Umgang mit dem Tod

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annavptr

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Hallo zusammen,
Ich bin 20 Jahre alt und ich weis einfach derzeit nicht weiter. Bei meinem Kater wurde festgestellt das er Herzkrank ist und das leider zu spät. Unser Tierarzt musste die Tabletten erst bestellen
und 2 Tage bevor sie angekommen wären ist er leider von uns gegangen. Allerdings weis ich nicht wie ich damit umgehen soll da ich es leider miterlebt habe. In der Nacht wurde ich wach von dem Schrei und habe miterleben müssen wie er leidet und erstickt und ich bekomme einfach diese Bilder nicht aus dem Kopf. Er wäre 11 geworden und meine ganzen Kindheitserinnerungen stecken in ihm daher fällt mir einfach grad alles schwer und ich heule täglich Nurnoch.
Habt ihr auch so eine Situation durchlebt ? Und wenn, wie habt ihr diese schwere Zeit überstanden ?
Vielen lieben Dank schon mal
Liebe Grüße
 
23.03.2022
#1
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_hannibal_

_hannibal_

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Guten Morgen,
das tut mir sehr leid für deinem Kater :-( und auch für dich, dass du das mitmachen musstest.
Halte dir vor Augen, dass du für ihn da warst in diesem Moment, er war nicht alleine und ist mit deiner Liebe zu ihm von dir gegangen. Das kann nicht jedes Tier und er wird es dir auf ewig danken.
Versuche die nicht schönen Bilder, durch schöne von ihm zu ersetzen. Sollte dir ein Bild davon erscheinen, denke an ihn, als er bei euch eingezogen ist, wie er Blödsinn gemacht hat, wie er zum Schmusen kam ... Das ist anfangs schwer, aber es funktioniert.
Mein Bällchen wurde leider überfahren und ich habe ihn von der Straße genommen und heim getragen, das war auch schlimm. Ich habe diese Bilder nach einer Trauerzeit ersetzen können, durch schöne von ihm. Jetzt habe ich nur noch schöne Erinnerungen an ihn, die schlechten verblassen zum Glück, außer wie jetzt, wenn man gezielt daran denkt.
 
bertiundsine

bertiundsine

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Hallo und willkommen, wenn auch aus traurigem Anlass.
Es ist schlimm zu erleben, wie ein geliebtes Wesen vor den eigenen Augen stirbt. Der Todeskampf, diese Bilder und Geräusche bleiben einem noch lang in Erinnerung.
Du bist noch jung. Vielleicht war dies Deine erste konkrete Erfahrung mit dem Tod. Das traumatisiert und hinterläßt Eindrücke, die man so schnell nicht los wird. Eindrücke die einen verfolgen wenn man nachts nicht einschlafen kann.
Man begreift plötzlich die Entgültigkeit des Todes, den Abschied, die Unwiederbringlichkeit und Leere die entsteht.
Ich habe schon mehrere solcher Situationen erlebt. Mit Tieren und auch mit geliebten Menschen.
Liebe Anna, Du musst jetzt auf Dich aufpassen. Lass Deinen Schmerz zu und sprich darüber. So viel wie möglich wenn es Dir hilft. Fresse nichts davon in Dich hinein.

Dein Kater hat einen kurze Phase seines Lebens gelitten. Die meiste Zeit aber ging es ihm gut. Das ist oft so im Verlauf eines Lebens. Vielleicht spürst Du nun auch, dass Deine eigene Kindheit vorbei ist. Dass es mit dem Tod Deines Katers eine Art Zäsur gibt. Auch das kann wehmütig machen.
Du bist nun aber auch um eine Erfahrung reifer. Du wirst nun trauern, Dir vielleicht Vorwürfe machen und dann irgendwann werden die schlimmer Bilder blasser, die klagende innere Stimme ruhiger. Dann kommt die Zeit der bittersüßen Erinnerungen. Und irgendwann werden aus bittersüßen Erinnerungen dann schöne Erinnerungen an die Zeiten mit Deinem geliebten Katerchen.

