Ich dachte, ich erzähl euch mal die Geschichte von dem Kater, den ich diese Nacht betreut habe, damit seine Besitzerin mal eine Nacht ausschlafen kann (vor allem, da sie heute Abschlussprüfung hat).
Wie ich im Vorstellungsthread schon geschrieben habe, arbeite ich in einer Tierarztpraxis.
Letzte Woche Montag, bekommt meine Freundin, die auch gleichzeitig meine Kollegin ist, einen Anruf ihrer Mutter, dass es dem Kater zu hause ganz plötzlich nicht gut geht. Er ist ca 3 Jahre alt und Freigänger.
Meine Freundin sagte ihrer Mutter, die weiter weg wohnt, dass sie sofort zu ihrem Haustierarzt gehen soll.
Ihre Mutter ist also zu ihrem Arzt. Diagnose dort (ohne Ultraschall, Röntgen etc): er kann nicht pinkeln und sie solle doch in die nächste Tierklinik fahren.
Aber die Mutter meiner Freundin ist dann zu uns in die Praxis gekommen, was in etwa genauso viel Fahrtzeit ist, wie in die Klinik.
Wir haben also den Kleinen komplett auf den Kopf gestellt: Röntgen, Ultraschall, Infusion, Blut etc.
Er konnte wirklich nicht pinkeln, aber das lag nicht, wie man ja sofort vermutet, an Harnsteinen oder Kristallen, sondern wir vermuteten, dass die Harnröhre abgerissen ist.
Der ganze Po war rot und blau und geschwollen, vermutlich durch einen Tritt in den Hintern, als er zuhause draußen unterwegs war. (wer tut sowas?!?!)
Das Problem: wir konnten bei uns kein Kontrastmittel eingeben, um den Harnröhrenabriss zu bestätigen. Und ihn aufgrund einer Vermutung auf zu machen, war auch keine Option.
Also in die Tierklinik bei uns in der Nähe.
Die Verdachtsdiagnose wurde bestätigt und am nächsten Tag sollte er operiert werden. Die Harnröhre ist laut Klinik ca 2 cm in den Körper hinein abgerissen, also im Becken.
Die Ärzte in unserer Praxis sagten, dass sie sich das ehrlich gesagt nicht zutrauen und wenn die Klinik ihn operieren würde und sagt, dass er eine Chance hat, dann soll sie das dort machen lassen.
Kostenvoranschlag Klinik: um die 3000€ (!)
Da das wirklich eine immense Summe ist, war eine Operation in der Klinik nicht möglich.
Meine Freundin hatte da schon 300€ für die Untersuchungen bezahlt.
Als sie den Kater wieder mitnehmen wollte, weil sie ja nur zur Bestätigung der Diagnose dort war und die OP, bzw das Gesamtpaket zu teuer waren, wollte sie den Kater wieder mitnehmen, was ihr untersagt wurde, weil die behandelnde Ärztin nicht mehr da war.
Also ist meine Freundin am nächsten Tag wieder hin, um ihn abzuholen und musste noch einmal 500€ bezahen.
Aber immerhin hatte er nun einen Katheter liegen, sodass wir ein wenig Zeit hatten...
Sie hat ihn jedenfalls mitnehmen können, da sie eine Praxis gefunden hat, die die Operation versuchen würde und nur die Operation als Kosten berechnen würde, da die Versorgung ja auch von uns gemacht werden könnte.
Sie also hin zu dem Spezialisten, der ihr (aufgrund der Röntgenbilder der Klinik) aber sagte, dass die Harnröhre wahrscheinlich viel weiter im Körper drinnen abgerissen sei und eine Op unmöglich mache.
Völlig aufgelöst kam meine Freundin also mit dem Kater zurück in unsere Praxis und es war von Euthanasie die Rede.
Da kam dann also meine Chefin, die sagte, dass man immer noch einschläfern könnte, wenn es denn nun gar nicht anders ginge, aber erstmal versuchen wir selbst eine Operation.
Also standen wir letzten Donnerstag über drei Stunden im OP, nahmen den Penis ab, zogen die Harnröhre vorsichtig nach außen und nähten sie fest.
Das ist jetzt eine Woche her und bisher hat der kleine Mann keine Probleme!
Er bringt sie zwar um den Schlaf, weil er noch in einem Kaninchenkäfig sitzt und sich den Halskragen die ganze Nacht putzt, aber er ist munter und wird hoffentlich wieder! ^^
Wir sind alle total happy und ich drücke ihr für ihre heutige Abschlussprüfung ganz fest die Daumen!