• Wenn dein Tier krank ist oder erscheint, suche bitte immer erst den Tierarzt auf, bevor du hier Rat und Hilfe suchst. Wir alle hier sind Laien, können und dürfen keinen Tierarzt ersetzen oder gar Ferndiagnosen stellen, das wäre unverantwortlich. Erst wenn du die Diagnose eines Tierarztes hast, kannst du hier nach Erfahrungen oder Tipps fragen, die du eventuell für deinen Tierarzt mitnehmen kannst. Bei der Suche nach einem Tierarzt, vor allem Notärzten in der Nacht oder am Wochenende, könnten wir aber behilflich sein.

Diabetes bei der Katze - Wichtige Erstinformationen

  • Autor des Themas yodetta
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yodetta

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Mit der freundlichen Erlaubnis von Helga Schoolmann, darf ich diesen wunderbaren Infotext verwenden.

Deine Katze ist beim Tierarzt mit Katzendiabetes diagnostiziert worden? Dann erschrick nicht, das ist kein Todesurteil. Diabetes ist zwar eine komplizierte Erkrankung, aber gut zu behandeln. Du musst nur etwas Geduld mitbringen, es geht nicht von heute auf morgen. Eine Einstellung dauert Wochen, wenn nicht Monate.

Wo liegen die Ursachen des Diabetes? Sie sind vielfältig und ein TA tut gut daran, gleich nach der Erstdiagnose nach den Ursachen zu suchen und wenn möglich, sie zu beheben.
Dann nämlich ist bei Katzen ein Diabetes oft reversibel, er kann sich wieder ganz zurückziehen (Remission oder Honeymoon).

Sekundärer Diabetes tritt oft im Gefolge anderer Erkrankungen auf:

z. B. Pankreatitis, Harnwegsinfektionen, Schilddrüsenüberfunktion, Zahnfleischerkrankungen, kranke Zähne, Tumore, Verabreichung von Glukokortikoiden (Cortison) oder Progestagenen (zwecks Unterdrückung der Rolligkeit):

Wie beim Menschen ist Übergewicht eine häufige Ursache. Viele Katzen werden falsch ernährt, bekommen zu viele Kohlenhydrate durch Trockenfutter oder durch Nassfutter mit Getreide, Zucker und Karamell. Dem ist die Bauchspeicheldrüse der Katze, die eigentlich ein Fleischfresser ist, nicht gewachsen. Dazu kommt dann leider oft mangelnde Bewegung.

Bei freilaufenden Katzen, die sich von kleinen Beutetieren ernähren (viel Protein, moderat Fett, kaum Kohlenhydrate) wird sich kaum ein Diabetes einstellen. Auf dem Ernährungskonzept fußen auch die modernen Diabetesdiäten.

Wahrscheinlich geht es deiner an Diabetes erkrankten Katze momentan nicht gut. Symptome für Diabetes bei Katzen sind häufiges Trinken, große Mengen von Urin, ein unbändiger
Hunger, Aufnahmen großer Futtermengen und trotzdem nimmt das Tier ab. Im fortgeschrittenen Stadium hört das Tier auf zu fressen. Die Diagnose beim TA erfolgt über eine Blutprobe. Der Blutzuckerwert ist oft sehr hoch. Die eigentliche Diagnose erfolgt jedoch über den Fructosaminwert. Er gibt einen Überblick über die Glukosewerte der Katze während der letzten 2-3 Wochen und ist NICHT stressabhängig. Fast alle Katzen neigen nämlich beim TA-Besuch zu sehr hohen Werten (Stresshyperglykämie). Um eine Fehlbehandlung zu vermeiden, sollte auf der Messung dieses Fructosaminwertes bei der Erstdiagnose UNBEDINGT bestanden werden.

Auf die Diagnose folgt die Behandlung, die
in der Regel durch Insulin erfolgt wie auch beim Menschen. Im 12-Stunden-Abstand bekommt die Katze zweimal täglich Insulin unter die Haut gespritzt. Nur wenige Tiere kommen mit einer einmaligen Gabe aus. Die Tiere gewöhnen sich schnell daran, und holen sich nach einiger Zeit ihr Insulin sogar ab, weil sie merken, dass es ihnen gut tut. Die Verabreichung von Insulin geht mit dem gleichen Risiko
daher wie bei Menschen auch. Darum ist im Prinzip auch die Behandlung wenig unterschiedlich.

