in den nächsten Wochen erwarten wird - Freude und Leid sind nah beieinander.