Hallo liebe Foris,
da ja hier einige mit kranken Katzenbabies zu kämpfen haben und auch mit Tierärzten, die sich mit der Behandlung so schwer tun, schreibe ich mal die Geschichte meines schrecklich kranken Babykaters Scotti. Das Scotti noch lebt, ist ein Wunder. Zahlen aus dem Geburtsprotokoll muss ich leider pi x Daumen angeben. Das Geburtsprotokoll wurde von einem markieren Kater vernichtet, ebenso wie unsere Waage:?
European Star's Beam Me up oder Scotti
Geboren wurde der kleine Zwerg als letzter von fünf Babies am 19.06.03. Von seiner Fellzeichnung, die man schon in der Eihülle sehen konnte, wurde ich quasi weggebeamt und so sollte der süsse Hybridenkater (Rex ohne Rexfell) in red-classic-
tabby "Beam Me Up" heissen. Sein Geburtsgewicht war mit 85 g. Er war minimal kleiner als seine Geschwister, die 90-110g hatten, aber sehr lebendig

Die 5 Babies wuchsen und gediehen und nahmen täglich zwischen 10-20 g zu, weil Mama Sunny sehr viel Milch hatte. Mit 5 Wochen fingen die Knirpse an zu fressen und so zogen sie ins Babyzimmer. Das Babyzimmer ist ein kleines Zimmer in dem ein 70 cm hohes Brett in die Tür geschraubt wird. So bleiben die Babies dort drin, wo sie alles schön übersichtlich erkunden können: kleiner Kratzbaum, grosser Kratzbaum, eine Auswahl an Klos, Futter und natürlich Kuschelhöhlen. Gleichzeitig können die Erwachsenen sie dort besuchen und dürfen kommen und gehen wann sie wollen.
Wir Menschen halten uns in diesem Zimmer mehrere Stunden auf, um mit den Babies zu Schmusen und zu spielen und natürlich auch zum Putzen und Füttern :wink:
So lief das bis zur 7. Woche. Die Babies kamen immer ganz begeistert quietschend angelaufen, wenn das Menü serviert wurde. Doch eines Tages fehlte einer: Scotti. Der lag noch auf dem Sofa und schlief :shock: Ich habe ihn mir angeschaut:" Mein Kleiner, was ist denn mit dir? Keinen Hunger?" Die Babies wurden wie immer gewogen, immer zur gleichen Zeit. Es hat sehr viel Spass gemacht, die Gewichtzunahmen zu sehen, die beiden anderen Katerchen wogen fast 900g, die Mädchen waren etwas kleiner. Nur bei Scotti zweigte die Waage 20g weniger als vorher :shock: Ich truate meinen Augen kaum. Also Waage wieder aus, Waage wieder an, die Wiegeschale neu tarieren, das Gewicht blieb. Also Fieberthermometer raus: 38,8 °C, völlig o.k. Klokontrolle, auch alles o.k. Stetoskop ausgepackt, Scotti abgehört, auch alles o.k. Was bliebt war das dumme Gefühl, dass da was nicht stimmt. Mein Mann Micha fragte ganz besorgt, was denn los wäre. Ich konnte nur sagen, dass ich es nicht wüsste und das wird wohl morgen zum
Tierarzt gehen würden, wenn das immer noch so merkwürdig wäre.
Am nächsten Morgen wurde Scotti wieder gewogen und wog 15g weniger als am Vorabend und fühlte sich jetzt auch seltsam knochig an