Ziel der Einstellung ist es, der Katze soviel Insulin zu geben, wie sie benötigt, dadurch die oben genannten Symptome zum Verschwinden zu bringen und die Lebensqualität wieder
herzustellen. Dabei sollte besonders darauf geachtet werden, dass die Startdosierung nicht zu hoch gewählt wird, da es sonst im Regulierungsprozess zu gefährlichen Zwischenfällen und Verzögerungen kommen kann.

Mehr Infos dazu bei www.caninsulin.de Caninsulin ist ein für Hunde und Katzen zugelassenes Insulin und das vorgeschriebene Erstinsulin. Wenn es versagt und die Werte zu
hoch bleiben oder wenn die Katze oft kleine Mahlzeiten fressen möchte, stehen andere Insuline aus dem Humanbereich zur Verfügung. Gute Erfolge werden mit Langzeitinsulinen gemacht (z.B. Lantus und Levemir):

Immer mehr setzt sich glücklicherweise bei der Behandlung diabetischer Katzen das sogenannte Hometesting (auch Home-Monitoring genannt) durch. Mit Hilfe eines modernen
Glukometers, das nur ganz wenig Blut ansaugt, kann der aktuelle Blutzuckerspiegel auch bei Katzen durch einen winzigen Tropfen Blut, der aus dem Ohr entnommen wird, mühelos festgestellt werden. Das tut dem Tier nicht weh, erfordert kaum Zeit, erleichtert die Einstellung enorm und macht sie vor allem sicherer.

Falls der TA Hometesting noch nicht kennt, sollte man ihn darauf aufmerksam machen. Es ist für seine tierärztliche Arbeit nur von Vorteil, weil eine Überdosierung des Insulins vermieden werden kann. Die Erlaubnis des Tierarztes fürs Hometesting benötigt man jedoch nicht.

Insulin ist zwar ein körpereigener Stoff, doch zuviel davon kann tödlich sein. Eine Überdosierung mit Insulin kann eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) bewirken, d.h. die Blutzuckerwerte sinken bedenklich tief, das Tier taumelt, ist nicht ansprechbar, bekommt einen glasigen Blick, kann ins Koma fallen und kann, wenn die Hypo nicht rechtzeitig erkannt wird, durch die Unterzuckerung schwere neurologische Schäden erleiden oder sogar daran sterben.

Zuviel Insulin kann auch noch eine andere Wirkung haben: die Blutzuckerwerte steigen, oft sogar astronomisch hoch, auf HI, d. h. Werte über 600 mg/dl. Diesen Vorgang nennt man Somogyi-Effekt, auch Somogyi Overswing oder Rebound genannt. Es ist eine Gegenreaktion des Körpers auf zuviel Insulin. Die Leber schüttet Glykogen (gespeicherte Glukosevorräte) aus, um den Körper vor einer Unterzuckerung zu schützen. Der Somogyi-Effekt tritt bei Katzen sehr leicht auf, kann aber durch das oben erwähnte Hometesting schnell erkannt werden.

TÄ können den Somogyi-Effekt nur vermuten, denn bei ihnen in der Praxis hat das Tier sowieso wesentlich höhere Stresswerte. Durch häusliches engmaschiges Messen ist er oft zu erkennen. Der Fall ist dann zu schnell oder viel zu tief.
Die Behandlung des Somogyi-Effektes besteht darin, der diabetischen Katze WENIGER Insulin zu geben. Leider wird der Somogyi-Effekt oft mit Insulinresistenz verwechselt. Echte Insulinresistenz ist bei Katzen jedoch selten. Nach chronischem Somogyi-Effekt ist jedoch manchmal ein Wechsel auf ein anderes Insulin angebracht, z. B. Lantus.

Wie bereits erwähnt, erfolgt die Behandlung des Somogyi-Effektes durch die Verminderung des Insulins. Diese Reduzierung des Insulins sollte aber unbedingt in Absprache mit dem behandelnden TA erfolgen und unter Ketonkontrolle, denn ZU WENIG Insulin ist auch mit Gefahren verbunden.

