Das große Rooouuhh ist unterwegs

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Taskali

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Wie kann ich es fassen? Wie es begreifen? Es ist nicht fassbar, nicht akzeptierbar… und doch ist es so… Mein Prinz hat sein Königreich verlassen, die Prinzessin ihren Prinzen rettungslos verloren, verwaist… Wie soll es weitergehen für sie, für uns - ohne ihn?




Vor 10 Jahren saßt du einfach da, mitten im schlimmsten Gewittersturm… verlassen und hilflos… kleiner Kater der vom Himmel fiel. Anfangs dachte ich noch, dass du dich verlaufen hättest und du sicher bald wieder von glücklichen Leuten abgeholt werden würdest, doch nach und nach dämmerte mir die Wahrheit: an jenem Abend wo du auftauchtest stand der Transporter von der Katzenhilfe hier vor der Tür…. Kitty Berlin hatte mir eine Zähmungskatze gebracht – die erste einer langen Kette. Und da hat jemand seine Chance gerochen dich günstig und einfach loszuwerden…






Der Anfang war nicht einfach – panisch warst du ohne Ende und mußtest überall markieren um dich selbst mit deinem Duft zu beruhigen. Viele Tricks mußte ich mir einfallen lassen um dich aus deiner Angst zu holen. Aber mit deinem rauhen Angsthasencharme hattest du uns schnell um den Finger gewickelt und durftest die Festanstellung bekommen als Mann des Hauses – trotz allem. Und jeder, er dich später sah sagte: „Na den hätte ich auch genommen...“ und ich hab mir immer nur gedacht: hättest du nicht, wenn du ihn hättest selbst therapieren müßen… Schönheit ist eben nicht alles..




Ich hatte vorher noch keinen Kater gehabt und konnte mir nicht vorstellen einen haben zu wollen, Schildpattmädels sind doch mein Ding, nicht schwarze Kater… Und jetzt weiß ich nicht, wie es ohne Dich weitergehen soll…




Dein Name war schnell klar als du anfingst mit uns zu erzählen…. Maaaa..Rooouuu ertönte es immer sobald du uns erblicktest. Wie werde ich das vermissen, wenn dein Maaa ertönte und du angaloppiert kamst – um dich mit einem lauten Rooouu mit deinem ganzen Schwung und Gewicht auf einen zu werfen. Jetzt gehe ich durch den Garten und warte auf MaaaRooouu … das nie wieder kommen wird.




Als Kind wollte ich immer ein Friesenpferd haben, mich fasziniert bis heute die Schönheit dieser schwarzen Kraftvollen Körper mit den langen Mähnen. Ich brauchte kein Friesenpferd mehr, denn ich hatte ja nun einen Friesenkater… was für ein eindrucksvolles Bild, wenn du auf einen zugallopiert kamst und dein Fell dabei wehte… soviel Kraft und Eleganz…




Du hast sie immer alle
bekommen mit deiner wunderbaren Mischung aus leicht Machohaften Charme und liebevoller Umgarnung – Mensch wie Katze. Du liebtest es deine Beute nach Hause zu bringen und dann den Mädels zu präsentieren und zu überlassen und dich dafür bewundern zu lassen… stolzer Prinz in seinem Revier, der sein Harem versorgt. Anfangs hast du so eine Angst vor draußen gehabt, hast mit deinen Krallen Bremspuren in den Holzdielen hinterlassen wenn du in Panik reingerast kamst weil draußen eine Krähe zu laut gekrächzt hat. Ich mußte mit dir das Draußen sein üben – zu tief saß das Trauma der Gewitternächte allein im Gebüsch.





Doch dann drehte sich das Blatt und du wurdest zum Extremfreigänger. Nichts konnte dich drinnen halten, weder Regen noch Schnee noch deine diversen Wunden und Verletzungen die du dir auf deinen Streifzügen und Revierkämpfen holtest. Nicht einmal als du dir das Bein gebrochen hattest warst du drinnen zu halten, flutschtest den Kindern durch die Tür und humpeltest eben auf drei Beinen dein Revier ab.






