Ups, so schnell kann’s gehen; endlich wieder freie Sicht auf alles was hügelig ist. Keine Chance für irgendwelche vierbeinigen Häppchen sich unter der weißen Pracht zu verstecken. Da hat wohl jemand die flauschige Decke weggezogen.
Von der anderen Seite betrachtet, die meiner Freundin, schien alles so aufgeräumt. Wenigstens außer Haus.
Der Nachteil ist, dass die Autofahrer nun wieder meinen, zu fahren wie die Berserker.
Richtung Golfplatz...
Die unsrigen Zweibeinigen halten oft genug die Luft an, wenn wieder so ein Automobil die Strasse herunter oder hinauf rast, mit gefühlten siebzig Kilometern die Stunde, obwohl nur dreißig erlaubt sind.
Da werden wir uns ewig aufregen und es wird sich nichts ändern.
Nun Golfspielen im hohen Schnee scheint auch für mich etwas zu kontraproduktiv.
Weiße Bälle auf weißem Schnee ist eben nichts für Jedermann. Obwohl dort behauptet wird, dass Jedermann herzlich eingeladen ist mit ihnen die Stöcke zu schwingen. Ich werde es Herrn Jedermann ausrichten, wenn ich ihm begegnen sollte.
Wir die Katzenartigen sind ja eher reine Opportunisten in eigener Sache; und sicher auch die reinsten Einzelgänger. So wie wir hier wohnen, scheint es eher eine Ansammlung einer Zusammengewürfelten Bande von Einzelkatzen zu sein. Die Ursache ist wohl das ungebrochene Helfersyndrom, an dem meine Freundin schon seit Jahren leidet. Ich kann sogar behaupten, dass es über die Jahre immer schlimmer wird. So ein weiches Herz wird noch weicher, muss sicher auch an der Schwerkraft liegen.
Gut, dass niemand sie dabei beobachtet, wenn im Film nicht zuerst die Hunde gerettet werden. Das finde ich als Katze mehr als übertrieben.
Menschen können so peinlich sein...
Aber ich habe beobachtet, dass es bei uns eine Tafel für bedürftige Katzen gibt.
Sie hat sie mal eben aus dem Boden gestampft und allen erklärt, dass sie auch den schlimmsten Haudegen aus der Nachbarschaft nicht verhungern lassen könnte; besonders nicht bei diesem schrecklichen Wetter.
Obi Wan, so hat sie ihn getauft, weiß nun ganz genau, wann die Tafel geöffnet hat und zu welcher Zeit es für ihn was zu fressen gibt.
Wenn ich ihm so ganz ungeniert von drinnen nach draußen bei seinem Mahl zuschaue, merke ich, dass auch mein Katzenherz ein klein bisschen erweicht, wenn er schlingt, als wenn es morgen nichts mehr gäbe.
Da bin ich doch froh, in diesem Opportunistenhaufen untergekommen zu sein. So ein Leben auf dem richtigen Bauernhof wäre gar nichts für mich. Ich bin so allergisch gegen Ratten und habe eine leichte Heuallergie. Außerdem darf Katz dort sicher nicht die Hausschwelle übertreten, geschweige denn eine Pfote auf das Sofa setzen.
Irgendwie treibt mich ein kleines Hüngerchen, die Aussicht von meiner Weichherzigen etwas zu ergattern, steht auf hundert Prozent.
Wo ist sie nur?
Wenn sie den Knoten aus den Beinen bekommen hat und die Jungs aufgehört haben sich zeitgleich, aber vor Lachen, auf dem Boden zu wälzen, sollte sie mir erklären, was mein Leckerchen mit Herrn Pilates zu tun hat. Ich hoffe nur, dass der Kerl nicht auch noch an unser Fressen geht...(2010)