Zu wenig Insulin bedeutet, dass der Körper sich seine Energien woanders holen muss. Er greift auf seine Fettvorräte zurück und beginnt, sie massiv abzubauen. Dabei entstehen Ketone, auch Ketonkörper genannt, schädliche Abfallprodukte des Fettstoffwechsels. Das Blut übersäuert, und es kann zu einer schweren Stoffwechselentgleisung, genannt Ketoazidose, kommen.

Eine Ketoazidose ist lebensgefährlich und bedarf unbedingt einer intensiven tierärztlichen Behandlung, da sie sonst tödlich ausgeht.

Vorbeugend sollte man den Urin einer diabeteskranken Katze regelmäßig mit Teststreifen auf Ketone überprüfen. Das ist
eine billige, leicht durchzuführende Kontrolle, die lebensrettend sein kann. Noch besser ist die Kontrolle auf Blutketone, z.B. mit dem Glukometer GlucoMen LX PLUS. Es ist zwar teurer,
damit zu messen, aber so gut wie jede Ketoazidose kann damit im Keim erstickt werden, weil man frühzeitig reagieren kann.
Manche diabetische Katzen zeigen zur Zeit der Erstdiagnose schon neuropathische Erscheinungen, d.h. sie springen schlechter oder laufen schlurfend auf dem unteren Teil der Hinterbeine. Durch die Einstellung mit Insulin verschwinden diese Erscheinungen jedoch oft wieder. Methylcobalamin, ein B12-Derivat, kann diese Besserung beschleunigen. Es ist in
Tablettenform erhältlich.

Ein wesentlicher Teil der Diabetesbehandlung muss hier noch erwähnt werden: das Futter.

Richtiges Futter in der richtigen Menge zur richtigen Zeit ist die halbe Einstellung. Viele Futter, vor allem die Trockenfutter, enthalten für eine diabetische Katze zu viele Kohlenhydrate. Auch Katzenleckerlis sind mit Vorsicht zu genießen. Sie enthalten wie die verschiedenen Futter oft Zucker. Gutes Katzenfutter, nicht nur für die diabetische Katze, enthält hoch Protein, moderat Fett und so wenig Kohlenhydrate wie möglich.

Die Behandlung der diabetischen Katze sollte in enger Zusammenarbeit mit einem TA erfolgen, der sich mit Katzendiabetes auskennt und auch neuen Methoden wie Hometesting und Überprüfung auf Ketone aufgeschlossen gegenüber steht.


Wenn nun der Eindruck erweckt wurde, dass Katzendiabetes schwer zu behandeln ist, so ist das nicht richtig. Durch richtige Organisation ist die Behandlung in den Griff zu bekommen und wird schnell zur Routine. Die Lebensqualität erkrankter Katzen ist oft erstaunlich schnell wieder da. Die Tiere gewöhnen sich schnell an das neue Procedere.

Du solltest deshalb keinen Moment zögern, eine an Diabetes erkrankte Katze umgehend mit Insulin zu behandeln, wenn dein TA dazu rät. Ohne Insulin verurteilt man das Tier zu einem
qualvollen Hungertod oder es fällt in eine Ketoazidose, die auch oft tödlich verläuft, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Einige wenige Katzen können mit Tabletten behandelt
werden, doch ist die Behandlung oft problematischer als das Verabreichen einer Spritze. Es sprechen auch nur wenige Katzen auf diese Tablettenbehandlung an. Einige wenige Katzen
sind Grenzfälle und können ausschließlich über richtiges Futter (proteinreich, kohlenhydratarm) geregelt werden.

Je früher und je sorgfältiger die Diabetesbehandlung beginnt, desto größer sind die Aussichten auf eine Remission.

Copyright Helga Schoolmann, 2012
 
Zuletzt bearbeitet:
06.12.2021
#1
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Tinaho

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Wow, prima.
Kannst du das irgendwo anpinnen? (Falls noch nicht geschehen).
 
yodetta

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Hallo Zusammen! :)

Ich möchte meine eigenen Erfahrungen auch noch aufschreiben und das, was ich bei der lieben Doris T gelesen/gelernt habe.

