Hallo Holunderblüte,
ich fühle mich total angesprochen, weswegen ich dir nicht weiterhelfen kann

Ich lese keinen Egoismus, sondern das Gegenteil. Du bist empathisch und verantwortungsbewusst, willst, dass alle rundherum glücklich sind, vor allem deine Schutzbefohlenen.
Deshalb machst und tust du, damit du deinem Idealbild näher kommst. Wenn das nicht funktioniert, obwohl du es versuchst, erzeugt das Druck und du fühlst dich hilflos, nicht genügend, nicht perfekt. Diese Gefühle schlagen sich auf die Psyche und man ist nur noch damit beschäftigt, jede einzelne Situation zu analysieren, eine andere Lösung, einen anderen Weg zu suchen, wodurch alle vermeintlich happy werden. Stimmt das?
Bei mir ist das so.
Ich habe 3 Katzen, wollte eigenltich nur zwei. Die ersten beiden hatten so arge Konflikte, dass ein "Ausgleichskater" alles wieder ins Lot bringen sollte. Das hat zeitweise funktioniert, aber ehrlichweise sind die Konflikte nicht verschwunden. Der neue Kater hat einen Virus ins Haus geschleppt, war lange krank und ich nur damit beschäftigt von Tierarzt zu Tierarzt zu tingeln.
Ich hab täglich mehrere Stunden auf dem Boden gesessen und versucht, die Katzen zu beschäftigen, die mich meistens nur blöd angesehen haben- vor allem der Kater, der eigentlich so dringend spielen sollte, um ausgelastet zu sein! Er ist trotzdem auf die Katze losgegangen, da konnte ich tun, was ich wollte. Ich war dann kurz davor den Kater wegzugeben. Als ich eine Interessentin am Telefon hatte, habe ich aufgelegt, zwei Tage durchgehend geheult und mich dann dazu entschlossen, ihn nicht abzugeben.
In meinem Kopf war diese Entscheidung fix- er geht nicht. Dadurch war ich total erleichtert. Ich hab mich irgendwie von meinem eigenen Druck befreit.
Ich habe die Katzen täglich eine Stunde aktiv beschäftigt und wenn sie nicht wollten, eben nicht. Aber dann wollte ich auch kein Meckern hören

Ich hab mich selbst wieder in den Vordergrund gestellt, war mir sicherer, authentisch und das haben die Katzen gemerkt. Mit der Zeit wurde alles harmonischer und ich war mir sicher: Ich habs gepackt, alle bleiben und zwar für immer.
Tja und dann sind wir umgezogen und jetzt hab ich einen Hund. Das ist eine andere Story, aber wieder dasselbe Muster meinerseits. Alle müssen stets glücklich sein und ich muss immer alles richtig machen. Kannst du dir bei einem Tierschutzhund mit schwierigem Wesen in die Haare schmieren. Und dann musst du noch die Menschen, die Katzen und den Hund in eine harmonische Beziehung bringen. Musst du? Nein. Die Katzen sind nicht immer happy mit dem Riesenviech in der Wohnung, aber sie können ausweichen, können raus und sie kleben immer noch wie Pattex an mir. Mein Freund ist genervt von dem Hund, der Hund versteht den Freund nicht, die Katzen den Hund nicht, der Hund ist eifersüchtig auf die Katzen, der Freund eifersüchtig auf den Hund und ich stehe freundlich lächelnd in der Mitte und denk mir "Wieso hab ich das getan?!"
Long story short: Nimm den Druck raus. Du hast Aussichten darauf, dass sie bald Freigänger werden können. Willst du die Katzen behalten? Ja? Dann versuch es, aber verlang nicht zu viel von dir. Ich habs auch geschafft