Wenn du dann reinkamst, pitschnaß, dein Fell völlig verfilzt von Kletten aller Größe und Art, einen Ast in deinem Schwanz hinter dir herschleifend und dich dann glücklich einem in den Arm warfst, dann fragte ich mich immer wer um Gottes Willen auf die Idee gekommen ist einen Langhaarkater in den Freigang zu entlassen… Wer bringt mir jetzt den Wald nach Hause?





Wenn du richtig in Kuschellaune warst, dann schawenzelst du maazend um einen so lange herum, bis man Dich auf den Arm nahm und dann wie ein Menschenbaby im Arm hielt beim Streicheln. Man konnte den großen Körper mit nur einer Hand komplett festhalten und mit dem anderen Streicheln. Dann warst du völlig hin und weg, kriegtest dich nicht mehr ein…. Mein Einhand-Kuschel-Kater…. Wie oft bin ich wegen dir irgendwo zu spät gekommen, weil ich dich erst noch kuscheln mußte..





Derb mochtest du es – das Streicheln – so richtig mit Druck und Kraft… sanft kuscheln ist schließlich was für Mädchen, richtige große Kater brauchen es doll.





Aber trotz allem Charme bist du tief drin immer ein Angsthase geblieben. Großer Macho mit großem Herz und kleinem Mut. Du hast immer Bestätigung gebraucht – man mußte dir sagen, dass du ein großer schöner stolzer Prinz bist, dann bist du zu innerer Größe aufgelaufen und dein Schritt war federnd, der Schwanz hocherhoben – so muß ein stolzer Prinz aussehen ..





Ja mein Rou, du bist der Größte, Schönste und Beste – auf ewig – das ist Versprochen.






Gegen Klein Lina hast du dich immer getraut aufzumucken, da hast du deine ganze Kraft eingesetzt um ihr klar zu machen, dass auch Emanzenkatzen den Prinz als diesen anerkennen müßen. Eure kleine Dauerfehde hat mir jahrelang Kopfschmerzen bereitet. Doch ich wußte immer, dass es kein echter Fight ist, sondern ein ebenbürtiges Ausfechten von zwei Dickköpfen, die sich eigentlich aber trotzdem als zusammengehörend akzeptierten. Und richtig: wenn es einem von euch nicht gut ging, dann wart ihr plötzlich friedlich und konntet sogar Nasenküßchen austauschen. Wenn ein echter Kampf anstand mit einem echten Reviergegner, dann verließ meinem Softmacho der Mut und er flüchtete unter die Couch. Dabei hättest du mit deiner unglaublichen Kraft und deinen riesigen Bärentatzen gute Chancen auf einen Sieg gehabt. Aber dessen warst du dir nicht bewußt… Nur einmal habe dich erlebt, wie du dich einem echten Gegner mit voller Absicht entgegengestellt hast – als du Teufelchen die Leviten gelesen hast. Ab da hatte sie es begriffen…




Deine großen Tatzen habe ich so oft bewundert… so riesig, so kräftig und doch so weich und sanft.





Egal wie sauer du auf mich warst, weil ich wiedermal an dir rumzotteln mußte um Kletten aus dem Fell zu holen oder Verfilzungen rauszumachen – nie hast du mir ernsthaft wehgetan, du hast deine Krallen nur soweit in meine Haut gesenkt, wie zur klaren Ansage: jetzt ist genug! ausreichte, dadrüber bist du nie gegangen.





Ich hätte dir immer gern einen Katerkumpel zum Raufen gegönnt, aber alle anderen Kater machte dir zuviel Angst und du mußtest markieren. Ich wußte immer ganz genau wann ein neuer Kater im Revier aufgetaucht war: Marou markiert wieder? Da muß wohl ein Neuer sein… Aber die Mädels liebten dich, alle. Ich hab dich gern mal zu den Pflegimädels reingeschickt – es dauerte meist nicht lang und sie klebten an dir und tauten dadurch schneller auf.

