An anderer Stelle hab ich mal zusammengefasst, wie eine Vorbereitung für den ersten Wurf aussehen könnte.
1. Rassekenntnis
Meistens sind es Bilder, Artikel in Zeitschriften oder dann auch die Katzen, die man bei einem Züchter kennenlernt, die einen begeistern. Das ist in der Regel eine rein emotionale Entscheidung, dass man genau diese Katzen toll findet. Rationale Gründe gibt es meist wenige, aber das ist auch völlig in Ordnung. Für den Liebhaber kann das alles sein, was er über die Rasse wissen muss. Er hat einfach den Eindruck "Das ist MEINE Rasse!".
Jemand, der sich jedoch mit Zuchtgedanken beschäftigt, sollte bestrebt sein, zum Experten für diese Rasse zu werden. Was unterscheidet die eigene Rasse von anderen, ähnlichen Rassen? Wie entstand sie, was sind verwandte Rassen? Gut wäre auch, Katzen von mehreren Züchtern kennenzulernen, damit man einen Eindruck davon bekommt, welcher Typ einem selbst am besten gefällt und vor allem, um ein Auge dafür zu bekommen, was genau die Unterschiede sind. Das ist bei seltenen Rassen nicht ganz einfach, weil es vielleicht in der Nähe des eigenen Wohnortes keine Züchter gibt. Dann sollte man sich wenigstens sehr ausgiebig mit Fotos beschäftigen und sie in allen Einzelheiten vergleichen und das mit seinem Mentor besprechen.
2. Züchterische Grundkenntnisse
Ein Züchter ist ganz allein dafür verantwortlich, wie er seine Katzen hält, verpaart und die Kätzchen aufzieht. Deshalb kann er auch rechtlich zur Rechenschaft gezogen werden, wenn er mit dieser Verantwortung nicht gut umgeht und nicht die bestmögliche Sorgfalt in seinen Zuchtentscheidungen walten lässt. Dafür sind selbstverständlich umfangreiche Kenntnisse notwendig, weil Unwissenheit nicht vor Strafe schützt. Deshalb möchte ich hier die wichtigsten Bereiche kurz nennen, mit denen sich ein Züchter spätestens vor einer Verpaarung intensiv auseinander setzen sollte. Es geht dabei nicht darum, dass man ein Studium absolviert, aber man sollte wenigstens erkennen, wann man zum Tierarzt seiner Wahl gehen muss:
- Veterinärmedizinische Grundkenntnisse: die wichtigsten Katzenkrankheiten, Impfung, Kastration, Geburt, Kaiserschnitt, Verhinderung von Nachwuchs, erbliche Erkrankungen, ...
- Genetik: Vererbung von Blutgruppen und erblichen Erkrankungen, Fellfarben (aus gesundheitlicher Sicht ist vor allem die Vererbung des Weiß wichtig), Vererbung von äußerlichen Merkmalen, Zuchtstrategien, ..
- Haltung und Aufzucht von Katzen: Verhalten, Entwicklung, Lernverhalten, Ernährung, Pflege, ...
- Rechtliche Frage: Tierschutzgesetz (v.a. § 11), Haftung gegenüber dem Käufer, Steuerrecht
3. Die praktische Seite
Wenn man sich mit den Punkten 1. und 2. beschäftigt hat, dann ergibt sich daraus meist schon die Wahl der eigenen Zuchtkatze. Üblicherweise findet man die bei einem erfahrenen Züchter seiner Rasse. Es ist empfehlenwert, dass man mit einer Katze startet, die schon möglichst weit dem eigenen Ideal seiner Rasse entspricht. Da es die perfekte Katze nicht gibt und nie geben wird, muss man immer irgendwelche Abstriche machen, was das Äußere angeht.
Niemals darf man jedoch Abstriche an der Gesundheit und am Wesen machen!
Ein gesundes Nervenkostüm und instinktsicheres Verhalten sowie Gesundheit sind so wesentlich, dass man da niemals Kompromisse eingehen sollte. Wenn in den folgenden Generationen immer wieder aml äußere Merkmale auftauchen, die man nicht haben möchte, dann ist das zwar ärgerlich, sollte aber einfach den züchterischen Ehrgeiz anspornen. Vernachlässigt man jedoch die geundheitliche Seite, kann das über Generationen hinweg der Rasse schaden. Die Mehrheit der erblichen Erkrankungen wird verdeckt weitergegeben, sind aber trotzdem vorhanden und führen dann zu schweren Schäden bei den Nachkommen, wenn plötzlich unerkannte Merkmalsträger verpaart werden.
