Katz muss es ausnutzen. Altweibersommer von seiner schönsten Seite.
Klare und laue Nächte wie gemalt. Uhus uhuhen in die Dunkelheit und die Sikaböcke schlagen in der Stille ihre Geweihe aneinander um sich zu messen.
Geheimnisvolles Geraschel im Laub. Uhuschreie und Laubgeraschel sind etwas Gruseliges, wenn Katz es nicht kennt.
Was hilft gegen Unkenntnis? Nächtliche Expeditionen ins Tierreich. Information ist alles, wenn Katz mitreden will.
Meine Freundin ist da ganz anderer Meinung. Aber was will ich machen?
Der Bruno ist beim „aushäusig bleiben“ um ein Vieles geübter. Meine Freundin glaubt, nur weil ich ein Mädchen bin und so zierlich, kann ich nicht mal eine Nacht alleine und im Freien verbringen. Letzte Woche habe ich ihr ein paar Mal das Gegenteil bewiesen.
Durch das dämmerige Unterholz bin ich geschlichen, obwohl das Schleichen an sich, im Herbst eine echte Herausforderung ist, besonders was die Lautlosigkeit angeht. Aber ich habe kein Problem lautlos zu sein. Wir sind an sich Lautlose Wanderer. Besonders in der Nacht, wenn die lauten Tagesgeräusche verebbt sind, kann ich endlich meine eigene Lautlosigkeit hören. Das ist auch wichtig, die eigene Lautlosigkeit zu überprüfen.
Der Max muss das auch noch üben, der hat arge Schwierigkeiten mit seiner Lautlosigkeit. Oft ergeht er sich in logorröhischen Selbstgesprächen, weil die Mäuse nicht so wollen, wie er. Wir sind schließlich nicht im Schlaraffenkatzenland, wo ihm die Mäuschen in die Schnauze wandern. Der ist sowieso einer von der verfressenen Sorte und, auch wenn ich ein Auge zudrücke, stelle ich fest, dass der Max recht dicklich geworden ist. Der sammelt wahrscheinlich schon Fettpolster für den Winter.
Mann könnte ihn auch einen „strammen Max“ nennen...
So wie manche Zweipfotigen schon anfangen zu sammeln, vor- vor weihnachtliche Kalorienbomben in Form von Spekulatius und Zimtsternen. Die spinnen, die Menschen!
Mein BMI ist vollkommen ok, ich hatte sowieso nicht vor auf dem Catwalk von Madrid zu spazieren!
In der Nacht bin ich so einem riesengroßen stachelig rundlichen Untier begegnet, was schnaufend und schnuppernd durch das verlaubte Unterholz stiefelte. Erst habe ich mich ganz schön erschrocken, bis ich merkte, dass die Stachelkugel mehr Angst hatte als ich. Ganz höflich bin ich geblieben, weil der weder nach Hund noch nach sonst unangenehmen Gesellen roch.
Als wir beide uns von dem Begegnungsschrecken erholt hatten, unterhielten wir uns noch eine kleine Weile, bis er unbedingt weiterziehen wollte.
Er hatte eine recht hektische Art an sich, sprach leise und getrieben und suchte nur was Essbares. Ich glaube, dass er mich nicht einmal richtig angeschaut hat.
Vielleicht begegnen wir uns beim nächsten Mal, wenn ich auf der Suche nach meiner eigenen Lautlosigkeit bin.(2006)