Feivel hat/hatte ja leider auch Diabetes (er bleibt nun immer latenter Diabetiker) und ist nun seit ein paar Monaten in Remission.
Was genau den Diabetes bei ihm ausgelöst hat, kann ich nicht mit Gewissheit sagen.
Feivel war aufgrund des Bewegungsmangels (Schmerzen durch Spondylarthrose) übergewichtig, er war ein absoluter Trockenfutterjunkie, er hat zu der Zeit Cortison als Depotspritze, aber auch in Tablettenform erhalten.

Ich habe von vielen Fehlversuchen mit Caninsulin gelesen und mir deshalb von meinem Tierarzt direkt das Insulin Lantus verordnen lassen.
Das hier war mein Zubehör, mit dem ich super zurecht gekommen bin. :)
Screenshot_20211206-113824_Gallery.jpgScreenshot_20211206-113830_Gallery.jpg
Dieses Insulin wird von Katzen sehr gut vertragen, weil es ganz sanft seine Wirkung entfaltet und ein sogenanntes Langzeitinsulin ist.
Im Gegensatz zu Caninsulin, welches eigentlich für Hunde entwickelt wurde und ein Kurzzeitinsulin ist.

Das A und O ist das Hometesting.
Blind, Insulin zu spritzen kann tödlich enden, ebenso tödlich enden kann es wenn die Katze zu wenig Insulin erhält.
Warum das so ist wird oben in dem Text von Helga Schoolmann wunderbar erklärt.

Wichtig zu wissen ist unbedingt, wie das Insulin im Körper wirkt.
Deshalb wird ca 4-5 Stunden nach der Insulinspritze erneut der Blutzucker gemessen, weil sich dann die Wirkung des Insulins vollständig entfaltet hat.
Niedriger wird der BZ nach der Spritze dann also nicht mehr.
Somit kann man individuell die Dosis immer wieder anpassen.

Im Idealfall misst man also morgens früh, vor dem Füttern den BZ, dann wird gefüttert und erst wenn die Katze gut gefressen hat, wird das Insulin gespritzt.
Dann wird, wie gesagt ca nach 4 Stunden erneut der BZ gemessen um zu wissen, wie das Insulin gewirkt hat.
Am Abend verfährt man, wie am Morgen und kontrolliert ca 4 Stunden später erneut den BZ.

So, das wars erstmal. 🙂
Wenn mir noch was einfällt, ergänze ich das noch und wenn ich Fragen beantworten kann, mache ich das auch gern.

Hier noch mein süßer Honeymooner. ❤
Auch an Doris T. geht mein herzlicher Dank.
Ohne Dich, wäre Feivel heute nicht in Remission. ❤
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Screenshot_20210903-200012_Gallery.jpg

Liebe Grüße
Melli
 
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yodetta

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Mehr Infos dazu bei www.caninsulin.de Caninsulin ist ein für Hunde und Katzen zugelassenes Insulin und das vorgeschriebene Erstinsulin.
Dazu fällt mir ein, dass es mittlerweile auch ein Insulin für Katzen gibt, nämlich das Tierarzneimittel: ProZinc® 40 IU/ml ad us. vet., Injektionssuspension (uzh.ch)

Allerdings waren die Erfolge damit auch eher mäßig, bei Allem was ich recherchiert habe.

Zum Hometesting möchte ich noch sagen, dass mein Mann und ich in der Anfangszeit schier verzweifelt sind, weil Feivel sich mit Händen und Füße gewehrt hat.
Er hat geschrien wie am Spieß, hat gekratzt, gebissen und wollte immer nur noch weg.
Das hat ca ein oder zwei Wochen gedauert und dann war der Schalter umgelegt.
Wir haben natürlich mit Leckerchen gearbeitet und nach diesen schlimmen Wochen ist Feivel schon zu den bestimmten Zeiten auf den Tisch gesprungen und hat darauf gewartet, dass der Blutzucker gemessen wird um danach sein Leckerchen zu bekommen. :)
Es ist also immer machbar, wenn man geduldig und liebevoll aber bestimmt dran bleibt. :)
 
G

Gast52732

Gast
Danke, auch wenn ich keine Zucker-Katzen habe 🙏

Aber ich selbst bin seit vielen Jahrzehnten latente Diabetikerin; aufgrund eines Insulinoms.
 

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