Dein Kater ist jetzt fort, er hat keine Schmerzen mehr. Er hatte es gut bei Dir. Irgendwann siehst Du ihn wieder. Behalte ihn in guter Erinnerung!

Alles Liebe-
Nicola
 
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Tinaho

Tinaho

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Hallo und Herzlich Willkommen im Forum,
@_hannibal_ und @bertiundsine haben die Messlatte für mich sehr hoch gelegt und wunderbare, wahre Texte formuliert, denen ich mich gerne anschließen möchte.

Es tut mir unendlich leid dass dein Kater unter so dramatischen Umständen gestorben ist und ich weine mit dir.
Ich denke jeder von uns verarbeitet Trauer anders und es gibt leider nicht das ultimative Rezept, das einem hilft über den Tod eines geliebten Wesens hinweg zu kommen. Ich habe bisher 5 Sternchen und eigentlich habe ich jedes Mal anders getrauert.

Mein erster Kater, mein Geschenk zu meinem 10. Geburtstag, kehrte mit 11,5 Jahren von einem nächtlichen Freigang nicht mehr zurück. Es war eine Trauer auf Raten, die zuerst noch großer Hoffnung geprägt war, bis dann die Erkenntnis Oberhand gewann dass man ihn nie wiedersehen wird. Es war so ähnlich wie bei dir ein Teil der glücklichen Kindheit, der plötzlich abrupt endete. Ich war damals gerade in der Ausbildung und konnte mir eine Trauer nach außen nicht so leisten, da die Ausbilder sehr streng waren. Mir hat damals geholfen, dass der Familienrat (nach 8 Wochen) entschieden hat: Wir wollen nicht ohne Katze leben und so kam Mikesch aus dem Tierheim zu uns. Nicht als Ersatz, sondern um die Trauer um Tinka erträglicher zu machen.

Die anderen vier. Mikesch, Shanks, Finn und Rocky musste ich leider, aus verschiedenen Gründen, einschläfern lassen und ich habe um jeden anders getrauert. Hier kamen dann jedes Mal auch noch Schuldgefühle dazu. Ich war jedes Mal bei ihnen, auch wenn es mich unendlich viel Kraft und Tränen gekostet hat.

Bertiundsine hat es auf den Punkt gebracht. Mit Tinka, Mikesch, Shanks, Finn und Rocky habe ich unendlich viele glückliche Tage verbracht. Das Leben ist leider endlich und auch wenn man sich, aufgrund von Krankheit und Alter, auf ein baldiges Ende etwas vorbereiten kann, kommt die Endgültigkeit des Todes immer überraschend.
Aber dieser eine entsetzliche Tag darf nicht die Oberhand gewinnen und all die anderen schönen Momente überschatten.
Hannibal ist es auch gelungen die entsetzlichen Bilder durch schöne zu ersetzen und mir (und anderen) gelingt dies auch.
Ich habe immer viel mit anderen Personen gesprochen, von denen ich wusste dass sie auch an den Katzen gehangen haben. Da wurden dann kleine Anekdoten erzählt. "Weißt du noch wie Mikesch den ganzen Korb Eier auf den Boden geworfen hat? Das war vielleicht eine Sauerei"......und man erfreut sich, wenn man diese alten Geschichten/Erinnerungen miteinander teilt. Das hat mir immer geholfen.

Es dauert ein wenig, aber irgendwann wird dir die Erinnerung an deinen Kater ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Trost und wenn du dir deinen Kummer von der Seele schreiben willst. Hier ist (fast) immer jemand da der dir zuhört.
 
goya

goya

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Mir tut es sehr leid um euren Verlust.

