Nun macht mal halblang, wie alt ist das Mädchen überhaupt? Es ist völlig normal, ab einem fähigen Alter im Haushalt mit zu helfen, und es ist auch keine Seltenheit, wenn Mütter mehrerer Kinder einen Favoriten haben. "Kriegt keine Liebe" möge man bitte mal definieren. Das ist ein extrem dramatischer Satz, der nicht erläutert wird und meinen lässt, die Kleine kriegt weder saubere Kleidung, noch ein Geburtstagsgeschenk, dafür Schläge und Sklavenarbeit (Geschirr spülen und das eigene Zimmer aufräumen, sollte man ab 10 spätestens ab und zu können - in meiner Kindergruppe hatten 6jährige schon ein festes Amt!). Wir sollten auch mal daran denken, dass sie überhaupt erst eine Katze bekam, auch wenn es traurig endete.
Ehe wir hier Leute öffentlich anprangern, sollte es vielleicht mehr Info geben als "Sohn wird bevorzugt, Tochter hilft im Haushalt, Katze wurde abgegeben". Und letztlich ist Ungerechtigkeit allein noch kein Grund für das Jugendamt, einzuschreiten. Das ganze Leben und jeder Mensch ist ungerecht. Ich sage nicht, dass man gar nichts tun soll, aber Leuten das Jugendamt vorbei zu schicken, kann verheerende Folgen haben und die müssen gerechtfertigt sein.
Ich finde es sehr schäbig, was die Mutter mit der Katze gemacht hat, aber dass ein Kind nur Freunde in der Schule hat, muss nicht Schuld der Eltern sein, und obwohl ich das mit der Katze überhaupt nicht gut finde, weiß hier ja keiner, wie weit das ging. Vielleicht gingen ihre Noten ja wirklich zurück, weil sie zu viel mit der Katze und zu wenig mit der Schule beschäftigt war. Und sind 10 glückliche Jahre mit einer Katze auch noch so schön, folgen darauf 20 Jahre mit Harz IV, weil man keinen gescheiten Abschluss hat....
Ich weiß noch, wie sauer meine Mutter war, als ich wegen 16 Ratten, die ich morgens gegen Lungenentzündung behandeln musste, oft und gefolgt von blauen Briefen, zu spät zur Schule kam. Gut, sie hat meine Ratten nicht abgegeben, aber sie war schon wütend, da besorgt um meine Noten = Versetzung = Abschluss = ZUKUNFT. Das war in der 7.
Das kann ich schon verstehen. Sofort das Tier abgeben, ist falsch und grausam, aber der Gedanke dahinter ist es nicht unbedingt. Und es weiß hier ja auch keiner, ob die Mutter nicht vorher versuchte, das Problem anders zu lösen. Bis in ein gewisses Alter haben Kinder auch Schwierigkeiten, über ihren eigenen Standpunkt hinaus zu blicken und in der Ungerechtigkeit anderer deren Standpunkt zu begreifen. So vergessen sie manchmal, dass ihre Opferrolle nicht das einzig nennenswerte an einer Angelegenheit ist. Das ist ja nicht schlimm, das ist bei Kindern normal, aber man sollte die Aussagen verletzter Kinder nicht gleich als einzige Version der Wahrheit sehen. Wer weiß, was in diesem Fall noch dazu geführt hatte. Vielleicht war das mit den Noten ja nur eine Ausrede der Mutter, weil es andere, unangenehmere Gründe gibt, oder aber das Verhältnis Katze/Noten war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Weiß hier keiner, und was man nicht weiß, darüber kann man nicht urteilen.