Allen voran natürlich Tara – deine Prinzessin, deine Frau. Sie hängt so sehr an dir, akzeptiert und will nur dich, alle anderen sind ihr Schnurz. Wie oft habe dich geschickt sie suchen gehen – und jedesmal kamst du dann nach 1,2 Stunden mit ihr zurück.






Sie braucht dich doch! Sie verliert sich doch in der Weite ohne Dich! Meine Angst war immer, dass du vor ihr gehst… und nun ist sie wahr geworden. Mein Liebespaar ist getrennt, Tara allein… das geht nicht – wie soll das gehen? Wer gesehen hat mit welcher unglaublichen Inbrunst sie dich liebt, dich umgarnt hat, sich dir immer und immer wieder an den Hals geschmissen hat, bis du ihr genervt ein paar verpasst hast, um keine Minute später wieder an dir zu kleben. … Sich dann dicht mit dir zu einer einzigen schwarzen Kugel zusammengerollt hat, so dass nicht mehr zu sehen war, welches Körperteil zum wem gehört, dabei schnurrend an dir rumtretelnd… der versteht meine Verzweiflung. Ich weiß nicht, was werden soll..

















Du bist erst ein paar Stunden weg – das warst du oft auf deinen Streifzügen – doch das Haus fühlt sich jetzt schon leer an, ich vermisse dich mein Prinz, mein wunderschöner stolzer Prinz of Rou…

mein Marou.





Und doch werde ich dich loslassen… loslassen müßen… der Krebs gab dir keine Chance… Diesmal war es kein Abzeß, kein Revierkampf, sondern Krebs… Analbeutelkrebs mit Streuung in der Lunge. Du hast dir nichts anmerken lassen, keine Atemnot, nichts, bist draußen rumgerannt wie all die Jahre zuvor, obwohl deine Lunge praktisch kein Volumen mehr hatte. Da warst du tapfer, wolltest dich nicht unterkriegen lassen, hast nichts gezeigt.. nur die blassen Schleimhäute verrieten, dass da was nicht stimmt… Ich hoffte noch auf eine regenerative Anämie und einen schlecht heilenden Bißabzeß, konnte und wollte es nicht wahr haben, aber das Röntgenbild hat eine klare Wahrheit gesprochen…

Einen letzten schönen Morgen draußen durftest du noch erleben,











hast dich von allen verabschiedet, Tara hatte noch eine Nacht mit dir und dann mußtest du gehen…







Nun liegst du neben Chiara im Garten… im März hattest du mir die Stelle gezeigt, aber ich konnte oder wollte es nicht verstehen…





und den Platz daneben lasse ich frei…. Bis Tara dir irgendwann folgt.


Ich versuche stark zu sein, ohne meinen Rou weiterzumachen… die erste Nacht ohne meinen Marou ist vorbei und die Sonne ist trotzdem wieder aufgegangen…. Aber es regnet, es ist trüb und kalt… mein Schmerz ist unfassbar, mein Wunsch dich wieder bei mir zu haben so groß, doch es ist wie es ist, wir werden nun ohne unseren Mann weitermachen müßen. Lauf mein Schöner, mein wunderbarer schwarzer Prinz, jetzt hast du die ganz große Freiheit, schau nicht zurück… aber schau ab und an nach Tara … und schick sie nach Hause…









Ich liebe Dich mein Prinz



 
16.05.2019
#1
A

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Gast

Ich kann dir den Ratgeber von Gerd empfehlen.
Eventuell hilft dir das ja bei deinem Problem.
claudiskatzis

claudiskatzis

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Fühl dich herzlichst gedrückt :d038:
Mach’s gut Marou 🌈
🕯
 
Kleine Mia

Kleine Mia

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Da muss ich gleich mit weinen :cry: es tut mir so leid! Mein herzliches Beileid!
 
