Meine Premiere in diesem Unterforum, dafür wird sie angemessen lang.
Vorab: Der kleine Engel ist bereits vor sechs Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen. Er ist gut angekommen und wir haben unseren Frieden damit geschlossen. Da aber ein ehrbürdiger Nachruf überfällig ist und wann wenn nicht an einem ereignisreichen Datum wie heute...
Am 3.10.2012 haben wir uns in der Pflegestelle wo unser Bommel herkam (Frühjahr 2012) erkundigt ob nicht ein passender Kumpel vorhanden wäre.
Wie der Zufall so kommt gab es sogar drei Kandidaten. So sind wir am selben Tag noch abends vorbei gefahren um uns die potentiellen Kadidaten an zu sehen. Auch wenn sechs Jahre nicht die Welt sind kann ich mich kein Stück mehr an zwei der drei erinnern aber an beinahe jedes Detail des ersten Aufeinandertreffens mit Zorro, der dort noch Nero hieß.
Die Dame vom Tierschutz hat uns alle drei gezeigt die frei in der Wohnung herum liefen aber noch distanziert zu uns waren (neben viiieeeelen anderen Katzen).
Während ich so mit der Frau sprach über das Für und Wider der drei Chraktere hat mein Freund ausgiebig mit Zorro gespielt.
Zorro kam von der Straße, wurde auf mindestens 10Jahre geschätzt und hatte böse verkrustetes Fell, noch dazu war er schwarz. Ein Kater den Niemand nehmen würde wenn es nach Äußerlichkeiten und stumpfen Informationen geht.
Ich war gerade dabei die Informationen zu verarbeiten und mich auf die drei einzustellen. Jedem wollte ich in die Augen schauen, jeden wollte ich ansprechen, jeden wollte ich mit den anderen Katzen beobachten. Aber Willi will war gestorben als mein Freund sagte "Der da". Ich habe ihm meine Bedenken geäußert da Zorro zu alt und zu ruhig war für Bommel. Aber es war der typische Fall von "er hat uns ausgesucht". Also ab in eine geliehene Box uns los.
Zu Hause angekommen, mit null Erfahrung über Vergesellschaftung, den Zorro aus der Box gelassen. Das lief Anfangs gut. Zorro hat völlig relaxed die Wohnung erkundet und Bommel ist neugierig aber freundlich hinterher. Nach gut 1h gabs dann aber riesen Gekreische. Bommel saß mitten im Schlafzimmer und Zorro stand schnüffelnd vor ihm, das nahm Bommel zu Anlass zu kreischen.
Also haben wir den armen Zorro, der an diesem Tag schon so viel durch hatte panisch ins Gästezimmer verfrachtet. Für heute sollte er erstmal ankommen.
Am Folgetag kam die Gittertür, die aber nur zwei Tage benötigt wurde. Nach einer Woche waren die Beiden dann Arxxx auf Eimer. Wir hatten also doch richtig gewählt!
Das Glück war perfekt bis... ja bis der Tag kam an dem Zorro sich erbrach. Zorro hatte gut zugelegt, der hagere Kater hatte gut gefuttert, das Fell war deutlich besser und er hatte ein richtiges Bäuchlein bekommen.
Am Folgetag wollte er nicht fressen und war sehr ruhig. Am zweiten Tag wollte er immer noch nicht fressen. So war uns klar es wird auf Tierarzt hinaus laufen.
Beim Tierarzt wurde über 40 Fieber festgestellt und Blut abgenommen. Er bekam eine Spritze mit Fiebersenker und eine mit AB, dann gings nach Hause. Zu Hause angekommen hatte Zorro nicht nur Appetit sondern kohldampf.
Die folgenden Tage bekam er AB oral aber nach zwei Tagen ging es ihm wieder schlechter. Also wieder ab zum Tierarzt, wieder wurde Fieber festgestellt, wieder gab es Fiebersenker. Dann kamen die Blutergebnisse... der Corona-
Titer war sehr hoch, eine Verschiebung der Erythrozyteverteilung zu sehen und ein verdächtiger A/G Qoutient. Unser Katerchen bekam den Stempel
FIP und das nach gerade mal 5 Wochen in einem warmen Heim wo er geliebt wird.
Sein ganzes Leben musste er sich auf der Straße durchkämpfen, jetzt wo es bergauf gehen sollte das.
Die folgenden vier Wochen haben wir gekämpft, uns an jeden Strohhalm geklammert. Den Test wie er heute angeboten wird gab es damals nicht, so blieb uns nur alles andere auszuschließen. Wir hätten weiter gekämpft nicht für uns, für ihn, er hatte einfach noch etwas mehr Zeit in einem glücklichen Umfeld verdient.
Irgendwann kommt aber der Punkt an dem einem die Zeit davon läuft. Diese Zeit hatten wir nahezu erreicht. Als uns das bewusst wurde haben wir eine Entscheidung gefällt. Zorro hatte noch drei Tage nur bei uns zu Hause, keine rumfahrerei, keine Tierärzte, keine Spritzen.
Bis hierhin ging mir der Text gut von den Fingern...
Am 7.12.2012 hatten wir eine Verabredung. Unsere Verabredung klingelte an der Tür. Zorro lag auf seinem Stuhl im Gästezimmer, sein Platz in der Sonne und döste.
Alle gemeinsam gingen wir ins Gästezimmer und schlossen die Tür hinter uns. Herrchen und Frauchen wurden aufgeklärt was jetzt passiert, während Zorro friedlich döste um Kräfte zu sparen.
Es hätte gut 15 Minuten dauern sollen bis er eingeschlafen war, tatsächlich war er nach 2 Minuten weg. Zorro war am Ende seiner Kräfte und es war eine Erleichterung für ihn.
Bommel war nun wieder alleine und wir als frische Katzeneltern geprägt.
Manchmal ist es einfach nicht fair.
Und doch hatte Zorro nochmal ein paar Wochen erleben dürfen wie es ist geliebt zu werden.