Aus gegebenem Anlass möchte ich an dieser Stelle gern einen Info-Beitrag rund um
FIP (
feline infektiöse Peritonitis = infektiöse Bauchfellentzündung) verfassen. Es frustriert mich immer wieder immens, wenn User hier verschiedene Symptome schildern und dann wird das Tier urplötzlich wegen
FIP eingeschläfert, obwohl noch nicht einmal ansatzweise zielführende Untersuchungen angestellt wurden.
Fakt ist, die wenigsten Tiere, die wegen
FIP eingeschläfert wurden, hatten auch
FIP.
FIP ist leider die Diagnose, die fällt, sobald ein
Tierarzt sich aus den Symptomen keinen Reim machen kann und auch nicht auf die Idee kommt, an Kollegen oder Spezialisten zu verweisen. Fakt ist ebenfalls,
FIP kann nur am toten Tier zweifelsfrei diagnostiziert werden. Es gibt keinen
FIP-Test!!!
FIP –Viren entstehen durch
Mutation eigentlich harmloser Corona-Viren. Ein Test kann nur Antikörper nachweisen, wobei er NICHT zwischen Corona-und
FIP-Antikörpern unterscheiden kann, da diese nahezu identisch sind. Bei jedem Tier, das bereits mit Corona infiziert ist (und das sind je nach Quelle 70-90% aller Katzen!) fällt der irrtümlich als solcher bezeichnete
FIP-Test positiv aus! Das durchschnittliche Mutationsrisiko beträgt schätzungsweise 2%. Es ist u.a. bei kranken oder gestressten Katzen (dies gilt auch in Gemeinschaften mit hoher Katzenpopulation auf engem Raum) höher, das heißt, gesunde Katzen ohne Stress haben ein entsprechend geringeres Risiko. Corona-Viren finden sich quasi überall in unserer Umwelt, nicht nur unsere Katzen haben mit ihnen zu tun, auch wir. Und wir können sie jederzeit an unsere Katzen herantragen. Demzufolge macht es auch keinen Sinn, die Adoption eines Kätzchens abzulehnen, nur weil es positiv getestet wurde. Man bedenke, die hohe Durchseuchungsrate und das alltägliche Risiko einer Infektion für die bereits im Hause lebenden Tiere. Nebenher: selbst wenn bei einem Tier
FIP ausgebrochen sein sollte, so können sich andere Katzen auch von ihm nur mit Corona infizieren (sofern sie nicht ohnehin bereits infiziert waren), nicht mit
FIP! Zwar ist die Flüssigkeit eines eventuellen Ergusses hochinfektiös, aber die befindet sich im Inneren des Tiers und man müsste das erkrankte Tier schon aufschneiden und die gesunden Tiere damit in Kontakt geraten lassen, damit überhaupt eine Gefahr bestehen könnte.
--- Ergänzung 29.03.2011 betr. Ursachen ---
Die Ursachen, welche einer
Mutation von Corona hin zu
FIP zugrunde liegen, sind noch immer nicht erforscht, die Forschung hierzu befindet sich in den Kinderschuhen. In der Tat gibt es aber Studien, die vermuten lassen, dass - neben Stress - genetische Ursachen durchaus (mit) zugrunde liegen. Es war schon länger bekannt, dass in manchen Katzenfamilien in gerader Verwandtschaftslinie zum einen
FIP-Fälle vermehrt auftraten und zum anderen häufiger dieselben Virenstämme identifiziert wurden. Dies führte anfangs zu der Fehlannahme,
FIP sei übertragbar, inzwischen wandelte sich dies aber hin zu der Vermutung (wie gesagt, durch Studien getrieben), dass Genetik eine Rolle spielt. Die direkte Übertragung des
FIP-Virus hingegen gilt inzwischen als ausgeschlossen, wenn gesunde Katzen nicht mit der hochinfektiösen Flüssigkeit des Bauchergusses in Berührung kommen. Dass
FIP selbst nicht übertragbar ist, wird damit begründet, dass bei zwei Katzen, die im selben Haushalt (oder
Tierheim) an
FIP erkrankten und die nicht miteinander verwandt waren, nicht dieselben
FIP-Virenstämme gefunden wurden. Das abgesehen davon, dass die statistische Wahrscheinlichkeit für das zeitnahe tatsächliche wiederholte Auftreten einer
FIP-Erkrankung im selben Haushalt verschwindend gering ist.
