Hallo Chrisi,
wollte Dir mal sagen, dass ich Dich sehr gut verstehen kann und dass es mir letztes Jahr bei unserem Urlaub in die Türkei genauso ging. Überall Katzen, die aus Mülltonnen leben, und man kann nichts machen. Die Leute haben ja selbst nicht viel zu essen.
Ich habe den ganzen Urlaub lang überlegt, was man tun könnte, hab darüber nachgedacht, ob man mit einem Tierarzt zusammen eine Kastrrationsaktion durchführen könnte... aber mal abgesehen von den Kosten - die Zeit eines Lebens würde niemals ausreichen, um auch nur den Katzen und Hunden eines Landes zu helfen. Ich könnte heulen, bei so viel Machtlosigkeit.
Einer Katze wollte ich helfen, und es ist komplett in die Hose gegangen. Es war in einer kleinen Hafenstadt, die Katze saß ein paar Meter von einem Fischerboot entfernt und wartete wohl auf einen Happen zu futtern.
Als ich genauer hingesehen habe, sah ich was an ihrem Mäulchen blitzen. Es war ein Angelhaken, der durch die Lippe gebohrt war. Meine Eltern und ich wollten ihr helfen und das Ding wenigstens rausziehen, sie ließ sich aber logischerweise nicht einfangen.
Wir hatten schon aufgegeben, da saß das Tier plötzlich neben mir. Ich dachte, die Chance kommt nie wieder und wollte sie festhalten...
Ich hätte wissen müssen, dass es nicht geht, dass eine wilde Katze, die weiß dass Menschen böse sind, viel mehr Kraft hat als eine liebe Hauskatze, die sich nur mal gegen den Tierarzt wehrt...
Jedenfalls ging alles wahnsinnig schnell, sie sprang mit einer solchen Kraft an mir hoch, wie ich sie noch nie bei einer Katze erlebt habe. Ihre Zähne bohrten sich in mein Kinn, ich hatte natürlich schon längst wieder losgelassen, aber es war zu spät.
Sie ergriff das weite, und ich registrierte erst ein paar Mintuen später, dass mein T-Shirt zerrissen war und mein Gesicht blutete. Ich spürte keine Schmerzen, nur eine wahnsinnige Wut, weil ich zu blöd war um zu helfen. Sie wird sterben, dachte ich, sie wird sterben und keiner tut was...
Es ließ sich nicht verhindern, dass die anderen Leute aus der Reisegruppe es mitbekamen. Sie machten sich Sorgen, aber ich war nur wütend, dass sie sich Sorgen um mich machten und nicht um die Katze. Außer meinen Eltern hat mich niemand verstanden, absolut niemand.
Am nächsten Tag bekam ich Fieber und ging zum Arzt, bekam eine Tollwutimpfung und Antibiotika... der Arzt dachte, die Katze hätte mich von sich aus angefallen, und wir hatten allerhand zu tun, ihm zu erklären, wie es passiert ist...
Ich hab das bisher fast keinem erzählt, und die paar Leute denen ich es erzählt habe, haben es nicht verstanden.
Vielleicht gibt es aber doch die ein oder andere Seele, die genauso gehandelt hätte... :wink:
Daniela