Wir hörten von Wanderratten, Wanderheuschrecken, allerlei
Wandervereine, Feivel- den Mauswanderer, von Wandergesellen,
Wanderzirkussen oder auch Vögel, die im Herbst wandern (die fliegen
wohl eher...)
Kürzlich wurden auch Nacktwanderer am Möhnesee gesichtet.
Menschliche Wandersburschen und Gesellinnen, so ganz ohne was an.
Auf so einen unappetitlichen Anblick möchte ich verzichten. Warum
laufen die nicht bei sich zu Hause nackig durch die Walachei? Ich glaube,
dass es ihnen zu peinlich ist, weil sie Angst haben, es könnte sie ein
zweipfotiger Nachbar identifizieren. Wahrscheinlich ist das schwieriger,
als wenn sie angezogen wären, da könnte Mensch sie wenigstens noch
am schlechten Geschmack erkennen.
Ich weiß aber nicht, warum diese Nacktbrüstigen bei uns die Flora und
Fauna in Angst und Schrecken versetzten. Ich bin nicht dafür.
„Bitte immer dem ersten Hintern folgen“ – unfassbar!
Bevor ich vom Eigentlichen abkomme:
Wir haben auch einen Wandersburschen.
Der Matthes hat die Sportart „Walking“ für sich entdeckt. Diese ist rund
um den See sehr populär, in Form von quatschenden Zweipfotigen, die
am frühen Morgen die Promenade überschwemmen.
Abgesehen davon, dass der Matthes nicht der Freund großer Worte ist,
wandert er einfach seiner Nase nach. Der Weg durch den Garten, durch
den Wald, hoch zum Schloss; ein wenig durch den Park flanieren, immer
mit einer gewissen Grazie und nie den Rasen betretend. Und dann?
Weg. Ab durch die Hecke zur Villa der gnädigen Krähe, Gott hab sie
selig. Dort wimmelt es von Hühnern, Schweinen, mit Hängebauch,
kläffenden Kötern und zwielichtigen Hausverwalterinnen.
Ist er dort oder wandert er weiter? Wenn wir das wüssten...
Fragt ein Zweipfotiger, ob er wieder da ist, kann Katz danach gehen,
dass er schon wieder weg ist.
Nach endlosen Wartetagen einfach so erscheinen, ob nichts gewesen sei,
den Bauch voll schlagen, ein paar Runden schmusen und schlafen und
am anderen Morgen: weg, wie lange? Niemand weiß es und ich glaube
am allerwenigsten der Matthes selber.
Unsere Frau Knoche (Gott hab sie selig) hätte gesagt:“ da haben die
Zutaten gefehlt“. Andere böse Zungen behaupten, dass er nicht alle
Tassen im Schrank hat. Niemand weiß wirklich, wie es ist.
Meine Freundin meint, er sei ein bisschen zurück geblieben, unser
Zweipfotiger ist entschieden anderer Meinung, dass der Mucke
oberschlau ist. Kann sein, aber dann so heimlich, dass es niemand
bemerkt...
Ich habe ihn beobachtet. Er ist nicht wirklich ein Wanderer; er ist ein
Schlenderer. Er ist so eine Art von Hippie- Schlenderer, den nichts und
niemand aus der Ruhe bringen können. Ich glaube, dass er der Autist
unter den Schlenderwanderern ist.
Nicht, dass ich mir Sorgen mache, wenn dieser kleine Kerl das Weite
sucht.
Wenn er das macht, kann er natürlich lange suchen. Das Weite befindet
sich überall und nirgends und je näher Katz ihm kommt, desto näher
wird das Weite. Also, zuzutrauen ist es ihm. Der Matthes ist ein
gutgläubiger kleiner Kater, dem noch nichts Schlimmes widerfahren ist
und der alles glaubt, was er hört.
Ich habe aufgegeben mir um die kleine Moppelkotze Sorgen zu machen.
Es reicht, wenn die Zweipfotigen diesen Part übernehmen.
Wir werden sehen, wann die kleine Wandermucke dieses Mal den
Heimweg findet...
Ich für meinen Teil liebe die Bequemlichkeit. Deshalb hat mich der liebe
Gott in diese Familie gesteckt und ich bin keine Bauernkatze geworden.
Es ist nicht auszudenken, was aus mir geworden wäre, so ohne Polster
und ohne sanftes Ruhekissen. Da will ich gar nicht anzufangen darüber
nachzudenken.
Ich will nicht ausprobieren, wie weit mich meine Pfoten tragen würden,
nur der Gedanke an unbekannte Krümel zwischen meine empfindlichen
Pfotenballen, da kräuselts mir sämtliche Nackenhaare!
Von dieser ganzen Wandertheorie geschwächt, ziehe ich es vor, etwas
mein Ruhekissen zu erwärmen und zu gucken, wie weit die Träume
tragen...