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Eine so (und ebenfalls fälschlicherweise) genannte
FIP-Impfung gibt es zwar, aber sie ist nicht anzuraten. Erstens, hat sie überhaupt nur dann ansatzweise einen Sinn, solange das Tier noch NIE mit Corona in Berührung kam. DAS allerdings kann NIE zweifelsfrei bewiesen werden. Ein negativer
Titer besagt dies nicht, denn das könnte auch heißen, dass noch so wenig Antikörper vorhanden sind, dass diese alle an die vorhandenen Viren gebunden und also nicht frei verfügbar sind. Sobald eine Infektion mit Corona besteht, hat die Impfung keinerlei (positive) Wirkung mehr, denn sie verhindert eben nicht den Ausbruch von
FIP sondern bietet lediglich einen 40%igen (!!!) Schutz gegen eine Corona-Infektion! Also ist es eine wenig wirksame Corona-Impfung, keine
FIP-Impfung! Es gibt im übrigen die Vermutung, dass Katzen, die bereits mit Corona infiziert waren und dennoch die Impfung erhielten, ein erhöhtes Risiko haben, dass
FIP ausbricht.
Nun zur Erkrankung selbst: eine
FIP-kranke Katze hat schwere und vielfältige, sich stetig und oftmals sehr schnell verschlimmernde Krankheitssymptome! Sie ist sichtbar schwer krank, spielt nicht mehr, frisst nicht mehr, hat Fieber oder Untertemperatur (beides möglich), nimmt rapide ab (Rippen stehen hervor, selbst wenn sich ein Baucherguss gebildet haben sollte – was nicht immer vorkommt), hat nicht selten Durchfall oder Verstopfung, Erbrechen, liegt nur noch kraftlos und teilnahmslos herum, nässt und kotet möglicherweise unter sich oder irgendwo in der Wohnung… Hinzu kommen, je nachdem, ein sichtbarer Erguss im Brust/Bauchraum (nicht immer) oder auch Anfälle und sonstiges. Im Verlaufe der Krankheit versagen zunehmend die Organe, das man dann später am Blutbild erkennt, Leber- und Nierenwerte sind bald erhöht. Auch die Blutplättchen weichen von den Referenzbereichen ab (im später angegebenen Link ggf. genauer dargelegt).
Und dennoch, selbst wenn all diese Symptome zutreffen, gibt es noch immer genügend andere Krankheiten abzuklären, weil nichts von alledem oder in seiner Gesamtheit alleinig typisch für
FIP ist. Solange es der Zustand des Tieres zulässt, solange es nur vereinzelte Symptome gibt, die mit entsprechender Behandlung in den Griff bekommen werden können und also Zeit für Untersuchungen bleibt, sollte eine Differentialdiagnose (Ausschlussverfahren) durchgeführt werden. Sehr häufig werden andere Krankheiten gefunden wie eine Leberentzündung, Entzündung der Bauchspeicheldrüse, eine Herzerkrankung, Parasitosen, Pilzinfektionen etc pp, durchaus auch andere Virus-Infektionen, die aber mit Behandlung dem Tier durchaus noch beschwerdefreie Jahre schenken können (ja, sogar
FIV und
FeLV!). Allein in unserem Forum gibt es viele User mit Tieren, denen bereits vor Jahren
FIP nachgesagt wurde und die immer noch leben und sogar wieder ganz gesund geworden sind.
Wenn aufgrund eines komplexen und schweren Krankheitsbildes Verdacht auf
FIP bestehen sollte, dann darf man nicht überreagieren. Kühlen Kopf bewahren, ist die Devise. Ein Antikörpertest alleine besagt GAR NICHTS und den könnt ihr beruhigt unter „Geld rausgeworfen“ abheften, wenn es der Miez ansonsten gut geht (wie gesagt,
FIP-erkrankte Tiere sind sichtbar schwer krank!). Erst das sogenannte
FIP-Screening, die Serum-Elektrophorese, liefert schon ein wenig mehr Aufschluss (immer noch nicht genügend!). Je nach Symptomatik gibt es noch weitere Tests (wie die Rivalta-Probe der Bauch-Flüssigkeit). Unter diesem Link könnt und solltet ihr euch darüber informieren: *
klick mich*
Dies ist nur eine sehr kurze Zusammenfassung und ich hoffe, die prägnanten Infos sind alle enthalten. Das Thema
FIP ist sehr komplex und leider bestehen so viele Mythen und Vorurteile darum, denen bereits unzählige Katzen zum Opfer gefallen sind, die ansonsten mit adäquater Untersuchung und Behandlung noch ein schönes Leben hätten führen können. Worum ich im Wesentlichen bitte: geht’s eurem Tier nicht gut, aber ist es in einem Zustand, der mit Medikamenten stabil gehalten werden kann, dann lasst euch nicht mit
FIP abspeisen sondern lasst es gründlich untersuchen! Steckt keinesfalls den Kopf in den Sand, nur weil ein
Tierarzt sofort
FIP sagt und zur Einschläferung rät! Bedenkt, dass, wie eingangs erwähnt,
FIP die am meisten fehldiagnostizierte Krankheit ist und es selbst beim Zusammentreffen aller Symptome noch immer andere mögliche Ursachen geben kann!