Bisher habe ich nur eine Katze gehen lassen müssen, meine Seelenkatze. Sie war Nierenkrank und kämpfte lange gegen diese Erkrankung. Ich wusste das sie bald gehen würde und ich war trotzdem am Tag des Abschieds nicht darauf vorbereitet. Sie fehlt mir immer noch.
Aber ich will die Zeit mit ihr nicht vermissen. Ich war und bin absolut bereit den Preis der Trauer, für diese wertvolle Zeit zu bezahlen. Ich weiß, nun hat sie keine Leiden und Schmerzen mehr und ich habe sie voller Liebe bis zum Schluss begleitet.

So wird es auch bei deinem Kater sein. Er wusste das du ihn liebst. Er wusste das du immer für ihn da bist. Jeder Mensch trauert anders. Die einen schauen sich Fotos an, andere reden darüber. Finde deinen Weg und mit der Zeit werden die traumatischen Bilder erblassen und die schönen Erinnerungen aufleben.
 
Lachatte

Lachatte

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Hallo auch von mir.
Mir tut es so leid, dass Du das erleben musstet. Ich kann mir gut vorstellen, wie Du Dich gefühlt hast und jetzt fühlst.

Als ich Kind war, bin ich mit Katzen aufgewachsen und für mich stand fest, dass ich später auch ein Kätzchen haben möchte. Mein damaliger Freund hat mir dann, obwohl er eigentlich keine Katze wollte, eine vom Bauernhof mitgebracht, da war ich 20 Jahre alt. Sie hat mich 17 Jahre begleitet und ich darf behaupten, dass sie auch meine ganz innige Seelenkatze war.
Wenn ich krank war, lag sie immer auf meinem Bauch unter meiner Bettdecke und hat die Pfoten um meinen Hals gelegt. Wenn es mir schlecht ging, hat sie mich irgendwie getröstet. Wenn ich sie hochheben wollte, hat sie mir immer ihre Pfötchen entgegen gestreckt und sich ganz lang gemacht.

Die letzten paar Monate war sie schon nicht mehr fit auf den Beinen. Ihr letzter Sommer war heiß. Wenn ich dann abends von der Arbeit heimgekommen bin, habe ich sie immer auf den Arm genommen und mit ihr zusammen meinen Garten gegossen, das war so ein Ritual.

An einem Oktobermorgen kam sie nach Hause, legte sich in unserem Wintergarten auf den Heizungsschacht und hat sich nicht mehr bewegt. Sie war bereits recht dünn und hatte nur noch wenig gegessen.
Die Tierärztin damals meinte, wenn sie keine sichtbaren Schmerzen hatte, lassen wir sie noch eine Weile. An diesem Morgen hatte ich das Gefühl, dass es nun so weit ist. Ich habe sie auf meinem Arm in die Praxis getragen.

Ich wollte beim Einschläfern unbedingt dabei bleiben und habe das emotional nicht geschafft. Mittendrin musste ich nach draussen gehen. Das habe ich mir lange nicht verziehen. Ich trage bis heute das Gefühl mit mir rum, dass ich sie im Stich gelassen habe, obwohl sie mir immer vertraut hat. Nur hat das Gefühl nicht mehr die Überhand. Wenn ich an sie denke, denke ich an die schönen Tage, was alles toll war und wie viel sie mir bedeutet hat.

Ich habe ihr am selben Tag ein Herz geschnitzt, das ihr Grab bei uns im Garten schmückt.

Du warst bei Deinem Katerchen und ich bin sicher, dass er das gemerkt hat. Bestimmt flüstert er Dir zu, dass es ihm da, wo er nun ist, gut geht und er ja bei Dir ist, da Du ihn im Herzen trägst.
Vielleicht hörst Du ihn irgendwann ja auch flüstern, dass er sich wünscht, Du gibst einer anderen Katze die Chance, seinen Platz bei Dir einzunehmen, damit eine andere Katze bei Dir ein wunderschönes Leben haben darf. Und er wird Euch dabei zusehen und sich einfach drüber freuen.

Gedrückt, ganz arg.
 

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