Beim Kauf der Katze sollte von Anfang an vertraglich die Möglichkeit zur Zucht gegeben sein. Das muss im Kaufvertrag geregelt sein, damit man später keine Probleme hat, wenn der Züchter nachträglich dem nicht zustimmen will.
Nun ist die Katze da, wie geht es nun weiter? Bevor eine Katze Nachwuchs bekommen darf, sollte man einiges abklären:
Ab Geburt möglich:
- Blutgruppe
-
Gentest auf die wichtigsten Erbkrankheiten, Fellfarben, Blutgruppe B
Ab 10 Monate:
- Ultraschall auf
PKD (Nieren)
- Zuchtuntersuchung (Ausstellung oder durch Tierarzt)
Vor der 1. Verpaarung:
- Test auf
FIV und
FeLV (Katzenaids, Katzenseuche)
- Ultraschall auf
HCM (
Empfehlungen von Dr. Kresken)
Alles ist in Ordnung, die Katze ist robust, leidet nicht unter Überempfindlichkeiten und ist mindestens 10-12 Monate alt. Nun steht man vor der Entscheidung, bei welchem der unzähligen Vereine man Mitglied wird. Das ist mehr oder weniger eine Frage der persönlichen Vorlieben und was einem wichtig ist. Es ist auch sinnvoll, sich vorher bei anderen Züchtern zu erkundigen, ob sie den Verein als seriös einschätzen.
Ein wichtiges Kriterium ist dann die Zuchtordnung des Vereins, denn die bestimmt das weitere Vorgehen und das ist bei den Vereinen sehr unterschiedlich.
Und da bitte ganz genau erkundigen, bevor man eine Katze decken lässt! Es gibt einige Formalitäten, an die man sich halten muss, die aber meist nicht schwer zu erfüllen sind.
4. Die Wahl des Deckkaters
Um mit einer Katze zu züchten, empfiehlt es sich am Anfang, keinen eigenen Deckkater zu halten, sondern erst einmal die Dienste eines Deckkaters eines anderen Züchters in Anspruch zu nehmen. Selbstverständlich sollte der Deckkater alle Kriterien erfüllen, die man auch an die eigenen Katze anlegt. Ist ein Kater in der engere Auswahl, dann setzt man sich mit dem Besitzer in Verbindung und unterbreitet ihm das Vorhaben. Im besten Fall ist er damit einverstanden und es werden die Deckbedingungen ausgehandelt (was kostet das, welche Untersuchungen, wann ist ein Besuch möglich).
Üblicherweise bringt man die Katze zum Deckkater und nicht umgekehrt. Eine rollige Katze wird sich auch durch eine Autofahrt meist nicht von dem Drang nach Fortpflanzung abbringen lassen. Kater sind da meist sensibler.
5. Die Kitten sind da!
Wichtig ist hier zu beachten, dass man die Kitten innerhalb von 8 Wochen bei seinem Verein melden muss. Man schickt in der Regel alle Unterlagen (Wurfmeldung, Kopien von Stammbäumen, Untersuchungen, Ausstellungsergebnisse,..) an das Zuchtbuchamt/Zuchtbuchstelle des Vereins und erhält dann irgendwann die Abstammungsnachweise für die Kitten.
Bei allem ist es sehr hilfreich, wenn man einen erfahrenen Züchter an seiner Seite hat, der einen in allen Fragen berät und unterstützt. Meist ist das der Züchter der eigenen Katze, hin und wieder auch ein Züchter, mit dem man befreundet ist. Optimal ist es natürlich, wenn man dort schon einmal eine Katzengeburt und die Aufzucht von Kitten miterleben durfte. Allerdings muss man dann schon recht nah beieinander wohnen, damit das problemlos möglich ist.
Die Geburt und Aufzucht der Kitten ist ein ganz eigenes Thema, mit dem sich jeder Züchter intensiv beschäftigen sollte, bevor die Katze gedeckt wurde. Am besten ist es auch hier, wenn man einen erfahrenen Züchter an seiner Seite hat, der einem jederzeit gerne beisteht oder Fragen beantwortet.