Fressen wollte er noch immer nicht und Fieber hatte er auch nicht, den anderen ging Bombe, und sie standen beim Füttern knurrend mit allen Vieren im Teller.
Abend stand dann ein Besuch beim
Tierarzt an. Unser Doc konnte an Scotti nichts finden. Scotti bekam eine Aufbauspritze und Calopetpaste, die ich ihm drei Mal täglich geben sollte. "Spätestens übermorgen muss es ihm besser gehen, sonst kommt ihr wieder!" Wir sollten wiederkommen: Scotti wollte nicht gefüttert werden, er wehrte sich mit allen Kräften, die er hatte. Die Gefahr ihm bei der Zwangsernährung, Nahrung in die Luftröhre und Lunge, zu spritzen war einfach zu gross. Und er nahm weiter ab. Also wieder zum Doc und wieder Aufbau-Spritze. Zusätzlich wurde Scotti geröngt, um einen Fremdkörper im Magen oder Darm auszuschliessen. Da war nichts.
Einen Tag später waren wir wieder da: Scotti nur noch Haut und Knochen, 500 g schwer. Er hatte sehr blasse Schleimhäute und eine Temperatur von 37,8 °C.. Unser
Tierarzt Edmund war entsetzt, so ähnlich gings mir auch als ich das Zimmer betreten hatte. Er versuchte sein Bestes und wollte Scotti Blutabnehmen. Das ging aber gar nicht! Die Venen waren einfach zu dünn und das Blut zu dick. Beim Fell abrasieren hat Scotti mich gebissen, weil er solche Angst hatte... Scotti bekam wieder eine Aufbauspritze und ein Leberschutzpräparat, weil Edmund auf eine Vergiftung tippte. Einen Tag später hatte Scotti 10 g zugenommen *Wer kommt denn auf die Idee, das das an den Spritzinfusionen lag* Abend war es das gleiche Drama: ein völlig in den Seilen hängender Scotti, knochig mager, apathisch. Und jedes Mal, wenn ich das Zimmer betrat habe ich gefleht:" Bitte, lieber Gott, lass ihn eingeschlafen sein!" Aber es passierte nicht. Ich habe Scotti eingepackt, sein Gewicht war unter 400g gesunken. Ich wollte ihn einschläfern lassen; ich konnte es mir nicht länger anschauen. Edmund versuchte noch mal eine Blutprobe: diesmal hat mich Scotti so sehr gebissen, ich konnte ihn nicht gehen lassen, er hatte doch noch Kraft. Es gab wieder Aufbauspritzen und eine Infusion. Zuhause setze ich mich an den Rechner und fragte das erste Mal in einem Forum: "Hilfe, Scotti stirbt!" Da kamen so Sachen wie Aufbaunahrungen, Vitaminflocken... es war aussichtslos: das habe ich alles versucht, Scotti wollte nichts. Dann meldete sich eine Züchterin mit der Frage:" Hat denn mal irgendjemand daran gedacht, dass das Kitten eine Infektion haben könnte?" Antibiotika wären die letzte Chance für den Kleinen, wenn es denn nicht schon zu spät wäre. Eien Medikamentenliste war dabei: Chloramphinicol, Veratrum Album, eine Infusion. Morgens um zwei war ich heulend bei unserem
Tierarzt, mit der Medi-Liste. Ich hatte ihn wachgeklingelt und er war noch im Schalfanzug. Eher mitleidig und ungläubig hat er mir die Sachen eingepackt und vor lauter Müdigkeit vergessen einen Notdienstaufschlag zu berechnen. Zuhause bekam Scotti sofort die Medizin. Die ganze Nacht habe ich über ihn gewacht: Morgens um sechs die Erlösung: ich habe dem Kniprs rohes Rinderhack mit Gewalt ins Mäulchen gesteckt. Nach anfänglichem Wegspucken hat er gefressen

Sein Papa Ronnie kam dazu und wollte auch was. Bis zum Nachmittag hat er einiges andere Vertilgt: er hatte Hunger und abend zeigte die Waage + 10 g. An den folgenden Tagen explodierte er förmlich und nahm auch mal 40g zu. Er nährte sich grössenmaässig an seine Geschwister.
Scotti hatte danach zwei Rückfälle und wir wollten den Murkel behalten. Aber was immer er sich eingefangen hatte, mit 16 Wochen war es urplötzlich weg und er konnte geimpft werden. Nur besondere Leute kämen für ihn in Frage, oder er würde bleiben.
Die besonderen Leute kamen! Eine Familie mit Kind, die Scotti magisch anzogen. Und Scotti sollte dort Freigänger werden. Das war nicht so nach meinem Geschmack, aber naxch einer Hausbesichtigung sagte das Herz ja. Scotti wurde noch ein Mal Blut abgenommen, um die Nieren- und Leberwerte zu kontrollieren, weil das eingesetzte Medikament Leber und Niere schädigen kann. Dieses Mal ging das ganz einfach und die Werte waren bestens. Scotti zog aus. Seine Krankengeschichte wurde im Kaufvertrag vermerkt, gnauso sind alle Rechnungen als Kopie beigelegt worden.
Scotti ist jetzt fast 2,5 Jahre alt. Er wurde mit 7 Monaten kastriert und geht seitdem raus. Jeden Tag schleppt er seiner neuen Familie Mäuse oder Vögel in angeknabbertem Zustand an.
Der winzige Rote, der fast tot war, ist ein begnadeter Jäger geworden.
Viele Grüsse, Kordula