Meine Freundin behauptet, er riecht wie Jack Sparrow und sieht nicht annähernd so aus wie Jonny Depp.
Ach, die hat doch keine Ahnung!
Vor allen Dingen ist sie recht frei von Wissen, was Geschmack angeht.
Sie ist die, die Haute Couture mit Creme Brulee verwechseln kann.
Wie oft sagt unser Zweipfotiger zu ihr:„Musst Du Dich noch umziehen?“
Das sagt doch alles.
Unsere Geschmäcker sind noch nie konform gelaufen, eher voreinander weggerannt.
Ich denke, es mag daran liegen, dass sie nur zwei statt vier Pfoten hat.
Da fehlt ihr was.
Sonst hätte meine Freundin einen Ehemann mit mehr Haaren an den Ohren und würde statt nach Armani nach meinem Lieblings- Oidemöff riechen. Wie gesagt- Geschmackssache eben!
Es war vor einiger Zeit, als er für mich, so schien es mir, vom Himmel fiel.
Meine Freundin murmelte bei seinem Anblick etwas von Misthaufen und Nachbarschaft…
Der Streuner bekam sofort von ihr einen Namen auf sein räudiges Fell gestempelt: Obi Wan Kenobi.
Eben der Jedi Ritter aus der Nachbarschaft.
Er wirkt wie Käptän Ahab, nur ohne Holzbein. Er strahlt eine Art von Verwegenheit aus- einmalig!
Dieser entschlossene Blick aus diesen tollkühnen Augen- einmalig!
Ich glaube, er hat schon so manches Abenteuer überstanden.
Als ich ihn im tiefsten Winter kennen lernte, stand ihm ein Fangzahn waagerecht aus dem Maul.
Das rechte Auge mit Trübheit geschlagen, aber ein Charakter ohne Trübsal.
Furchtlos wie der letzte Ritter, nie am Rande einer Kapitulation.
Immer den Blick geradeaus in die Welt.
Diese seine Welt umfasst, seit unsere Wege sich im Garten kreuzten, denselbigen und mein liebliches Erscheinungsbild.
Die Kombination im Mondenschein muss bezaubernd auf ihn wirken, wie Circe auf Odysseus.
Ich bin seine Prinzessin auf der Erbse, sein persönliches Tageshighlight.
Sein leuchtender Stern am Nachthimmel.
Ach, ich alte Romantikerin, könnte ewig so weiterschwelgen.
Auf leisen Pfoten stellt er mir nach, fast lautlos.
Unsichtbarer Atem, der mir entgegenschlägt, nicht wirklich appetitlich.
Aber ich möchte es als verwegen bezeichnen.
Er lauert mir an jeder Ecke und Kante auf.
Mit einem freundlichen Gegurre begrüßt er mich bald tausend Mal am Tag.
Er stellt mir nach, säuselt mir in seinen schwachen Minuten romantische
Angebote in meine empfindlichen Ohren, die mich weder interessieren, noch, dass ich sie hier erwähnen würde.
Er ist zu kühn, furchtlos und- stinkt.
Aber so sind sie, die coolen Typen.
Sie riechen nach Wald und stecken voller Zecken und Abenteuer.
Ja so ist er, mein Jedi Ritter.
Ich bin seine Lady Lillie und er mein Obi Hood.
Und wenn er mir zu sehr auf den Keks geht, zeige ich ihm mal meine dunkle Seite der Macht und dann gibt’s was auf die verwegene Fresse.