Hmm, wie soll ich jetzt am besten anfangen? Eigentlich ist es schon exakt 10 Jahre her. Aber vllt. konnte ich es damals als Kind (war damals 14 Jahre alt) nicht verarbeiten bzw. wusste nicht, wie ich mit dem Verlust umgehen soll.
Als ich 8 Jahre alt wurde, wurde zu uns (an meinem Geburtstag, hihi) ein weißes Angora-Kitten gebracht, die sah echt putzig aus. Wenn ich auch heute weiße Angora Katzen sehe, bin ich gleich hin und weg und würde sie mir am besten schnappen *grins* Aber sie war noch erstaunlich klein, ich glaube 6 oder 7 Wochen. Aber was es auf sich hatte, haben wir erst im Nach-hinein festgestellt, da sie weder selbstständig essen noch trinken konnte. Das hat uns damals richtig Mühe gekostet. Dazu später etwas mehr.
Sie hat sich an uns gewöhnt uns ist eine richtig verspielte und verschmuste Katze geworden, eine ideale Familien-Angora-Katze, wie man sie sich vorstellt. Wenn es einem schlecht ging, hat sie sofort gespürt und ist zu einem gekommen.
Sie hatte immer den Spass dran, mit einem Trinkhalm rumzuspielen. Als sie im Schlafzimmer meine Eltern geschlafen hat, hab ich vor der Schlafzimmertür ganz ganz leise mit dem Ding geklopft und sie kam angekrochen *grins*
Wenn sie was zum Kratzen haben wollte, hat sie bei uns nen Sessel ausgesucht, der eh schon so dreckig war (gekratzt hat sie immer die Rückseite, damit die Kratzer nicht auffallen). Möbel oder Sofa hat sie nie angefasst, auch nie(!) als Klo benutzt. Wenn sie mal ihre Ruhe haben wollte, hat sie sich im Kleiderschrank versteckt. Wir konnten sie einmal nicht wieder finden und hatten Angst sie wäre abgehauen. Aber sie lag da so ruhig im Kleiderschrank, als wäre nichts gewesen :-D
Wenn sie ihr Gesicht im Futternapf hatte, und Essensreste neben dem Teller lagen, hat mal meine Mutter zu ihr gemeint: Schau mal, wie es hier aussieht! Wie im Saustall! Dann hat sie mit ihren Pfoten die Essensreste unters Teller getan und hat dabei so neugierig meine Mutter angeschaut, danach machte sie es so jedes Mal. Oder wo ich mal was wichties zu tun hatte und mal Papiere ausfüllen musste, sagte ich zu ihr: Pass auf die Sachen auf, die sind wichtig. Sie hat sich daraufhin auf sie gelegt. Wenn mal das Telefon geklingelt hat und keiner zu Hause war, das hat sie genervt. Sie ist dann auf den Tisch gesprungen, hat mit der Pfote den Hörer abgenommen und ist wieder runter.
Wenn ich mal auf dem Bett liegend mir nen Film angeschaut habe, habe ich sie auf die Brust gelegt und sie legte schlafend ihre Pfote um meine Schulter. Das fand ich total süß. (wenn sie mit uns auf dem Sofa war, und wir dabei entweder nen Film geschaut oder was gelesen haben, hat sie immer geschlafen, wobei es auch meistens recht lustig aussah *grins*).
Was wir festgestellt haben, als wir sie waschen wollten, dass sie immer sofort panisch reagiert hat, hat sie sich mit ihren Krallen in die Schulter festgebissen und ist (dabei auf den Kopf springend) abgehauen und wir sie schwer wieder holen konnten. Katzen mögen kein Wasser, klar, aber dass man immer so heftig reagiert? Wir hatten einen Verdacht, dass man versucht hat, sie (als sie noch ein Kitten war) ertrinken zu lassen. Und da es ja nicht geklappt hat, sie abgegeben wurde. Solche Leute werde ich nie verstehen. Fürchterlich.
Im Jahr 2000 haben wir uns entschlossen, nach Deutschland auszureisen. Ich komme ursprünglich aus der Ukraine. Die finanzielle Lage wurde dort immer schlimmer. Meine Eltern haben 2 Jobs gehabt (mein Vater arbeitete als Programmierer und meine Mam hat sich mit Chemie beschäftigt) und wir haben es grad mal so geschafft, die Miete bezahlen zu können. Nach dem Jahr 2000 hat sich die Lage wesentlich gebessert, hat sich aber mit der Finanzkrise wieder erledigt und sich das Land bis heute nicht davon erholt hat. Das heisst, dass Leute, die z.B. Informatik oder eine Ingeneurwissenschaft studiert haben als Kellner arbeiten müssen, weil sie sonst nichts finden können.
Zurück zur eigentlichen Geschichte. Als wir dabei waren, den ganzen Papierkram fertig zu machen, haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, unsere Katze abzugeben. Wir konnten, duften sogar nicht, unsere Katze mitnehmen. Wir wussten, dass wir direkt nach der Ankunft in Deutschland erstmal in einem Wohnheim unterkommen mussten, bis mein Vater eine Arbeit gefunden hat, erst dann durften wir in eine normale Wohnung. Und in diesen Wohnheimen ist keine Tierhaltung gestattet. Vllt. waren wir einfach nicht schlau genug, um sich was einfallen zu lassen, allerdings wussten wir nicht, wie es eig. im anderen Land überhaupt ist. Ihr wisst ja, man denkt sich ja: Anderes Land, andere Sitten.
Als dann Leute gekommen sind, sich unsere Katze erstmal anzuschauen, haben sie auch mal gestreichelt, hat sie mit uns 2 Tage lang nicht mal angeschaut. Erst als wir ihr gesagt haben: Mach dir keine Sorgen, wir geben dich nicht ab, war alles wieder okay (Ja, es war wirklich so). Wir mussten innerhalb von einem Monat unsere Wohnung abgeben, sprich Nachmieter finden usw, da wir schon ein Visum in unseren Pässen hatten. Hat aber geklappt, und wir bastelten an der Lösung, wie wir unsere Katze unterbringen können, waren schon beim Tierarzt usw (zwecks Papiere) und packten unsere ganzen Koffer zusammen.
Es hat aber wohl nichts dran geändert, dass unsere Katze sich Gedanken gemacht hat bzw. gespürt hat, dass wir wegfahren. Zu uns war sie sonst wie immer. Bis wir eines Tages beobachtet haben, dass sie viel zu oft aufs Klo zwecks Ka... gehen muss. Daraufhin haben wir einen Tierarzt gerufen (am nächsten Tag war unsere Katze auf dem Hinternteil total braun bis schwarz), der gesagt hat, dass da nur eine OP helfen kann und sie mit einer 70%-Wahrscheinlichkeit nicht überleben wird. Und selbst, wenn sie es schafft, muss da die ganze Zeit jemand da sein, der auf sie aufpasst, damit sie nicht an der Wunde leckt. Wir haben das unseren Nachmietern (die Verträge waren ja vorher schon unterschrieben) nicht zugetraut. Und die Katze hätte sie auch nicht an sich rangelassen. Wir konnten da nichts mehr machen, das Visum war schon im Pass drin, die Reisetickets waren gebucht. Wir wollten sie nicht unnötig quälen, wir ließen sie einschläfern. Nach 2 Wochen sind wir abgereist.
Danke fürs Mitlesen.
Hat mir gut getan, nochmal alles niederzuschreiben.