Na endlich. Niemand hätte damit gerechnet und so manche haben sie aus ihren Gedanken verdrängt; sind zu einem normalen Leben übergegangen.
Aber heute Morgen kamen die Erinnerungen zurück und die Angst, dass etwas passieren könnte war auf einen Schlag wieder da. Die kriechende Vermutung, die stumme Beklemmung, die dich plötzlich heimsuchen kann. Wir hatten sie alle vergessen und aus unseren Köpfen verbannt. So etwas passiert nur anderen.
Nun, seit heute Morgen atme ich wieder tief und entspannt durch. Wieder eine Sorge weniger.
Anna- Konda ist wieder da und in Gewahrsam. Das ist mal eine gute Nachricht. Wie kann Schlange auch so blöd sein, es sich auf einem Ast in der Sonne gemütlich machen. Dann kommt ein Zweipfotiger auf einem Zweirad ( die können wohl nur bis zwei zählen...) und schuppst sie in eine Tonne.
Das wars- rienne wa plü, ne?!
Ich gebe zu, Schadenfreude ist nicht die reinste Form des angenehmen Herzsprungs. Angesichts der Sorgenbrocken von meinem Herzen darf auch eine Priese Schadenfreude nicht fehlen!
Aber wie allen Pfotigen (egal wie viele Pfoten sie besitzen) steht schicksalsmäßig fest, dass niemand aus dem so genannten „Sorgen machen“ heraus kommt.
Über irgendetwas muss sich die klar denkende und sich sorgende Katz immer sorgen.
Letzte Woche kam der Bruno und hatte sich auf das Übelste Verletzungen zugezogen, Verletzungen solcher Art, wo sie im Emergency Room sofort nach Amputation gerufen hätten!
Obwohl er sich, wie ich es auch getan hätte, gegen den Arztbesuch wehrte, wurde er von meiner Freundin in die Kiste verfrachtet und ins Auto gepackt. Ich weiß, dass so eine tiefe Wund Schmerzen bereitet, die nur mit äußerster Contenance ertragen werden können. Er hatte sich wahrscheinlich an einem Stacheldraht die linke Hinterpfote aufge...- ich will fast behaupten- sprengt und halb weg gefetzt.
( fast so dramatisch wie die Gespräche über Tod und Krankheiten der älteren Damen- mit Hut- in den einschlägigen Cafes. Wie die in Ruhe noch ihre Sahnetorte verschlingen können, verstehe ich nicht.)
was folgte war eine Narkose und ein gekonntes Zusammenflicken der Pfote durch unsere Haus- und Pfotenärztinnen, genäht mit ca. fünf Stichen.
Der arme Bruno ist nun Träger eines dicken schwarzen Verbandes, der jeden zweiten Tag gewechselt werden muss.
Meine Freundin spinnt. Wenn der Verbandswechseltermin ansteht, darf niemand hinaus, sondern wir alle müssen warten, bis sie mit dem Bruno wieder zu Hause ist.
Dann riechen beide so unangenehm nach Tierarzt und Desinfektion mit einem Hauch von unterschwelliger Kötermarke.
Ich muss den Bruno bewundern, dass er trotz der schlimmen Verletzung sein Schicksal erträgt und sehr gefasst, wie Kapitän Ahab durch die Weltgeschichte humpelt.
Aber wie oft habe ich ihm schon nahe gelegt, dass er nicht durch jede Ecke kriechen soll und aufpasst, wo er seine Pfoten hintreten lässt.
Wenn er wieder gesund ist, werde ich mit ihm einen langen Spaziergang machen.
Solange Bruno seine Zeit mit Verbandwechsel verbringt spielen wir, die Zurückgelassenen den großen Literaturklassiker auf unserer Bühne :
Moby Dick