Carreras

Carreras

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Gute Reise, wunderhübscher stolzer Katermann!

Taskali, sei lieb gedrückt, eine Kerze wird erleuchten für deinen Herzenskater
 
Stefanie-

Stefanie-

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So ein wunderschöner Kater! 😻
Mein tiefstes Beileid.
 
Nicole1979

Nicole1979

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Run free marou .🕯
Mein herzliches Beileid, fühl dich gedrückt.
 
Tinaho

Tinaho

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Mein herzliches Beileid.
Deine Worte, so voller Liebe und Schmerz.

Es tut mir so unendlich leid.
 
yodetta

yodetta

Moderator
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577
Was für eine Geschichte, eines so wunderbaren Katers.
Auch wenn mir die Tränen laufen sage ich danke, dass Du sie erzählt hast.

Ganz viel Kraft für die nächste Zeit und fühle Dich lieb gedrückt!

Marou Du Freigeist, Run Free ♥


Liebe Grüße
Melanie
 
Ilvy

Ilvy

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Sie bewegt mich sehr; eure Liebesgeschichte. Dieser wundervolle Kater und du. Und Tara.
Viel Kraft für dich und gute Reise dem wundervollen Kater!!
 
Motzkatze

Motzkatze

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Mein Beileid.
 
36 Pfoten

36 Pfoten

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184
Mir fehlen die Worte und ich weine mit Dir.

Viel Kraft für die Trauerzeit wünsche ich Dir. Irgendwann wird der Tag kommen, an dem Du Dich wieder mit einem Lächeln an die wundervolle Zeit mit diesem zauberhaften Kater erinnern wirst.

Fühl Dich gedrückt in Deinem Schmerz.

Mitfühlende und traurige Grüße
Petra
 
Patentante

Patentante

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Es tut mir unendlich leid. Das Leben kann so unfair sein :cry:

Run free hübscher Marou.
 
Frau Flausch

Frau Flausch

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56
Ich weine mit dir. Euer Verlust tut mir so unendlich leid :cry:
Großer Marou, ich hoffe, du bist gut auf der anderen Seite angekommen!
 
Strexe

Strexe

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Leb' wohl, Du sanfte Seele .....

Es tut mir von Herzen leid.
 
WinstonvonWensin

WinstonvonWensin

8.739
216
Das Band was dich mit ihm verbindet, wird irgendwann Trost sein und all die schönen Erlebnisse werden dich erfreuen.

Für dich ist es Erlösung, für mich ein großer Verlust.
Für dich das Ende des Leidens, für mich ein großer Schmerz.
Für dich ist es Frieden, für mich die Hölle.
Doch wer sagt so ist das Leben, der weiß nicht wie weh
es gerade tut.

lg
Verena
 
Singha

Singha

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48
Dein Text ist so wunderschön! Ich wünsche Dir viel Kraft!

Run free schöner Prinz.
 
vanillekipferl

vanillekipferl

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Das ist so liebevoll geschrieben. Ich habe Tränen in den Augen. Ich wünsche Dir viel Kraft.
Komm gut rüber du wunderschöner Katermann.
 
Merenwen

Merenwen

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Was für eine Geschichte 😢 ich wünsche dir und deinen Katzen viel Kraft diese schlimme Zeit zu überstehen.
Run free 🌈 hübsches Katerchen ❤
 
Paule

Paule

4.148
77
Wenn die Worte fehlen....😢
Run free stolzer Kater und gib Deinem Frauchen ein Zeichen das es Dir gut geht...
 
IsiBerlin

IsiBerlin

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Ach Taskali, das Leben hat Dir im Moment einfach zu viele Abschiede auferlegt! Es tut mir sehr leid, dass Du schon wieder mit einem Verlust fertig werden musst. Alles Liebe und viel Kraft wünscht Dir

Isi
-- die sich gerade die Tränen für den unbekannten Marou wegwischt --
 

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