Bei uns streunerte die letzten Wochen ein schöner, aber unkastrierter Kater herum, von dem es in der Nachbarschaft hieß, dass seine Besitzer weggezogen waren und ihn zurück gelassen hätten. Je mehr Tage vergingen und je öfters der Kater an unserem Haus vorbei kam (ich hab ihn zwischenzeitlich gefüttert), fiel mir auf, dass er immer hagerer wurde und das Fell allmählich seinen Glanz verlor. Er wirkte verwittert, schlief in den Garagen der Nachbarn und machte einen sehr ruhelosen und leicht verstörten Eindruck, aber er war Menschen gegenüber unheimlich zutraulich und so aufsässig, dass er jedem ins Haus gefolgt wäre.
Da dann die besonders heißen Tage kamen und alle in der Umgebung Türen und Fenster offen ließen, kam es oft vor, dass besagter Kater (den ich "Tyson" genannt habe) natürlich anfing sein Revier zu markieren - wovon unsere Hauswand ebenso betroffen war, wie das Wohnzimmer unseres Gegenübers.
Als "Tyson" dann begann, sein Revier zu verteidigen und die Nachbarskatzen Cookie, Pinguin und unsere Mimi anzugreifen, kamen wir überein dass es besser wäre ihn zu fangen und zum Höhof (Katzenhilfe) zu bringen. Dort würde er kastriert und käme in ein Rudel sozialisierter anderer Katzen, hätte einen festen Futterplatz und einen riesen Auslauf in einem gezäunten Gehege.
Gesagt getan griff der Nachbar beherzt zu und packte Tyson bei der nächstbesten Gelegenheit in die Box, die ich ohnehin noch wegen Chili von der KH zu Hause hatte. Mein Freund und ich fuhren Sonntag morgen dann gleich los in die 15km entfernte Auffangstation und gingen sicher, dass Tyson gut versorgt wurde. Die kurze Erstuntersuchung ergab, dass er vermilbte Ohren hatte, sehr abgemagert war und scheinbar schon etwas über 2 Jahre sein musste.
Gleich am nächsten Tag wurde Tyson kastriert.
Ich hatte die Woche Urlaub, um Chili an ihre neue Umgebung zu gewöhnen und ihr Gesellschaft zu leisten. Dienstag Morgen gegen 10 Uhr klingelte bei mir das Telefon - es meldete sich eine erhitzte, nein sogar sehr boshafte Frau, die nachhakte ob ich verantwortlich dafür wäre, dass Tyson zum Höhof gebracht wurde.
Ich gestand natürlich und erzählte ihr von Tysons Ruhelosigkeit, dass man ihn ausgesetzt hatte, er kein Dach über den Kopf hatte und krank war. Da beteuerte die Dame, dass ihre Tochter den Kater aber ständig gefüttert habe und jetzt nur am Rumheulen sei, weil besagtes Tier eben nicht mehr da wäre.
Ich fragte, ob Tyson auch in ihrem Haus markiert hätte, woraufhin sie verneinte - denn ins Haus hatte sie ihn nicht gelassen und die Türen waren scheinbar auch alle geschlossen. Von dem ganzen "Krawall" habe sie nichts mitbekommen.
Nachdem ich den Ärger etwas von mir wenden konnte und die Nachbarin wiederum eine andere Nachbarin beschuldigte, diese hätte das nur veranlasst um ihr eines auszuwischen, bot ich der Dame an zum Höhof zu fahren und Tyson wieder zu holen. Er sei jetzt kastriert und versorgt und auf ein zu Hause würde er sich freuen.
Diesen Vorschlag hat sie abgelehnt.
Und wie ich am selben Tag noch erfuhr, ist diese Frau zu geizig und zu feige die komplette Verantwortung für ein Tier zu übernehmen, die Kosten zu tragen (Impfung, Chip, Tattoo, Kastration gerade mal 100 Euro bei der KH) und sich dem Kater anzunehmen.
Solche heuchlerischen Gesellen lassen mich ratlos, denn mit nichts Halben und nichts Ganzem ist dem Tier nicht geholfen, vor allem weil sie es nicht einmal selbst in Erwägung gezogen hat, mit Tyson zumindest zum Tierarzt zu fahren, um ihn checken zu lassen.